Gewerkschaften rufen zur Beteiligung an Klimaprotest auf

Kostenpflichtiger Inhalt: Protest : Gewerkschaft: Lehrer sollen an Klimaprotest teilnehmen (Update)

In Trier kann es am Freitag wegen der geplanten Klimaproteste zu Verkehrsbehinderungen kommen. Die Schüler wollen ab 10 Uhr durch die Innenstadt ziehen. Gewerkschaften rufen Arbeitnehmer auf, sich an den Aktionen, die es landesweit geben soll, zu beteiligen. Auch Lehrer sollen mitmachen.

Nach dem Bistum Trier rufen auch Gewerkschaften zur Teilnahme an Klimaschutzprotesten am morgigen Freitag auf. Der Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Dietmar Muscheid, hat alle Beschäftigten aufgerufen, sich „außerhalb Ihrer Arbeitszeit“, an Demonstrationen zu beteiligen. „Der Klimawandel ist die dringlichste Herausforderung der Menschheit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten“, sagt Muscheid. Und weiter: „Wir wollen gemeinsam Flagge für einen sozialen und ökologischen Wandel zeigen, der Klimaschutz, sichere Arbeitsplätze und soziale Gerechtigkeit miteinander vereint“.

Auch die Lehrergewerkschaft GEW unterstützt die Schülerproteste und ruft Die „ruft alle Kolleginnen und Kollegen zur Teilnahme an regionalen Veranstaltungen und Demonstrationen“ auf. Die Gewerkschaft weist aber ausdrücklich daraufhin, dass es sich nicht um „einen tatsächlichen Streikaufruf im Sinne einer Arbeitsniederlegung“ handele.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) wies heute im Landtag daraufhin, dass für Lehrer die Schulpflicht gelte. Bei Schülern, die wegen der Demonstrationen vom Unterricht fernblieben, sei es „eine pädagogische Frage“ der Lehrer, der Schulleitung und der Eltern, „ob und wie im Einzelnen“ reagiert werde, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums volksfreund.de.

In Trier haben Eltern, die sich in der Initiative Parents for Future zusammengeschlossen haben, in einem offenen Brief an Schulleitungen appelliert, auf Strafen für Schüler zu verzichten, „die sich für unser aller Zukunft engagieren“. Schulen sollten es ermöglichen, dass im Sinne eines Projekttags Schüler und Lehrer gemeinsam zur geplanten Demonstration der Fridays-for-Future-Bewegung in der Trierer Innenstadt teilnehmen können. „Unterstützen Sie den Besuch als Maßnahme politischer Bildung“, heißt es in dem Brief. Auch sollte am morgigen Freitag auf Prüfungen verzichtet werden. Und weiter: „Werben Sie im Kollegium dafür, den Klimaschutz im Unterricht zu thematisieren, wo immer es der Lehrplan ermöglicht.“

Streiks seien keinen Grund, Schüler zu beurlauben, sagt Andreas Merzhäuser, Schulleiter des Bitburger St.-Willibrord-Gymnasium. „Wer trotzdem an den Demonstrationen teilnimmt, muss damit rechnen, dass die Stunden als unentschuldigte Fehlstunden vermerkt werden.“

Ähnlich verfährt man auch im Trierer Humboldt-Gymnasium: „Bei Schülern der Unter- und Mittelstufe werden die Eltern unverzüglich telefonisch informiert, dass ihr Kind unerlaubt das Schulgelände verlassen hat. Betroffene Schüler aller Klassenstufen erhalten unentschuldigte Fehlstunden.“ Auf „schulische Ordnungsmaßnahmen oder erzieherische Einwirkung“ werde aber verzichtet.

Anders die Situation an den kirchlichen Schulen in Trier, dem Angela-Merici-Gymnasium und der Blandine-Merten-Realschule. Das Generalvikariat des Bistums zur Teilnahme an dem Klimaprotest aufgerufen habe, komme man dem Aufruf „auf freiwilliger Basis“ nach, heißt es vom Angela-Merici-Gymnasium. „Sollte aus der Schülerschaft der Wunsch erwachsen, an den Veranstaltungen geschlossen teilzunehmen, so würden die Mitglieder der Schulgemeinschaft über eine geeignete Form der Teilnahme beratschlagen“, sagt Thorsten Schaller, Schulleiter der Blandine-Merten-Realschule.

Neben Trier sind Protestaktionen auch in Bitburg, Gerolstein und Bernkastel-Kues geplant. In Trier wird wegen der Demonstration, die um 10 Uhr auf dem Domfreihof beginnen soll, mit Verkehrsbehinderungen gerechnet.

Die Teilnehmer wollen über Windstraße, Dominikanerstraße, Sichelstraße, Ostallee, Theodor-Heuss-Allee zum Porta-Nigra-Platz ziehen von dort durch die Fußgängerzone zum Kornmarkt und schließlich zum Hauptmarkt. Kundgebungen sind beim Auguste-Viktoria-Gymnasium, bei den Stadtwerken und an der Porta Nigra vorgesehen.

Die Lokale Agenda21 unterstützt die Bemühungen für einen besseren Klimaschutz. Vor allem den Beschluss des Trierer Stadtrats, den Klimanotstand auszurufen, begrüßt der Verein. Es seien allerdings noch Anstrengungen notwendig, um das Ziel, den CO2-Ausstoß in Trier bis 2030 zu halbieren, zu erreichen, heißt es in einem Appell.

Hier der Wortlaut:

Energie: Die größten CO2 Einsparpotenziale liegen im Wärmesektor, da in diesem Bereich der Anteil der Erneuerbaren Energien am Verbrauch bei nur ca. 12% liegen. Deshalb muss in Zukunft ein Schwerpunkt darauf liegen, eine effiziente und nachhaltige Wärmeversorgung für Neubau,Gebäudebestand und Industrie zu gewährleisten. Dazu gehören Maßnahmen wie der Aufbau von Wärmenetzen auf Basis von erneuerbaren Energien, die Nutzung von Abwärme und Nullenergiehäuser als Standard für Neubauten. Mit der Umsetzung solcher Maßnahmen ist ein Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung mittelfristig machbar. Eine CO 2-Bepreisung würde fossile Heizenergie gegenüber erneuerbarer Wärme unwirtschaftlicher machen und Projekte mit regenerativer Wärme stärken.

Verkehr: Trotz technischer Verbesserungen sind im Straßenverkehr die Emissionen seit 1990 nicht zurückgegangen und betragen derzeit fast ein Fünftel aller klimaschädigenden Emissionen. DieUmkehr dieses Trends kann nicht allein durch technische Innovationen oder den Umstieg auf Elektrofahrzeuge erfolgen, sondern erfordert eine grundsätzliche Mobilitätswende und Energiewende im Verkehr. Für Trier sind im Flächennutzungsplan, im Mobilitätskonzept sowie im Aktionsplan Entwicklungspolitik bereits eine ganze Reihe von Vorschlägen formuliert, die jetzt zügig umgesetzt werden müssen. Der Vorteil dieser ja bereits beschlossenen Maßnahmen besteht darin, dass sie ohne aufwändige gutachterliche Nachweise entscheidend dazu beitragen können, den motorisierten Individualverkehr zugunsten umweltfreundlicher Verkehrsarten (Rad, zu Fuß, ÖPNV) einzuschränken. Dazu gehören Verbesserung der Verkehrsbedingungen für den Fahrradverkehr, Reduktion des Autoverkehrs in der Innenstadt ebenso wie günstigere ÖPNV-Preise.

Wald: Unsere Zentralressource Wald ist im Klimastress. Die Dürre des letzten Jahres und Folgeschäden durch Borkenkäfer gefährden den Wald als Kohlenstoffspeicher und als wirtschaftliche Ressource. Investitionen zum Waldschutz und nachhalt igen Waldumbau müssen deshalb finanziert und gefördert werden. Wo immer möglich ist zertifiziertes Holz als ökologischer Baustoff einzusetzen. Gehen durch Baugebiete oder Verkehrserschließung Waldflächen verloren, fordern wir eine konsequente, mindestens flächengleiche Ersatzaufforstung. Unter klimapolitischen Gesichtspunkten sind neue Straßenbauprojekte durch Waldgebiete wie z.B. der Moselaufstieg nicht mehr zu rechtfertigen.

Ernährung: Produktion, Transport und Konsum von Lebensmitteln sind für bis zu 31% der weltweiten Emission von Treibhausgasen verantwortlich. Jährlich landen bis zu 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von circa 25 Milliarden Euro allein in Deutschland im Müll. Neben dem Lebensmittelhandel kommt dem Verbraucher in puncto Ernährung eine besondere Bedeutung zu: Es gibt konkrete Handlungsmöglich keiten, wie jeder Einzelne etwas gegen unnötige Umweltzerstörung, Wasserverschwendung und Ausbeutung in der Lebensmittelproduktion tun kann.

Der Aktionsplan Entwicklungspolitik der Stadt Trier, an dem die Lokale Agenda maßgeblich mitgearbeitet hat und an dessen Umsetzung sie beteiligt ist, enthält bereits eine ganze Reihe von konkreten Maßnahmen für die aufgeführten Handlungsfelder, die es jetzt zügig umzusetzen gilt. Mit der diesjährigen Zukunftskonferenz am 8. November will die Lokale Agenda einen weiteren Impuls zu einer klimaneutralen Stadtentwicklung setzen.

Mehr von Volksfreund