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Gesundheit
Nachschubprobleme beim Grippeschutz

Die Gladiators bei der Grippeimpfung: Von links Dr. Walter Gradel von der Bundesärztekammer, Co-Trainer Marc Hahnemann, Coach Christian Held und Dr. Harald Michels, Leiter des Trierer Gesundheitsamtes.
Die Gladiators bei der Grippeimpfung: Von links Dr. Walter Gradel von der Bundesärztekammer, Co-Trainer Marc Hahnemann, Coach Christian Held und Dr. Harald Michels, Leiter des Trierer Gesundheitsamtes. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Patienten müssen zum Teil länger warten, bis sie sich impfen lassen können. Apotheker sprechen von einer prekären Lage. Von Bernd Wientjes

„Bleiben Sie kein Impfmuffel, machen Sie mit und sprechen Sie Ihren Haus- oder Kinderarzt auf eine Grippeimpfung an. Zu Ihrer eigenen Gesundheit und die Ihrer Mitbürger!“, ruft der Leiter des Trierer Gesundheitsamtes, Harald Michels, die Bevölkerung auf, sich gegen Influenza (wie die Grippe offiziell heißt) zu schützen. Werbewirksam haben er und der Präsident der Bezirksärztekammer, Walter Gradel, die Basketballer der Römerstrom Gladiators gegen Grippe geimpft. In Rheinland-Pfalz sei die Grippeimpfung für die gesamte Bevölkerung, unabhängig vom Risiko einer chronischen Erkrankung oder vom Alter, öffentlich empfohlen, sagt Michels. Aber manche Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für die Impfung von Risikopatienten.

Doch derzeit scheint es problematisch zu sein, sich impfen zu lassen. Ein TV-Leser aus Konz berichtet, dass in den dortigen Apotheken Anfang der Woche kein Impfstoff vorrätig gewesen sei. Auch Gradel, der eine Hausarztpraxis im Trierer Stadtteil Ehrang betreibt, berichtet, dass Apotheken große Schwierigkeiten hätten, beim Großhandel Impfstoff zu ordern. „Allerdings haben wir bislang unsere Impfstoffbestellungen, wenn auch mit Verzögerung, erhalten.“ Das sagt auch Norbert Wilmsen, Arzt in Bollendorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Viele Apotheken in seiner Umgebung seien nur spärlich mit Grippeimpfstoff beliefert worden. Dadurch verzögere sich der Impfbeginn.

Beim rheinland-pfälzischen Apothekerverband spricht man in der Tat von einer „prekären Versorgungslage“ beim Grippeimpfstoff. Dafür gebe es verschiedene Gründe, sagt Verbandssprecher Frank Eickmann. Im vergangenen Jahr habe sich gezeigt, dass der offiziell von der Impfkommission empfohlene Dreifach-Impfstoff nicht ausreichend vor der Influenza schützt. Die Grippeviren verändern sich ständig. Daher lässt sich nur schwer voraussagen, welche Virenstämme in einer Saison überwiegen. Das ist auch der Grund, warum der Impfstoff jedes Jahr neu zusammengesetzt und produziert werden muss. Gegen die in der vergangenen Grippesaison vorherrschenden Influenza-Auslöser schützte am besten eine Vierfachimpfung, deren Kosten aber wegen der fehlenden offiziellen Empfehlung zunächst die gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen haben.

In diesem Jahr hat der Gemeinsame Bundesausschuss, ein Gremium aus Vertretern von Kassen, Krankenhäusern und Ärzten,  im April beschlossen, dass der Vierfachimpfstoff von den gesetzlichen Krankenversicherungen für sogenannte Risikopatienten (Menschen über 60, chronisch Kranke, Schwangere) bezahlt wird. Daraufhin, so Eickmann, sei erst die Produktion des Impfstoffes angelaufen. Normalerweise orderten die Ärzte bereits im Frühjahr ihren Praxisbedarf. Weil aber zunächst unklar gewesen sei, ob die Vierfach-Impfung von den Kassen bezahlt werde, hätten sich die Mediziner mit den Bestellungen zurückgehalten. Hinzugekommen sei, dass einige Hersteller zunächst ihre Preise für den Impfstoff nicht veröffentlicht hätten. Das habe dazu beigetragen, dass Ärzte verunsichert gewesen seien und nur zögerlich Impfstoff bestellt hätten. Hätte sich nämlich herausgestellt, dass die Kassen die teureren Impfungen nicht bezahlen, wären die Mediziner auf den Kosten sitzengeblieben. Mittlerweile sind laut dem für die Zulassung von Impfstoffen zuständigen Paul-Ehrlich-Institut über 15 Millionen Dosen des Grippe-Impfstoffes produziert und größtenteils auch an den Großhandel ausgeliefert worden. Mehr würden die Hersteller in dieser Saison nicht mehr liefern, da die Produktion gut ein halbes Jahr dauere.

Derzeit würden aber, so Eickmann, überwiegend Gebinde mit zehn Impfungen an die Ärzte ausgeliefert. Diese dürften aber nur als sogenannter Praxisbedarf verwendet werden. Dabei handelt es sich unter anderem um Medikamente, die ein Arzt auf eigene Kosten für gesetzlich Versicherte vorhält.  Bei der Grippeimpfung richtet sich dieser Praxisbedarf nur an die Patienten, bei denen die Kassen generell die Kosten dafür übernehmen, also die sogenannten Risikopatienten. Zwar zahlen einige Kassen auch Versicherten, die nicht zu dieser Gruppe gehören, die Impfung, diese müssen sich aber über ein ärztliches Rezept den Impfstoff selbst in einer Apotheke besorgen. Patienten sollten vorher in der Apotheke anrufen, um zu erfahren, ob Impfstoff vorrätig sei, empfiehlt Eickmann.

Bei der Landesärztekammer sieht man keinen echten Engpass. Kammerpräsident Günther Matheis geht davon aus, dass in den nächsten Tagen flächendeckend Impfstoff zur Verfügung steht. Es sei noch immer Zeit genug, sich impfen zu lassen: „Aus medizinischer Sicht sollte die Grippeimpfung möglichst bis Ende des Jahres erfolgt sein. Bis der Immunschutz aufgebaut ist, dauert es etwa zwei Wochen. Erfahrungsgemäß treten die ersten Grippefälle im Januar auf.“  Auch Gesundheitsamtschef Michels rät zur Impfung:  „Auch wenn sie nicht zu 100 Prozent wirksam ist und es trotzdem zu Erkrankungen kommen kann, verlaufen diese deutlich harmloser.“