Haben Feuerwerkspektakel wie Böllerei beim Weinfest in Trier-Zurlauben eine Zukunft?

Kostenpflichtiger Inhalt: Diskussion : Lasershow statt Böller? Zukunft von Feuerwerk-Spektakeln beim Weinfest in Trier oder Rhein in Flammen

Droht möglicherweise Traditionsveranstaltungen wie Rhein in Flammen oder dem Feuerwerk zum Weinfest an der Mosel das Aus?

Rhein in Flammen. Am Samstag werden wieder Tausende das Feuerwerk-Spektakel am Rhein zwischen Koblenz und Spay bestaunen. Doch hat die Traditionsveranstaltung überhaupt noch eine Zukunft? Feuerwerke sind in Verruf geraten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will die private Silvesterknallerei in 31 deutschen Städten verbieten. Und zwar in den Städten, in denen die Feinstaubbelastung dauerhaft erhöht ist. Die DU hat ein solches Verbot unter anderem für Mainz beantragt. Koblenz oder andere rheinland-pfälzische Kommunen stehen nicht auf der Liste der Organisation, die bereits Dieselfahrverbote in mehreren deutschen Städten gerichtlich erzwungen hat.

Daher reagieren manche Kommunen nun auch verärgert auf das Feuerwerksverbot. Manchen geht es aber offensichtlich nicht weit genug. Wie dem Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Siegburg, Franz Huhn. „Feuerwerke setzen viel Feinstaub frei und sind damit letztendlich ein Vergiften der Luft, das nicht mehr zeitgemäß ist. Politik, egal auf welcher Ebene, darf sich nicht auf symbolische Akte beschränken“, heißt es in einem offenem Brief des Siegburger Bürgermeisters.  Er fordert ein Feuerwerksverbot auch von seinen Kollegen etwa in Bonn oder Köln, wo jedes Jahr die Kölner Lichter mit spektakulären Feuerwerken entlang des Rheins zahlreiche Besucher in die Domstadt locken.  Auch Rhein in Flammen gehört nach Ansicht des Siegburger Bürgermeisters verboten. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran:  Beim diesjährigen Siegburger Stadtfest gibt es  kein Feuerwerk mehr.  Huhn will sogar, dass der Bund ein mögliches Feuerwerksverbot im Sprengstoffgesetz ermöglicht.

Die Diskussion treibt Helmut Reuter aus Müllenbach im Kreis Ahrweiler die Zornesröte ins Gesicht. Seit 40 Jahren veranstalte er Feuerwerke, sagt er, aber noch nie habe er etwas darüber gehört, dass Feuerwerke umweltschädlich seien. Und das sind sie auch nicht aus Sicht des erfahrenen Feuerwerkers, der bei zahlreichen Festen in der Region aktiv ist, etwa dem Trierer, dem Konzer oder Bernkastel-Kueser Weinfest. 300 Feuerwerke im Jahr veranstalte er mit seiner Firma, sagt Reuter. Er befürchtet, dass die Diskussion um die Feinstaubbelastung geschäftsschädigend sein könnte. Nicht nur für ihn. Sondern auch für Gastronome oder Hoteliers, die etwa von Veranstaltungen wie Rhein in Flammen profitierten. Ein zehnminütiges Feuerwerk sei weniger umweltschädlich als etwa der Dieselverkehr in den Städten. Als Beispiel nennt er das Moselfest im Trierer Stadtteil Zurlauben. Gerade mal 100 Gramm Feinstaub entstünden dort.

Auch der Verband der pyrotechnischen Industrie bezweifelt die Zahlen der DUH. Der Feinstaubanteil des in Deutschland abgefeuerten Silvesterfeuerwerks liege bei 250 Gramm pro Brutto-Tonne Feuerwerk. „Das“, so der Verband, „ergibt nach bisher vorliegenden Berechnungen einen Feinstaubausstoß zu Silvester von gerade einmal zehn Tonnen.“ Laut Umwelthilfe liegt die Belastung aber bei 5000 Tonnen Feinstaub. „Wir möchten eine Verschiebung der Feuerwerksaktivitäten raus aus der Innenstadt. Entweder auf Flächen am Stadtrand, wo die Menschen ihre Feuerwerkskörper abfeuern können oder noch besser ein professionelles Feuerwerk außerhalb sensibler Zonen, an dem sich alle erfreuen können und welches kaum Feinstaub erzeugt“, sagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch, der Silvesterfeuerwerke eine „archaische Pyrotechnik“ nennt.

Im rheinland-pfälzischen Umweltministerium kann man die Argumentation der Umwelthilfe nachvollziehen. Feuerwerke wirkten sich vor allem auf die Feinstaubbelastung ungünstig aus. Allerdings generell  verbieten will man den Bürgern das Silvester-Böllern  nicht. „Die Bürgerinnen und Bürger sollen am Jahreswechsel Spaß haben. Dazu braucht man allerdings nicht Unmengen an Feuerwerk“, meint eine Ministeriumssprecherin. Öffentliche Feuerwerke könnten allerdings durch Alternativen, wie zum Beispiel Lichter oder Musikshows und Licht-Events ersetzt werden.

Davon hält Feuerwerker Reuter nichts. Eine Lasershow etwa verbrauche „jede Menge“ Strom und sei wesentlich teurer als ein Feuerwerk, dessen durchschnittliche Kosten er mit rund 3000 Euro angibt.

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