| 20:39 Uhr

...
Handicap macht Schule

Peter Müller (rechts) beantwortet die Fragen der Hasborner Schüler rund um sein Leben im Rollstuhl.
Peter Müller (rechts) beantwortet die Fragen der Hasborner Schüler rund um sein Leben im Rollstuhl. FOTO: Grundschule Hasborn
Hasborn. Peter Müller ist Elternsprecher an der Grundschule am Eichenhain in Hasborn, hat zwei Kinder – und ist Rollstuhlfahrer. Um Kindern einen Einblick inden Alltag mit einem Handicap zu geben, hat er das Projekt „Leben mit Behinderung“ gestartet. Dies sind seine Erfahrungen.

Peter Müller ist Elternsprecher an der Grundschule am Eichenhain in Hasborn, hat zwei Kinder – und ist Rollstuhlfahrer. Um Kindern einen Einblick inden Alltag mit einem Handicap zu geben, hat er das Projekt „Leben mit Behinderung“ gestartet. Dies sind seine Erfahrungen.

„Warum sitzt Du im Rollstuhl?“ – Das ist eine der vielen Fragen, die mir als Mensch mit offensichtlichem Handicap oft von Kindern gestellt werden. Und diese ehrlich gemeinten Fragen verdienen auch ehrliche Antworten.

Die Lehrer waren von der Idee sofort begeistert, und die Planung für das Projekt konnte starten. Die Vorbereitung nahm etwas mehr Zeit in Anspruch. Schließlich ging es darum, ein Konzept zu entwickeln, um den Kindern das Thema Behinderung möglichst kindgerecht zu erklären. Die Lehrer arbeiteten dabei im Vorfeld aktiv mit und ließen unter anderem die Kinder Fragen dazu zusammenstellen.

Schließlich war es dann so weit: Die Gemeinde und der Sportverein Hasborn stellten uns ihre Räumlichkeiten, die RSC Rollis Trier ihre Sportrollstühle zur Verfügung. Zwei Schulstunden wurden für jede der insgesamt sieben Klassen derGrundschule eingeplant. In der ersten Stunde behandelten wir Themen wie „Behinderung – was ist das?“, „Alltag und Sport im Rollstuhl“ und meine Unfallgeschichte. Um die Themen besser verständlich zu machen, wurden verschiedene Experimente durchgeführt, bei denen die Schüler eifrig mitmachten.

Bevor wir in die Sporthalle wechselten, konnten sich die Kinder die unterschiedlichen Eigenschaften eines Alltags- und eines Sportrollstuhls genauer ansehen. Danach stellte ich verschiedene Rollstuhlsportarten anhand von Bildern vor.Große Augen machten die Kinder als es um Rollstuhl-Skaten ging.

In der Sporthalle machten die Kinder erste Erfahrungen mit dem Rollstuhl. Erstaunlicherweise konnte jedes Kind auf Anhieb mit dem Rollstuhl umgehen. Nach einem kurzen Warm-up ging es richtig los und wir spielten Rollstuhlfußball. Als Spielball diente ein Gymnastikball, den die Schüler mit den Händen oder dem Rollstuhl ins gegnerische Tor spielen mussten. Hier zeigten ausnahmslos alle Kinder was in ihnen steckte. Ich kann stellvertretend für alle Beteiligten sagen, dass wirjede Menge Spaß hatten.

Rollstuhlprojekte werden häufiger in Deutschland angeboten. In diesen zeitaufwändigen Workshops findet man eher ältere Kinder, mit denen alltägliche Situationen im Rollstuhl, wie zum Beispiel Kippen oder Rampenfahren nachgestellt und geübt werden. Die Fähigkeiten dafür sind bei Grundschülern, gerade in den unteren Jahrgängen, noch nicht gegeben.

Deswegen war es mir bei diesem Projekt sehr wichtig, dass der Fokus nicht nur auf dem aktiven Teil im Rollstuhl liegt, sondern dass den Kindern das Thema Behinderung verständlich gemacht wird und sie die Möglichkeit haben, Antworten auf ihre Fragen zu erhalten.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die beim Gelingen dieses Schulprojektes mitgeholfen haben.

  • Wer Fragen zu diesem Projekt oder Interesse daran hat, kann sich an Peter Müller wenden: E-Mail petermueller78@gmx.net
Anschließend üben die Kinder selbst bei Ballspielen den Umgang mit dem Rollstuhl.
Anschließend üben die Kinder selbst bei Ballspielen den Umgang mit dem Rollstuhl. FOTO: Karl-Alfred Roemer / TV