Großaufgebot durchsucht Räume eines Waffenhändlers in Kordel

Kriminalität : Ermittler tragen Gewehre körbeweise ins Auto

Von wegen einfach. Das Einsammeln von Waffen, Munition und Sprengstoff in Kordel zieht sich hin.  

Es wirkt so, als ob es irgendwo Schusswaffen beim Winterschlussverlauf im Dutzend billiger gegeben hätte. Langwaffen gleich bündelweise landen am Donnerstagmorgen im Kofferraum eines Dienstwagens der Kreisverwaltung Trier-Saarburg. Sie gehören zwei Kordelern, die nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Koblenz (OVG) Waffen, Sprengstoff und Munition abgeben müssen.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Vater und – der an diesem Morgen in Kordel anwesende – Sohn zumindest einen Teil der Ideen und Ansichten übernommen haben, die Anhänger der Reichsbürgerbewegung kennzeichnen. So hätten laut Gericht die beiden Männer in verschiedenen Schriftstücken an Behörden und Gerichte unter anderem Gesetze nicht anerkannt und die Existenz der Bundesrepublik Deutschland geleugnet. Und wer laut OVG geltende Rechtsvorschriften in Abrede stellt, gilt als nicht zuverlässig. Die Folge: Das Recht auf Waffenbesitzkarten wird widerrufen.

Als Konsequenz hatte die Kreisverwaltung Trier-Saarburg erfolglos die Herausgabe der Waffen, der Munition und des Sprengstoffs gefordert. Und so rückt ein Großaufgebot von Kreisverwaltung Trier-Saarburg, Polizei, Verbandsgemeindeverwaltung Trier-Land und Struktur- und Genehmigungsdirektion mit einem Durchsuchungsbeschluss an, um sich die Waffen zu holen. Auf dem Programm steht die Durchsuchung von insgesamt vier Objekten. Unter anderem auch eines Bunkers bei Bitburg und der Waffenhandlung in Kordel.

Die Suche in dem Ort erweist sich als schwieriges Unterfangen. Aufgrund des Zustands der Räume muss erst einmal ein Container herbeigeschafft werden, um darin im Haus abgelagertes Material deponieren zu können. Das dauert seine Zeit. Denn es muss eine Menge weggeräumt werden, um an die Waffendepots zu kommen. Ein Zelt wird deshalb auf der Ehranger Straße aufgebaut, um die Einsatzkräfte vor dem ständigen Regen zu schützen. Zudem sichern Polizeiautos das Gebäude. Damit der Verkehr halbwegs geordnet fließen kann, wird kurzerhand eine Ampelanlage herbeigeschafft.

In der zur Einsatzzentrale umfunktionierten Feuerwache kommt derweil keine Langeweile auf. Denn offensichtlich hatten Vater und/oder Sohn zahlreiche Waffen im Saarland deponiert. Die bringt an diesem Morgen ein Bekannter mit einem Lastwagen nach Kordel. Vom 38-Tonner geht es über die Zwischenstation Dienstauto in die Feuerwache, wo jedes einzelne Stück begutachtet und erfasst wird. Innerhalb kurzer Zeit stapeln sich dort die Langwaffen. Darunter offensichtlich historische Modelle, jedoch auch solche, die – mit Fernrohr ausgestattet – den Eindruck erwecken, als ob damit noch kürzlich Wildsäue gejagt worden seien. Am Nachmittag sagt Thomas Müller, Sprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, dass inzwischen rund 100 Waffen registriert worden sind. Hinzu kommen unzählige Schuss Munition.

Zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass die Einsatzkräfte am Freitag erneut nach Kordel kommen müssen. Denn trotz unermüdlicher Waffen- und Munitionssammlung ist noch kein Ende abzusehen. Die Angelegenheit wird die Kreisverwaltung noch einige Zeit beschäftigen. Denn für jede einzelne Waffe muss beispielsweise ermittelt werden, ob die Kordeler eine entsprechende Waffenbesitzkarte vorweisen können.

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