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Abschied vom Amtsgericht

Sagt nach zwölf Jahren dem kleinsten Amtsgericht in Rheinland-Pfalz ade: Direktor Helmut Mencher verlässt Hermeskeil und geht nach Bitburg. TV-Foto: Axel Munsteiner
Sagt nach zwölf Jahren dem kleinsten Amtsgericht in Rheinland-Pfalz ade: Direktor Helmut Mencher verlässt Hermeskeil und geht nach Bitburg. TV-Foto: Axel Munsteiner
Der Direktor räumt seinen Stuhl: Nach fast zwölf Jahren verlässt Helmut Mencher zum Monatsende das kleinste Amtsgericht im Land Rheinland-Pfalz und wechselt nach Bitburg. Im Gespräch mit dem TV blickt der 55-Jährige auf sein Richterdasein in Hermeskeil zurück. Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Hermeskeil. Für Helmut Mencher ist es ein Schritt nach oben auf der Karriereleiter: Am 1. März wird der 55-Jährige neuer Direktor des Bitburger Amtsgerichts (der TV berichtete). "Ich übernehme also ein größeres Gericht und trage mehr Verantwortung. Außerdem war es für mich der wohl letzte Zeitpunkt in meinem Leben, eine solche Veränderung wahrzunehmen", begründet Mencher im TV-Gespräch seine Entscheidung, die gleichbedeutend mit seinem Abschied aus Hermeskeil ist.Leicht sei ihm das nicht gefallen: "Ich habe hier zwölf schöne Jahre erlebt." Vor allem die "familiäre Atmosphäre" im kleinsten Amtsgericht des Landes werde er vermissen.

Zwölf schöne Jahre in Hermeskeil

Eine Aussage, die umso verständlicher wird, wenn man sein Tätigkeitsfeld in der Hochwaldstadt bedenkt. Menchers Metier waren seit seinem Amtsantritt im Mai 1996 - damals waren Polizei und Gericht im Gebäude in der Trierer Straße 43 untergebracht - in erster Linie Familiensachen. Hunderte Urteile hat der Richter in dieser Zeit gesprochen, viele Paare geschieden und deren Streit um Sorgerecht für die Kinder entschieden.

Zuweilen landeten skurrile Fälle auf seinem Tisch. Da war beispielsweise ein Mann, der es sich besonders bequem machte, um seine Frau zu betrügen und seine Liebhaberin als Haushaltshilfe einstellte. Was Familiensachen aber besonders kennzeichne, sei die "emotional aufgeheizte Stimmung" in vielen Verhandlungen. "Ab und zu muss man zwar auch mal poltern. Für eine erfolgreiche Arbeit als Familienrichter ist es aber vor allem wichtig, dass man zuhören kann", sagt Mencher über seinen Stil.

Häufig ist es ihm gelungen, zur Konfliktlösung beizutragen, wobei der scheidende Amtsgerichtsdirektor auch neue Wege beschritt: So machte Mencher eine Mediations-Ausbildung und baute eine Zusammenarbeit mit der Hermeskeiler Erziehungs- und Lebensberatungsstelle auf. Ziel dieser Kooperation ist es, einen Rahmen zu schaffen, damit zerstrittene Elternpaare wieder miteinander ins Gespräch kommen, Entscheidungen selbstständig treffen und der Blick auf das Wohl der Kinder wieder frei wird.

Menchers Maxime lautet: "Die Kinder müssen aus der Schusslinie gebracht werden, wenn sich ihre Eltern bekriegen." Manchmal scheiterte dieses Vorhaben allerdings, und es waren neben den Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs insbesondere diese Fälle, "die mir bei meiner Arbeit besonders nahe gegangen sind", blickt der 55-Jährige zurück.

Nachfolge-Frage ist noch offen

Auch in Bitburg wird sich Mencher wahrscheinlich den Familiensachen widmen, während die Spitze des Hermeskeiler Amtsgerichts ab März vorerst unbesetzt bleibt. Zwar wurde mit dem Saarburger Amtsgerichts-Vize Herbert Schmitz ein angeblicher Kandidat schon öffentlich gehandelt. Mencher weist allerdings darauf hin, dass "die Nachfolge-Frage noch offen ist", da das Ausschreibungsverfahren für Bewerber um den freien Posten in der Hochwaldstadt erst mit seinem Amtsantritt in Bitburg anläuft. Deshalb rechnet Mencher mit einer Übergangszeit von "einigen Monaten", in der seine bisherige Stellvertreterin, Richterin Claudia Meßer, kommissarisch die Direktoren-Funktion übernehmen wird. Extra Amtsgericht Hermeskeil: Gemessen an der Zahl der Bediensteten (zurzeit sind es 22) ist das Amtsgericht Hermeskeil das wohl kleinste Amtsgericht in Rheinland-Pfalz. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckt sich aber über eine relativ große Fläche von rund 450 Quadratkilometern und umfasst die Verbandsgemeinden Hermeskeil, Kell am See und Thalfang mit rund 35 000 "Gerichtseingesessenen". Das Amtsgericht Hermeskeil ist in der Rechtspflege einschließlich Verwaltung mit zwei Richterinnen und einem Richter sowie drei Rechtspflegern besetzt. Es gibt drei Geschäftsstellen mit folgenden Zuständigkeiten: Zivil- und Strafsachen, Nachlass-, Grundbuch- und Zwangsvollstreckungssachen, Familien- und Betreuungssachen. Gerichtssitz ist Hermeskeil seit 1814, als das "Friedensgericht" von Reinsfeld in das Nachbardorf verlegt wurde. 1879 erfolgte die Umbenennung zum "königlich-preußischen Amtsgericht". Das Gerichtsgebäude in der Trierer Straße wurde 1907/08 erbaut. Die letzten umfassenden Renovierungsarbeiten wurden im Dezember 2000 abgeschlossen. (ax)Hintergrund Vita: Helmut Mencher wurde 1953 in Lampaden (Verbandsgemeinde Kell am See) geboren und wuchs im Nachbarort Paschel auf. Nach dem Abitur studierte er in Freiburg Jura und kehrte für das zweite Staatsexamen nach Rheinland-Pfalz zurück. Seine erste Richterstelle übernahm er mit 29 Jahren in der Zivilkammer des Landgerichts Trier. Es folgten Stationen an den Amtsgerichten Bitburg, Prüm und Daun. Außerdem war Mencher ein Jahr als Staatsanwalt in Trier tätig, bevor er neun Jahre in Wittlich im Bereich der "Strafvollstreckung" arbeitete ("Ich habe also einiges an Knast-Erfahrung"). Im Mai 1996 wurde er zum Direktor des Hermeskeiler Amtsgerichts ernannt. Mencher wohnt mit seiner Frau und drei Kindern in Trier. (ax)