Gleichberechtigung für Frauen in der katholischen Kirche: Theologin Jacqueline Straub im Interview

Kostenpflichtiger Inhalt: Katholische Kirche : „Ich kämpfe, bis ich Priesterin bin“ – Theologin Jacqueline Straub im TV-Interview

Sie ist jung, weiblich, verheiratet – und will Priesterin werden: Die deutsch-schweizerische Theologin Jacqueline Straub mag für die meisten Traditionalisten in der männerbeherrschten katholischen Kirche ein rotes Tuch sein. Mit ihren Forderungen spricht die 29-Jährige dafür vielen jungen und reformfreudigen Gläubigen aus dem Herzen.

Sie sind Theologin. Aber warum wollen Sie ausgerechnet Priesterin werden?

Jacqueline Straub Weil ich mich dazu berufen fühle. Seit meiner Jugend spüre ich etwas in meinem Herzen, dass mir sagt, ich möchte genau das machen, was ein Priester macht. Und dieses Brennen in meinem Herzen wird nicht weniger. Ich habe in den zurückliegenden Jahren übrigens viele Frauen kennengelernt, die genauso empfinden und diesen Wunsch haben.

 Was würden Sie denn besser oder anders machen als Ihre männlichen Kollegen?

Straub Besser würde ich nichts machen. Es gibt viele hervorragende Priester, die ganz tolle Arbeit leisten. Ich würde den Priesterberuf so ausüben, wie ich bin: mit ganz viel Freude, aber natürlich auch Ernsthaftigkeit und Tiefgang.

Das klingt nicht so, als müsste jemand Angst vor Ihnen haben...

Straub (lacht) Nein. Es geht ja nicht um Konkurrenz von Männern und Frauen, sondern darum, dass wir etwas gemeinsam gestalten und den Glauben zu den Menschen bringen.

 Beim sogenannten synodalen Weg geht es auch um das Thema Frauen in der Kirche. Welche Erwartungen haben Sie an die Gespräche zwischen Bischöfen und Laienvertretern?

Straub Zunächst freue ich mich natürlich, dass dieses Thema überhaupt einmal besprochen wird. Unter den Vorgängerpäpsten von Franziskus wurde das Thema eigentlich totgeschwiegen. Und nicht einmal Bischöfe haben sich getraut, über das Thema zu sprechen. Niemand will ja der Häresie verdächtigt werden. Aber ich wünsche mir natürlich auch konkrete Schritte und nicht, dass die Bischöfe am Ende sagen: Wir sind ja nur deutsche Bischöfe, wir können ja nicht die Kirche ändern. Das haben wir in den zurückliegenden Jahrzehnten oft genug gehört. Ich wünsche mir, dass die Bischöfe dann auch nach Rom gehen und sagen, wir setzen uns für die Anliegend der Laien ein. Die Bischöfe müssten sich in Rom auch Verbündete suchen, die sich mit ihnen für die Frauenarbeit starkmachen.

Die Bischöfe argumentieren, dass sie Frauen jetzt verstärkt in Führungspositionen berufen.

Straub Dabei darf es nicht bleiben. Ich möchte konstruktive Vorschläge, nicht Ausreden der Art, dass die Weltkirche dann womöglich auseinanderbreche. Fakt ist, dass die Kirche schon heute auseinanderbricht, weil es keine Reformen gibt und viele Gläubige austreten.

 Warum werden Frauen in der katholischen Kirche von Weiheämtern ferngehalten?

Straub Weil eine große Angst besteht, dass die Männer Macht und Ansehen verlieren. Wenn Frauen in diesen reinen Männerclub eintreten, decken sie womöglich auch Schwachstellen auf. Dass es sie gibt, hat der Missbrauchsskandal ja gezeigt. Hinzu kommt noch die Angst vor dem Unbekannten: Die Männer in der Kirche wissen ja gar nicht, wie die Frauen sind, was das für Wesen sind.

Interview mit Bischof Stephan Ackermann:“Kirche ist mehr, als was man tagtäglich wahrnimmt“

 Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat in einem Interview mit unserer Zeitung gerade erst wieder gesagt, er halte das Frauenpriestertum nicht für den richtigen Weg. Was antworten Sie ihm?

Straub Das ist leicht gesagt. Ihn betrifft das ja nicht, er konnte Priester werden und seine Berufung leben. Das freut mich natürlich auch. Wenn er sagt, für Frauen sei das nicht der richtige Weg, dann soll er mal den richtigen Weg nennen. Gegenüber Frauen, die sich berufen fühlen, ist das fast schon eine Verhöhnung.

 Sie kritisieren auch, dass die Kirche Jugendliche kaum noch erreicht. Wie könnte sich das Ihrer Meinung nach ändern?

Straub Man sollte sich auch mal trauen, bei Predigen Worte zu benutzen, die die jungen Leute verstehen. Die jungen Menschen sehen natürlich auch die Doppelmoral in der Kirche: Da gibt es auf der einen Seite etwa eine klare Haltung zum Thema Sexualmoral. Und dann hört man andererseits immer wieder Geschichten über Missbrauch und ähnliches. Da sagen viele junge Menschen: Das ist nicht glaubwürdig. Sie vermissen in der Kirche das Authentische. Wollte sie authentisch und glaubwürdig sein, müsste die Kirche sagen: Ja, wie verändern unsere Sexualmoral und die Haltung zu Homosexuellen, weil wir wissen, dass in unseren eigenen Reihen viele Kleriker homosexuell sind.

 Sie sind jetzt 29, was glauben Sie: Werden Sie noch erleben, dass die katholische Kirche Frauen zu Priesterinnen weiht?

Straub Ich weiß es nicht, aber ich wünsche es mir. Was ich weiß, ist, dass ich mein Leben lang dafür kämpfen werde; solange, bis ich Priesterin bin. Ich werde nicht klein beigeben, auch wenn viele Ewiggestrige darauf setzen, dass die Frauen eines Tages wieder verstummen.

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