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Geschichtenerzählerin und Liedermacherin – Sarah Lesch spielt in Trier

Konzert : Geschichtenerzählerin und Liedermacherin

Mit melodischen Klängen und tiefgründigen Texten machte die Liedermacherin Sarah Lesch am Freitag den Anfang bei der Open-Air-Konzertreihe im Brunnenhof in Trier. Zwei Stunden lang unterhielten die 35-Jährige und ihre beiden Bandkollegen die Zuhörer.

„Sie sorgt sich nicht um ihren Sieg, sie braucht nur einen Pranken­hieb“, hallt es klar und deutlich über das Kopfsteinpflaster des Brunnenhofs. Andächtig lauscht das Trierer Publikum im Schatten der Porta Nigra an kleinen silbernen Tischen der zierlichen Frau mit den tätowierten Armen und der kräftigen Stimme. Mit ihren gehaltvollen, durchdringenden Texten und ihren melodischen Liedern dringt die gebürtige Altenburgerin Sarah Lesch in jede Ritze des von den Mauern des Stadtmuseums Simeonstift umgebenen Platzes und in die Herzen und Köpfe ihrer Zuhörer. So erzählt die Sängerin mit der wilden Haarmähne in ihrem Lied „Die Löwin“ beispielsweise von einer Zeit, als sie nicht mehr wusste, wo sie die Kraft zum Weiterleben herholen sollte. „Viele wollten diese Schwäche meinerseits ausnutzen, aber ich konnte noch immer meine Tatze herausholen“, erklärt Lesch die Hintergründe des Songs. Das Stück, zu dem sie durch eine Dokumentation über Raubkatzen inspiriert wurde, widmet die Künstlerin den starken Frauen in ihrem Leben.

Mit ihren metaphorischen, deutschen Texten will die Liedermacherin vor allem eines: wahre Geschichten erzählen. Hierbei bieten die idyllische Atmosphäre des alten Gemäuers und der ausnahmsweise laue Sommerabend am Freitag die beste Umgebung für intime Momente zwischen Künstlerin und Zuhörern. Dabei macht Lesch auch vor unbequemen Themen nicht Halt, möchte aufrütteln und betroffen machen. In ihrem Song „Schweigende Schwestern“ nimmt die Sängerin das Publikum mit auf ihren Lebensweg, erzählt von einem Exfreund, der Pornos mit ihrem Stiefvater tauschte, von Missbrauch und einer frühen Schwangerschaft.

„Der ging voll auf die Zwölf“, lautet das Resümee von Mila aus Saarbrücken, die das Gehörte erst noch verarbeiten muss: „Die Texte sind sehr bewegend, man merkt richtig, dass sie sich über ihre Worte Gedanken gemacht hat.“ Mit Tiefgang und wortgewandt geht es auch direkt weiter. Diesmal erzählt Lesch die Geschichte von Marsha P. Johnson, einer afroamerikanischen Drag­queen, die im Sommer 1992 nach einem bewegten Leben tot im Hudson River aufgefunden wurde.

 „Sie ist viel zu unbekannt dafür, dass sie eine echt gute Künstlerin ist“,  sagen Charlotte und Vika aus Trier.
„Sie ist viel zu unbekannt dafür, dass sie eine echt gute Künstlerin ist“, sagen Charlotte und Vika aus Trier. Foto: Hanna Kother
 „Sie singt aus dem Bauch heraus“,  findet Markus aus der Eifel.
„Sie singt aus dem Bauch heraus“, findet Markus aus der Eifel. Foto: Hanna Kother
 „Uns gefällt einfach ihre Musik und ihre Texte“, sagen Natascha und  Berni aus Trier.
„Uns gefällt einfach ihre Musik und ihre Texte“, sagen Natascha und Berni aus Trier. Foto: Hanna Kother

„Reden ist Silber und Schweigen ist feige“, heißt es dann in Leschs Song „Rosa Elefant“, der von Konfliktvermeidung und dem Aufrechterhalten eines heilen Familienbilds handelt. Neben älteren Titeln wie diesem hat die Liedermacherin aber auch ihr neues Studioalbum mit im Gepäck. Das Werk mit dem Namen „Triggerwarnung“ wird im Herbst erscheinen. Am Freitag gab es für das Trierer Publikum bereits einen Vorgeschmack. In den Liedern „Ich trag dich nach Haus“ und „Licht“ verarbeitet die Künstlerin die Corona-Pandemie. Gerade im Winter sei es für sie schwer gewesen, sich vorzustellen, weiter Musik zu machen und davon leben zu können. Doch sie habe von ihren Fans und Begleitern großen Zuspruch erhalten. „Mir ist klar geworden, dass wir das Ganze hier nicht des Geldes wegen machen, sondern dass es mir Spaß macht, ein Lied zu singen, wenn da draußen irgendjemand ist, der zuhört“, erzählt Sarah Lesch in einer ihrer vielen Ansprachen zwischen den Liedern.

Für Lesch war das Konzert eine erfolgreiche Rückkehr in die Domstadt. Ihr drittes Studioalbum „Da Draußen“ (2017) hatte die inzwischen in Leipzig lebende Lesch fast ausschließlich in Trier geschrieben, wo sie damals der Liebe wegen war. Und auch das Trierer Publikum gewann sie am lauen Freitagabend für sich und bewegte es in der zweiten Hälfte des Konzerts mit temporeicheren Stücken zum Tanzen. Nach zwei Zugaben und Beifall im Stehen verklangen nach unterhaltsamen zwei Stunden die letzten Töne im alt­ehrwürdigen Brunnenhof.

Die Reihe in Trier geht am Freitag, 13. August, mit Matze Rossi und am Samstag, 14. August, mit Marathonmann weiter.