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100 Jahre Quartettverein: A-Cappella-Stars möbeln Reinsfeld auf

Fünf Klangkörper: Die Männer von Vocaldente singen nicht nur, sie machen „Vocal Art“. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Fünf Klangkörper: Die Männer von Vocaldente singen nicht nur, sie machen „Vocal Art“. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Reinsfeld. Die Formation Chorschatten hat Stargäste in die Reinsfelder Kulturhalle geholt: Die Gruppe Vocaldente aus Hannover besteht aus fünf jungen Männern, die singen, Instrumente imitieren - und sie auch körperlich darstellen.

Reinsfeld. Nach einem etwas ruhigen letzten Jahr ist Chorschatten wieder da. Die Reinsfelder Gesangstruppe, die nur mit ihren Stimmen verblüfft und sich 2006 aus dem Quartettverein Reinsfeld bildete, hat für ihren elften A-Cappella-Abend echte Musikstars in die Reinsfelder Kulturhalle geladen: die Formation Vocaldente aus Hannover. 100 Jahre Quartettverein ist ein großes Jubiläum. Die beiden Gruppen unterhielten deshalb mit Beiträgen aus einem ganzen Jahrhundert.
Die fünf jungen Niedersachsen von Vocaldente verzichten wie auch die Gruppe Chorschatten auf Mikrofone und Verstärker. Die Tenöre Christoph Grasse, Tobias Kiel und Jakob Buch, der Bariton Johannes Gruber und die tiefe Brummstimme von Tobias Pasternack verschmelzen miteinander in ein faszinierendes Klangbild.
Dass da keine Instrumentalisten auf der Bühne standen, fiel den rund 350 Zuhörern in der Kulturhalle fast nicht auf. Schlagzeug, Gitarren und vieles mehr wurden mit Stimmen imitiert und mit Gesten dargestellt.
Dabei entpuppten sich die Sportschuhträger auch als begabte Tänzer. Besonders viel Bewegung steckt dabei in einem Michael-Jackson-Medley. "Wir sind 100 Prozent bio", sagt Tenor Johannes Gruber und bezeichnet den Stil des Ensembles als "Vocal Art".
Wie hat Chorschatten diese Truppe gefunden? "Man muss sich halt in der Szene auskennen", sagt dazu Andreas Weist von der Reinsfelder Sängerschar, die sich mit einem entsprechenden Symbol als "Sonne am A-Cappella-Himmel" versteht.
Beide Formationen lösten sich beim Begeistern des Publikums ab. Acht Männer und sieben Frauen stehen beim Chorschatten unter der Regie von Andrea Stüber. Die Sänger führten Stücke von Ballade bis Rap auf.
"Ich bin schon lange Fan dieser Art von Musik. Allerdings könnte doch ein wenig mehr in deutscher Sprache gesungen werden", findet Sigrid Eiden (50) aus Reinsfeld. "Es war mir klar, dass hier Leistung gezeigt wird", ist Christian Obst (39) aus Beuren überzeugt. Hier werde bewiesen, dass Tontechnik nicht alles ist und es auch ohne Mikrofon geht. doth
Extra

Die Bezeichnung A Capella kommt aus dem Italienischen und bedeutet eigentlich "nach Art der Kapelle". Ab dem 16. Jahrhundert wurden so mehrstimmige kirchliche Vokalensembles bezeichnet. Diese wurden auch durch Instrumente unterstützt. Als die alte Chormusik im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde, kam es zu einem Missverständnis: Man dachte, dass die Musik allein auf der menschlichen Stimme beruhe und vollständig auf Instrumente verzichte. In Deutschland wurde der Stil Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Comedian Harmonists populär. Bei den Arrangements können Melodie und Text gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Dabei ahmen die sie auch - manchmal durch elektronische Hilfsmittel und Studiotechnik verstärkt - einzelne Instrumente nach. doth