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Kinder
Gesundes Essen soll Spaß machen

Bundesernährungministerin Julia Klöckner (CDU) und CDU-Bundestagsabgeordneter Andreas Steier schneiden mit den Kindern der Trierer Kitas Maria Königin und St. Simeon Fruchtstücke für Obstspieße. Hier wurde die bundesweite Aktion „Gut Essen macht stark“ gestartet. Mit dabei: Cordula Scheich, Geschäftsführerin der Kita gGmbH (links). 
Bundesernährungministerin Julia Klöckner (CDU) und CDU-Bundestagsabgeordneter Andreas Steier schneiden mit den Kindern der Trierer Kitas Maria Königin und St. Simeon Fruchtstücke für Obstspieße. Hier wurde die bundesweite Aktion „Gut Essen macht stark“ gestartet. Mit dabei: Cordula Scheich, Geschäftsführerin der Kita gGmbH (links).  FOTO: Sabine Schwadorf
Trier. In zwei Trierer Kitas ist das Bundesprojekt „Gut essen macht stark“ gestartet: Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) gibt den Startschuss. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Jerome hat keine Berührungsängste – weder, wenn es darum geht, sich in seinem Kita-Raum, der Räuberhöhle, bei Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) auf den Schoß zu setzen, noch in Bezug auf erntefrische gesunde Trauben, Äpfel und Zwetschgen. „Und? Wie schmecken die?“, fragt die Ministerin. Selbstbewusst rückt sich der Fünfjährige seine Kochmütze zurecht, steckt sich eine blaue Traube in den Mund und hält den Daumen hoch.

Was Jerome nicht weiß, ist, dass bereits 15 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen in Deutschland übergewichtig bis adipös sind. Zu viele, sind Politik und Verbraucherzentralen überzeugt. Denn zusätzlich hängt die Gesundheit vieler Kinder auch noch vom Bildungsstand ihrer Eltern ab. Und deshalb hat das Ernährungsministerium das Projekt „Gut essen macht stark“ in 135 Kitas und 80 Schulen in Deutschland in sozial benachteiligten Stadtteilen der Stadtförderung „Soziale Stadt“ gestartet. Dabei sollen innerhalb eines Jahres Kita-Personal, Eltern und Kinder fitter für gesunde Ernährung gemacht und nach Abschluss auch geprüft werden. Partner des Bundesministeriums sind dabei die Verbraucherzentralen, federführend ist diejenige aus Nordrhein-Westfalen.

Den Startschuss für das bundesweite Projekt haben nun die Tandem-Kitas Maria Königin und St. Simeon in Trier-West, in der auch Vorschüler Jerome untergebracht ist, abgegeben. „Essen hat mit Kultur und Gesundheit zu tun. Kinder müssen erleben, dass gesundes Essen schmeckt. In unseren Kindertageseinrichtungen machen sie die Erfahrung, dass es Spaß macht, ein gesundes und leckeres Essen zuzubereiten“, sagt Cordula Scheich, Geschäftsführerin der katholischen Kita gGmbH Trier mit insgesamt 151 Kindertageseinrichtungen und rund 12 300 Plätzen für Kinder von acht Wochen bis zehn Jahren. Das bedeutet in der Praxis, dass täglich innerhalb einer Stunde rund 8500 Mittagessen für Jerome und all die anderen Kinder in den katholischen Kitas der Region Trier zubereitet werden müssen.

Was das für die Einrichtung St. Simeon heißt, schildert Standortleiterin Brigitte Wagner so: „Wir achten beim Mittagessen auf regionale und saisonale Produkte. Also: Es gibt keine Erdbeeren im Winter. Und einmal in der Woche gibt es ein Frühstücksbüfett mit Obst und Körnerbrot“, sagt sie. „Und das Wichtigste: Die Kinder lieben das.“ Doch das Sorgenkind bei der Erzieherin, die seit 29 Jahren in St. Simeon arbeitet, sowie für Christian Kunz, seit Juni Leiter in der Partner-Kita Maria Königin, ist die Frühstücksbox vieler Kinder und deren Inhalt: „Ob Nutellabrot oder Croissants aus dem Backautomaten: Vieles ist zu süß, zu fett – und zusätzlich zu teuer“, sagt Kunz.

Ziel des Bundesprojekts ist es nun, in den Kitas die Ansätze für gesundes Essen zu vertiefen. „Wir wollen das Bewusstsein dafür schaffen, dass gekauftes oder zu süßes Frühstück meist teurer ist als ein gesundes, selbst zubereitetes Essen“, sagt Kita-Leiterin Wagner. Am Ende könne gar ein tägliches Frühstücksbüfett mit frischen und gesunden Zutaten für Jerome und seine Kita-Freunde stehen, das die Eltern zahlen. „So hätten wir alle – Erwachsene und Kinder – mit im Boot.“

Quark mit Äpfeln, „Nudelen“ und Tomatensalat: In der Trier-Wester Kita St. Simeon dürfen die Kinder ihr Wunschessen äußern. Gesundes Mittagessen scheint begehrt zu sein.
Quark mit Äpfeln, „Nudelen“ und Tomatensalat: In der Trier-Wester Kita St. Simeon dürfen die Kinder ihr Wunschessen äußern. Gesundes Mittagessen scheint begehrt zu sein. FOTO: Sabine Schwadorf

Ein Ansatz, den auch die Verbraucherzentralen für enorm wichtig halten: „Das Projekt setzt auf Chancengleichheit und integrative Teilhabe. Wenn Kinder von Anfang an lernen, dass gesundes Essen Spaß macht, können sie davon etwas mit nach Hause nehmen und dort einfordern“, sagt Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. In der Praxis geht es um einen Baukasten von rund 80 verschiedenen Essens-Aktionen wie Körner schroten und Obst schneiden in den Einrichtungen, um eine verbesserte Kommunikation mit den Eltern, um Workshops für die Erzieher. „Der Ansatz ist neu, da wir die Kitas individuell begleiten und auch den Luxus haben, uns ausgiebig und nachhaltig um jede Einrichtung zu kümmern“, ergänzt Verbraucherberaterin Dagmar Pfeffer, die die beiden Trierer Kitas betreut.

Etwas, das die Bundesregierung verstärkt unterstützen möchte. So hat in dieser Woche das schwarz-rote Kabinett den Entwurf zu einem „Gute-Kita-Gesetz“ verabschiedet, das 5,5 Milliarden Euro in die Qualität der Kitas in Deutschland investieren will. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, ist Bundesernährungsministerin Julia Klöckner überzeugt. Und dazu gehöre auch eine „Ernährungskompetenz“ der Kinder und ein besseres Essensangebot, das die Ministerin mit einheitlichen Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Verpflegung erreichen will (siehe Info). Ein ganzheitlicher Ansatz, von dem dann nicht nur Jerome und die anderen rund 100 Kindern in den beiden Projekt-Kitas in Trier-West profitieren.

Und während  die Ministerin bereits auf dem Weg zum nächsten Termin ist, freuen sich die Kita-Kinder darüber, ihre Obstspieße zu vernaschen und die vorbereiteten Schwarzbrot-Häppchen zu knabbern.