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Wirtschaft
Handel in der Region – Kunden schätzen Schnäppchen, Auswahl und Einkaufserlebnis

FOTO: dpa / Henning Kaiser
Trier. Die Läden in Trier und den Mittelzentren der Region sind für die Verbraucher weiter attraktiv. Noch steigen die Umsätze. Doch die Experten mahnen: Von nichts kommt nichts. Von Rolf Seydewitz

Gute Nachrichten für die regionalen Einzelhändler:  Trotz des weiter boomenden Online- und Versandhandels sollen die Umsätze in diesem Jahr leicht steigen – um ein knappes Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Danach profitierten insbesondere kleinere Standorte von teils horrenden Ladenmieten und der zunehmenden Konkurrenz in den großen Ballungsgebieten, so die Prognose der GfK-Experten für das laufende Jahr.

Wenig überraschend: Unter den Städten und Kreisen mit den höchsten prognostizierten Einzelhandelsumsätzen pro Einwohner ist Trier unter den besten fünf. 110 000 Einwohner erzielen laut GfK einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro. Das ist pro Einwohner fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt.

Als einziges Oberzentrum in einer ländlichen Region verzeichne Trier sehr hohe Kaufkraftzuflüsse, sagt Matthias Schmitt von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Kunden aus Luxemburg oder Belgien und Touristen sorgten zusätzlich für Nachfrage, erklärt der IHK-Chefvolkswirt die Trierer Top-Platzierung. Aber auch die regionalen Mittelzentren Bitburg, Daun oder Wittlich profitierten erheblich vom jeweiligen Umland.

Aber wie passen diese Zahlen zur Anfang des Jahres veröffentlichten Konjunktur-Umfrage der Kammer, wonach die Stimmung unter den regionalen Betrieben weniger optimistisch ist als im Vorjahr? Das liege vor allem an der exportorientierten Industrie, die angesichts von Brexit und diversen Handelskonflikten in eine etwas unsichere Zukunft blicke, sagen die Experten. Die Geschäftserwartungen im regionalen Handel und Dienstleistungsgewerbe seien dagegen weiter gut.

Trotzdem ist auch in diesem Bereich nicht alles Sonnenschein. IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt verweist auf die mancherorts zunehmenden Leerstände und die rückläufige Nahversorgungsdichte im ländlichen Raum. Eine Herausforderung sei aber auch der Spagat zwischen dem Erhalt innerstädtischer Attraktivität und Ansiedlungsbegehren auf der grünen Wiese. Eine Anspielung Schmitts auf die derzeitige Diskussion über die geplante Globus-Ansiedlung am Trierer Stadtrand. Mit rund 60 Millionen Umsatz jährlich wird laut mehreren Gutachten gerechnet, Geld, das anderen Geschäften dann zumindest teilweise fehlen wird.

Nach Ansicht von Handelsverbandspräsident Georg Kern muss auch ein umsatzstarkes Oberzentrum wie Trier gewaltige Anstrengungen unternehmen, um attraktiv zu bleiben. Dazu zählten qualifiziertes Personal und eine hohe Aufenthaltsqualität. Ein Punkt, der auch in der GfK-Studie erwähnt ist. Kunden schätzten eine große Auswahl, die Möglichkeit, Schnäppchen zu machen, und allgemein das Einkaufserlebnis in der Stadt, sagen die Nürnberger Marktforscher.