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Züge sollen wieder rollen

Nächster Schritt: Im Bemühen, die Bahnstrecke Gerolstein-Prüm zu reaktivieren, will sich die Interessengemeinschaft Westeifelbahn zu einem Förderverein umwandeln und so ohne öffentliche Zuschüsse das Geld für die Instandsetzung der Strecke zusammenbekommen. Von unserem Redakteur Mario Hübner

Gerolstein/Prüm. An diesem Sonntag soll aus der Interessengemeinschaft Westeifelbahn ein eigenständiger Förderverein werden. Oder, wie es Sprecher Andreas Kurth sagt: "Wir wollen vom losen Zusammenschluss zum rechtsverbindlichen Verein werden. Letztlich geht es darum, die Zerstörung einer über 125 Jahre alten Infrastruktur der Westeifel zu verhindern."

Mit diesem Schritt solle aber auch denjenigen, die die Reaktivierung der seit Jahren stillgelegten, aber noch nicht entwidmeten Bahnstrecke mit Eigenleistung und Geld unterstützen wollen, ein Signal gegeben werden. Kurth sagt: "Es gibt genügend Leute, die bereit sind, dafür Geld bereitzustellen und Eigenleistung einzubringen."

Auf wie viele Unterstützer er aktuell zähle, konnte er nicht sagen. Hingegen bezifferte er gegenüber dem TV die Summe, für die seinem Erachten nach die 23 Kilometer lange Bahntrasse erst instand gesetzt werden könne. Kurth: "Die Millionensummen, die kursieren, sind unrealistisch und nicht seriös. Ich bin der festen Überzeugung, dass man mit einem Betrag im mittleren sechsstelligen Bereich hinkommt." Hinzu kommen nach Worten des Eisenbahnfreunds jährliche Instandhaltungskosten von "durchschnittlich weiteren 100 000 Euro pro Jahr".

Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist - bei angenommener Instandsetzung - der Betrieb der Strecke. Dafür hat Kurth - ebenso wie die Vulkaneifelbahn-Betriebsgesellschaft von Jörg Petry - beim Ministerium einen Antrag auf Erteilung der Betriebsgenehmigung gestellt (der TV berichtete). Die Gründung der potenziellen Betreibergesellschaft, die Westeifelbahn GmbH, läuft bereits. Als Grundlage für die Genehmigung hat Kurth ein Betriebskonzept erarbeitet.

Er sagt: "Das sieht den eigenwirtschaftlichen Betrieb der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm ohne öffentliche Zuschüsse vor." Die Säulen dieses Konzepts: Langfristig ist geplant, von März bis Oktober täglich Schienenbusse auf der Strecke pendeln zu lassen. Bis es so weit ist, soll die Strecke in vier Abschnitten instand gesetzt werden. Kurth: "Und auf jedem dieser Teilabschnitte wollen wir Draisinenfahrten anbieten - als weiteres touristisches Angebot in der Region."

Angesprochen auf seinen Kontakt zur Stadt Gerolstein und zur Verbandsgemeinde Prüm als Eigentümern der Strecke, sagte Kurth: "Der Verein wird an die Kommunen einen Antrag auf Pachtung der Strecke stellen." Er betonte aber auch, dass das "keine zwingende Voraussetzung für den Betrieb" sei.

Entmutigen lassen werde er sich von der Position der Kommunen nicht, die sich beide deutlich für die Entwidmung der Bahnstrecke und den Bau eines Radwegs auf der Trasse ausgesprochen hatten (der TV berichtete).

Die Gründungsversammlung der "IG Westeifelbahn e.V." ist am Sonntag, 18. April, ab 14.30 Uhr im Landhaus in Gerolstein-Müllenborn. Im Vorfeld der Gründung und der notwendigen Wahlen gibt Andreas Kurth einen Überblick über den aktuellen Sachstand der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm. Alle Interessierten sind eingeladen. Reaktionen Gerolsteins Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz (CDU) sagt zur anstehenden Vereinsgründung: "Das kümmert mich nicht weiter. Wir wollen nach wie vor die Entwidmung der Trasse, um den Radweg realisieren und heikle Verkehrspunkte wie die Einmündung der L 24 in die B 410 bei Lissinigen entschärfen zu können." In die gleiche Kerbe schlägt Aloysius Söhngen, Bürgermeister der VG Prüm: "Ich werde sicher kein Mitglied des Vereins. Aber im Ernst: Wir wollen den Radweg und warten jetzt auf die Entscheidung des Ministeriums, dass die Bahnstrecke hoffentlich bald entwidmet wird. Falls nicht, müssten wir den Radweg parallel auf dem Bahnkörper bauen - mit erheblichen Mehrkosten." (mh)