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Gutachter decken weitere schwere Management-Fehler auf

Gutachter decken weitere schwere Management-Fehler auf

Die Landesregierung wird das Thema Nürburgring nicht los. Im Gegenteil: Ein bislang geheim gehaltenes Gutachten könnte die Regierung Beck noch stärker in Schwierigkeiten bringen.

Bei der Nürburgring GmbH des Landes ist es finanziell jahrelang drunter und drüber gegangen. Das geht aus einem Gutachten der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Sie hat das landeseigene Unternehmen im Auftrag des Landes untersucht. Nach dem bislang geheim gehaltenen Papier, das der Rhein-Zeitung vorliegt, verstieß die Geschäftsführung bei der Zahlung von Honoraren wiederholt gegen den Gesellschaftervertrag der Nürburgring GmbH.

Auch verletzte demnach der inzwischen gefeuerte Geschäftsführer Walter Kafitz in Steuerfragen seine Sorgfaltspflicht. Die Prüfer bemängeln auch, dass die Ring-GmbH an Geschäftspartner ungesicherte Kredite in Höhe von 5,6 Millionen Euro vergab – ohne Zustimmung des Aufsichtsrats. Die Vorwürfe sind so massiv, dass die Landesregierung nun in puncto Ring noch mehr unter Druck geraten dürfte.

Für Kafitz und den zurückgetretenen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) könnten die Enthüllungen auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Für einen Koblenzer Juristen legen die Vorwürfe den Verdacht nahe, dass sich Deubel und Kafitz
möglicherweise der Untreue schuldig gemacht haben.

Die Haupakteure der Ringaffäre sind heute wieder als Zeugen vor den Untersuchungsausschuss des Landtages geladen. Von der Staatsanwaltschaft Koblenz gab es gestern keine Auskunft zu den neuen Vorwürfen. Fragen zu möglichen Ermittlungen will der Leitende Oberstaatsanwalt Hund derzeit nicht beantworten. Laut den Gutachtern verstoßen nahezu sämtliche Beratungshonorare und Aufwandsentschädigungen, die von der Nürburgring GmbH von August 2008 bis Juni 2009 an die Pinebeck GmbH des Finanzvermittlers Michael Merten gezahlt wurden, gegen den Gesellschaftervertrag der Nürburgring GmbH.

Das Firmengeflecht Pinebeck gab vor, für 200 Millionen Euro die Ring-Immobilien zu kaufen und an die Ring- GmbH so günstig zu vermieten, dass die nahezu landeseigene Gesellschaft 50 Millionen Euro spart. Immerhin 630 000 Euro strichen die Finanzvermittler ein, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Ex-Ringchef Kafitz muss zudem damit rechnen, statt einer Abfindung für seinen noch vier Jahre laufenden Vertrag selbst zur Kasse gebeten zu werden. Er wird von Ernst & Young für eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhe von 1,4 Millionen Euro verantwortlich gemacht. Rechnungen aus dem Jahr 2003 wurden offenbar nicht ordnungsgemäß versteuert-