Arbeit: Gibt es in der Region Vollbeschäftigung?

Arbeit : Gibt es in der Region Vollbeschäftigung?

Die Arbeitslosenstatistik ist ein Konglomerat an Zahlen. Die besagen unterm Strich: Die wirtschaftliche Lage ist gut. Wie lange noch?

Die Arbeitslosenquote ist in der Region Trier weiter auf dem Sinkflug. Mit durchschnittlich 3,2 Prozent im vergangenen Jahr ist die Quote so niedrig, dass so mancher Wissenschaftler gar nicht mehr von Arbeitslosigkeit sprechen würde, sondern von Vollbeschäftigung. Das klingt allerdings so, als könne man sich beruhigt im Sessel zurücklegen, wohl der Hauptgrund, warum sich der Chef der Trierer Arbeitsagentur, Heribert Wilhelmi, mit diesem Begriff nicht anfreunden mag. „Kann man bei über 9000 Arbeitslosen wirklich von Vollbeschäftigung sprechen?“, fragt Wilhelmi, um die Antwort gleich hinterherzuschieben: „Damit tue ich mich schwer.“

In der Region Trier waren im Dezember exakt 9140 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet (siehe Grafik), das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vormonat. Nichts Ungewöhnliches, denn über die Wintermonate geht die Zahl der Arbeitslosen saisonbedingt jedes Jahr aufs Neue leicht nach oben. Den guten Jahresschnitt kann das allerdings nicht trüben. „Selten waren die Chancen auf dem Arbeitsmarkt so gut wie derzeit“, sagt Wilhelmi.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: Den gut 9100 arbeitslosen Frauen und Männern in der Region stehen derzeit 4722 offene Stellen gegenüber. Rein rechnerisch könnte man daraus schlussfolgern: Für gut die Hälfte der Arbeitslosen gibt es theoretisch einen Job. Aber eben nur theoretisch: Denn wenn jemand nichts gelernt hat und ein regionaler Betrieb einen technischen Zeichner sucht, kommen die beiden kaum zusammen.

Die Unternehmen in der Region Trier suchen überwiegend Fachkräfte, Spezialisten und Experten, wie die Statistik der Arbeitsagentur zeigt. Vergleichsweise wenige offene Stellen – im Jahresschnitt um die 1000 – gibt es für sogenannte Helfer, betreffen also Jobs, für die kein spezielles Anforderungsprofil gesucht ist. Demgegenüber stehen allerdings rund 4500 Arbeitslose, die keine abgeschlossene Berufsausbildung nachweisen können. Das Verhältnis zeigt, dass gerade diese Personengruppe auch in Zukunft schwer zu vermitteln sein wird, wenn sie nicht ausreichend qualifiziert wird.

Besonders viele freie Stellen bekommen Arbeitsagentur und Jobcenter von der Zeitarbeitsbranche gemeldet, wo die Fluktuation generell hoch sei, wie die Experten sagen. Reichlich unbesetzte Stellen melden aber auch das verarbeitende Gewerbe der Region (762 Jobs), der Handel (550) und die Gesundheits- und Sozialbranche (359).

Auch wenn nach Angaben der Arbeitsagentur etliche offene Stellen rasch wieder besetzt werden konnten, dauert es unter dem Strich immer länger, einen geeigneten Mitarbeiter zu finden. Im vorletzten Jahr wurde im Schnitt nach 132 Tagen ein Job neu besetzt, im vergangenen Jahr lag der Schnitt bereits bei 143 Tagen. Über ein Viertel aller Stellen war sogar länger als sechs Monate unbesetzt. Am schwierigsten abzudecken, und da schließt sich der Kreis wieder, waren Arbeitsstellen, für die Fachkräfte mit Berufsausbildung gesucht wurden.

Dass sich daran rasch etwas ändern könnte, ist eher unwahrscheinlich. Laut Arbeitsagenturchef Heribert Wilhelmi sind zwar einige Betriebe wegen des Brexits und möglicher Handelsbeschränkungen „in Habacht-Stellung“. Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt seien aber nicht in Sicht.