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Kontrollwoche Ablenkung im Straßenverkehr
Handy am Steuer: 57 Autofahrer zahlen 100 Euro Bußgeld für Blindflug

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Trier. Mit Aufklärung und Bußgeldern hat die Polizei am Donnerstag auch in der Region Trier Verkehrsteilnehmer auf die Gefahren der Ablenkung am Steuer oder Lenkrad aufmerksam gemacht. Redaktion

Rasch noch eine Whatsapp-Nachricht tippen, schnell noch einen Schluck aus dem Kaffeebecher: das geht doch nebenbei auf dem Fahrrad, beim Autofahren oder beim Überqueren der Straße. Das spart Zeit. Dabei zeigen Untersuchungen, dass das menschliche Gehirn nur bedingt in der Lage ist, mehrere Tätigkeiten gleichzeitig zu bewältigen. Multitasking – eine Illusion.

Wissenschaftliche Untersuchungsreihen zeigen: das Unfallrisiko bei Nutzung eines Smartphones erhöht sich gleich um das bis zu 30-fache. „Der schnelle Blick aufs Handy, auch wenn er nur zwei Sekunden dauert, bedeutet bei Tempo 130 mehr als 70 Meter Blindflug“, sagt Polizeihauptkommissar Zeimetz, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizeiinspektion Prüm.

Die Nutzung sogenannter mobiler elektronischer Geräte, wie es der Gesetzestext formuliert - gemeint sind hiermit nicht nur Handys, sondern auch mobile Navigationsgeräte, Tablets und Ähnliches - wird immer öfter als Unfallursache ausgemacht. Die Dunkelziffer dürfte dabei hoch sein. Oft ist eine Ablenkung naheliegend, kann aber nicht explizit nachgewiesen werden. Außerdem wird die Unfallursache „Ablenkung“ noch nicht statistisch erfasst. Die Einführung einer Unfallursachenziffer „Ablenkung“ wird aktuell diskutiert.

Die Polizei hat ernüchternde Fakten zusammengetragen: Etwa die Hälfte aller Autofahrer benutzt das Mobiltelefon während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung. Schlimmer noch: Durchschnittlich jeder sechste Autofahrer simst oder nutzt Whatsapp während der Fahrt, jüngere Fahrer noch häufiger.

An insgesamt 37 festen Kontrollstellen haben 107 Beamte des Polizeipräsidiums Trier die Verkehrsteilnehmer im Hinblick auf alle Arten der Ablenkung unter die Lupe genommen. Kontrolliert wurden Autofahrer, Fahrradfahrer und auch Fußgänger.

Bei insgesamt 920 durchgeführten Verkehrskontrollen, darunter 761 PKW-, 79 LKW-, 51 Radfahrer sowie 29 Fußgänger, wurden 262 Regelverstöße festgestellt. 57 Verkehrsteilnehmer nutzten ihr Handy. Dies wurde jeweils mit einem Bußgeld von 100 Euro geahndet.

Aber auch das Thema "Prävention" lag der Polizei am Herzen. An ihrem Aktionsstand in der Trier Galerie zum Thema „Ablenkung im Straßenverkehr“ kam das Team der Zentralen Prävention des Polizeipräsidiums Trier insgesamt mit 370 Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) war eine interaktive Ausstellungseinheiten aufgebaut. Am Blindflug-Generator konnten die Interessierten selbst das Thema Ablenkung -und die damit verbundenen Gefahren im Straßenverkehr - erleben. Außerdem wurden die vielzähligen Ablenkungsmöglichkeiten aufgezeigt und diskutiert.