Grundschulen in Neroth und Wallenborn bleiben erhalten: Kollektives Aufatmen

Bildung : Aufatmen in Neroth und Wallenborn

Das Zittern hat ein Ende: Die von der Schließung bedrohten Grundschulen in Neroth und Wallenborn bleiben erhalten. In den Dörfern löst sich die Anspannung der vergangenen Monate.

Über mehrere Monate haben Schüler, Lehrer und Eltern von 41 Dorfschulen in Rheinland-Pfalz darum gezittert, ob ihre Schule dicht gemacht wird. Ende September legten die Träger Konzepte vor. Nun teilte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) mit, dass zehn Schulen das Aus droht, weil sie zu klein sind. Die beiden Schulen im Landkreis Vulkaneifel, die ebenfalls auf der Kippe standen, bleiben erhalten. In der Dörfern und in den Schulen macht sich Erleichterung breit.

Egon Schommers, Ortsbürgermeister von Neroth, wurde vom TV mit der positiven Nachricht überrascht, dass die kleine Grundschule mit 29 Kindern erhalten bleibt. Er sagte spontan: „Das ist eine tolle Sache.“ Doch in allzu große Euphorie wollte er nicht verfallen. Dafür war die Anspannung im Dorf und auch bei ihm in den vergangenen Monaten zu hoch.„Man muss jetzt mal abwarten für wie lange die Entscheidung gilt“, meinte er deshalb einschränkend. Dennoch überwogen bei ihm Freude und die Zuversicht: „Für die nächsten Jahre werden wir jetzt ja wohl Ruhe haben.“ Dass die Schule geöffnet bleibt, hält Schommers für „ganz wichtig fürs Dorf“, denn Schule und Kindergarten seien für junge Familien immer auch ein wichtiger Grund, im Ort zu bleiben oder herzuziehen. Außerdem müssten die jetzigen Grundschulkinder nicht woanders hin abwandern. Und da es mittlerweile auch ein umfangreiches Nachmittagsangebot samt Mittagessen in der Schule gäbe, sei die Gefahr ebenfalls minimiert worden, dass weitere Kinder zu umliegenden Grundschulen abwanderten. Letztlich sieht Schommers den Erhalt der Schule auch als einen Erfolg der Eltern, die lange dafür gekämpft und viel Zeit aufgewendet hätten. „Der große öffentliche Druck und die vielen Aktionen haben sicherlich geholfen“, sagt der Ortsbürgermeister – und richtet einen Appell vor allem an die jungen Eltern im Dorf: „Jetzt sind sie gefordert, damit die Schule noch eine lange Zukunft hat.“

Günter Mehles, Ortsbürgermeister von Wallenborn, freut sich über die Entscheidung, dass auch die Grundschule Wallenborn gerettet ist. Angesichts „unserer günstigen Schülerzahlprognose war ich aber ohnehin zuversichtlich“. Dennoch betont er, wie wichtig Bildungsinfrastruktur im Ort sei: „Junge Familien entscheiden sich viel eher für das Dorf, wenn es dort Schule und Kindergarten gibt. Bei uns gibt es da ganz aktuell einen solchen Fall.“ Und eine solche Entscheidung, in einem Dorf zu bleiben oder dorthin zu ziehen, präge einen Ort über Jahre, ja Jahrzehnte. Mehles, selbst Rektor an einer Schule, ist aber auch sauer aufs Land über die Schließung einiger kleiner Grundschulen, auch wenn sein Dorf nicht betroffen war. Er sagt: „Es passt hinten und vorne nicht zusammen, wenn man einerseits Zukunftsinitiativen für den ländlichen Raum startet, Zukunftskonferenzen für Dörfer einberuft, Fördergeld in die Hand nimmt, und andererseits die Schule schließt. Das ist absurd. Und mit zukunftsweisender Bildung hat das sicher nichts zu tun.“

Klaus Arens, Rektor der Wallenborner Grunschule mit derzeit 37 Schülern, hatte nach eigenem Bekunden noch keine Gelegenheit, mit Lehrern und Elternvertretern auf die positive Nachricht anzustoßen, da er derzeit auch die Grundschule in Niederstadtfeld leitet. „Das werden wir aber nächste Woche mit dem ein oder anderen Gläschen Sekt nachholen“, kündigt er an und betont: „Die ganze Schule freut sich natürlich über die gute Nachricht.“

Sein Dank gelte den vielen Eltern, die sich für den Erhalt der Schule stark gemacht und viel Zeit investiert hätten – darunter auch viele Eltern von Kindergartenkindern, sagt Arens.

Für die nächsten Jahre fürchtet er nicht noch einmal eine solche Diskussion für die Wallenborner Schule, denn die Prognose geht von steigenden Schülerzahlen aus. Arens konkretisiert: „2019 werden wir wieder drei und ab 2022 sogar vier Klassen haben.“

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