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Windkraft
Anwohner in Grimburg klagen über zu lautes Windrad

Jochen Gürtler (links) steht mit Nachbar Jürgen Klupsch auf dem Balkon seines Hauses in der Grimburger Neustraße. Beide klagen über den permanenten Geräuschpegel, den ein 800 Meter entferntes Windrad erzeugt.
Jochen Gürtler (links) steht mit Nachbar Jürgen Klupsch auf dem Balkon seines Hauses in der Grimburger Neustraße. Beide klagen über den permanenten Geräuschpegel, den ein 800 Meter entferntes Windrad erzeugt. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Grimburg. Bewohner der Neustraße hören ein permanentes Dröhnen. Die Anlage auf saarländischem Gebiet ist nur 800 Meter von ihren Häusern entfernt. Die Gemeinde arbeitet an einer Lösung. Von Christa Weber
Christa Weber

Jochen und Rosi Gürtler wohnen in der Neustraße in Grimburg. Von ihrem Balkon blicken sie auf Windräder. Die Anlagen wurden im Frühjahr 2017 auf dem Gebiet der saarländischen Nachbargemeinde Wadrill gebaut, die zur Stadt Wadern gehört. Das nächstgelegene Rad ist 800 Meter von den Häusern entfernt – und deutlich zu hören. Die Flügel, die am Mast vorbeistreichen, erzeugen ein permanentes Dröhnen.

Das sagen Betroffene „Ich bin nachts davon wachgeworden“, sagt Rosi Gürtler. „Ich dachte, ein Flugzeug fliegt direkt über unser Haus.“ In ihrer Straße sei es besonders laut, zu hören sei das Windrad aber überall im Dorf. Die Anlage stehe nun fast seit einem Jahr, an die Geräusche gewöhnen könne er sich aber nicht, sagt Jochen Gürtler. Ständig bewege sich etwas vor dem Fenster. Sich entspannt draußen im Garten aufzuhalten sei unmöglich, geschweige denn in Ruhe ein Buch zu lesen.

„Es ist, als stünde das Rad in unserem Wohnzimmer“, sagt Nachbar Jürgen Klupsch. Ihn ärgert besonders, dass die betroffenen Bürger über die Baupläne nicht informiert worden seien. „Wir haben es erst gemerkt, als es schon zu spät war.“ Gegen Windräder an sich habe er nichts, betont Klupsch. „Aber es müssen vernünftige Abstände eingehalten werden.“

Das sagt die Gemeinde Anfang März haben sich etwa 20 Anwohner in einer Sitzung des Gemeinderats über die Dauerbeschallung beschwert. Ortsbürgermeister Franz-Josef Weber erklärt gegenüber dem TV, dass die Gemeinde schon nach dem Betriebsstart der Anlagen im Sommer 2017 reagiert habe. Sie habe bei der zuständigen Behörde, dem saarländischen Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (Lua), Widerspruch gegen die Genehmigung der Windräder eingelegt. Das Lua habe den Widerspruch zur Prüfung an das Umweltministerium weitergegeben. „Dort liegt er seit sieben Monaten, und man hört nichts.“

2012 und 2015 habe die Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil von der Stadt Wadern gefordert (siehe Info), bei der geplanten Änderung ihrer Windradflächen einen 1000-Meter-Mindestabstand zur Ortslage Grimburg einzuhalten, sagt Weber. Dies sei nicht berücksichtigt worden. Dass tatsächlich ein Rad in nur 800 Metern Entfernung gebaut würde, habe man erst in der Genehmigung erkannt. Diese wurde im Dezember 2016 erteilt, der Widerspruch aus Grimburg im August 2017 abgeschickt – was zum Problem werden könnte. Denn üblicherweise gilt für Widersprüche eine Vier-Wochen-Frist nach der öffentlichen Bekanntgabe der Genehmigung. Weber bezweifelt jedoch, dass die Bekanntgabe rechtlich korrekt war, da sie über saarländische, nicht aber über rheinland-pfälzische Medien erfolgt sei. „Grimburg liegt am nächsten dran und ist Hauptbetroffener. Das hätte man anders machen müssen.“

Der Ortschef ist zudem überzeugt, dass die Lärmschutzrichtwerte für das Windrad überschritten werden. Im Genehmigungsbescheid stehe, dass der Betreiber spätestens ein Jahr nach Inbetriebnahme, also diesen Sommer, die Einhaltung der Werte prüfen müsse. Die Gemeinde will darauf nicht warten. Zurzeit holt die VG Angebote von Fachbüros ein, die sechs Wochen lang Schall­immissionen messen würden. „Das kostet 10 000 bis 20 000 Euro“, sagt Weber. Der Rat werde darüber demnächst beraten. Zusätzlich stehe der zivilrechtliche Klageweg offen, „da unser Eigentum beeinträchtigt wird“. Bedauerlich findet Weber, dass durch die Probleme mit dem „schwarzen Schaf“ auf saarländischer Seite die positive Haltung der Bürger zu den Grimburger Windkraftplänen langsam schwinde. Er sei jedoch überzeugt, dass die eigenen geplanten Abstände von etwa 1200 Metern zu Wohngebieten „absolut ausreichen“.

Das sagt die Behörde Das saarländische Umweltministerium teilt auf TV-Anfrage mit, dass über den Grimburger Widerspruch „zeitnah“ entschieden werde. Ob er zulässig sei, dazu sei „noch keine endgültige Aussage möglich“. Ein Genehmigungsbescheid müsse „im amtlichen Veröffentlichungsblatt und außerdem entweder im Internet oder in verbreiteten örtlichen Tageszeitungen“ bekanntgemacht werden. Ob die vom Lua gewählte Methode im Fall der Wadriller Anlagen ausreiche (Amtsblatt, Saarbrücker Zeitung, Lua-Internetseite), werde noch geprüft.

Für die Neustraße in Grimburg sei die Schutzbedürftigkeit eines allgemeinen Wohngebiets ermittelt worden. Das bedeutet einen Immissionsgrenzwert nachts von 40 dB(A) und tagsüber von 55 dB (A). Eine Ministeriumssprecherin bestätigt, dass in den Auflagen zur Genehmigung eine Überprüfung dieser Werte gefordert werde. Diese erfolge per Abnahmemessung durch eine vom Betreiber beauftragte Messstelle. Ein Termin sei nicht bekannt, hänge aber von passenden Wetterbedingungen ab. Den Messbericht an betroffene Kommunen zu übermitteln, sei „zunächst nicht vorgesehen“, aber auf Anfrage möglich. Sollten Grenzwerte überschritten werden, drohe zumindest nachts ein Betriebsverbot, falls sich der Schall nicht reduzieren lasse.

Die Sprecherin teilt mit, dass für die Anlagen im Wadriller Windpark nur die Abstandsregelungen der Stadt Wadern relevant seien. Der Stadtrat habe zwar im November 2016 einen 1000-Meter-Mindestabstand zur Wohnbebauung beschlossen. Diese Änderung im Flächennutzungsplan sei aber noch nicht genehmigt. Maßgebend sei deshalb die alte Planversion von 2013, die den Mindestabstand für diese Windkraftfläche auf 800 Meter festsetze. In Rheinland-Pfalz sind die 1000 Meter Abstand zu Wohngebieten verbindliche Landesvorgabe, bei Rädern von mehr als 200 Metern Anlagenhöhe sind es 1100 Meter.