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Aufatmen im Keller Rathaus

Es ist Rathaus und bleibt es auch: Die Zukunft des Amtssitzes Kell scheint gesichert. TV-Foto: Axel Munsteiner
Es ist Rathaus und bleibt es auch: Die Zukunft des Amtssitzes Kell scheint gesichert. TV-Foto: Axel Munsteiner
Die Verbandsgemeinde (VG) Kell am See bleibt durch die Kommunalreform unangetastet. Bürgermeister Werner Angsten (CDU) feiert diese Nachricht aus Mainz wie einen Sieg. Die VG Hermeskeil hält derweil dem Auflösungs-Kandidaten VG Thalfang eine offene Hand über die Kreisgrenze hinweg entgegen. Von unserem Redakteur Axel Munsteiner Von Axel Munsteiner

Kell am See. "Da haben wir einen richtigen Sieg errungen", freut sich Werner Angsten. Denn: Die VG Kell (knapp 10 000 Einwohner) steht nicht auf der Liste der Auflösungs-Kandidaten, die das Land benannt hat. "Man hat offenbar erkannt, dass es hier in Kell gewachsene Strukturen gibt, die man fortentwickeln und nicht zerschlagen sollte", meint der Bürgermeister. Ausdrücklich begrüßt Angsten, dass für Mainz nicht allein die Einwohnerzahl (die empfohlene Richtgröße für VG liegt bei 12 000) Entscheidungsgrundlage war. Auch die Gebietsgröße war ein Kriterium. Die VG Kell ist circa 160 Quadratkilometer groß, der Landesschnitt liegt bei 105. Bei der Fusion mit einer der Nachbar-VG (Saarburg, Hermeskeil, Ruwer und Konz), hätte man den Menschen zu weite Wege zu ihrem Amtssitz zugemutet, findet Angsten. Weiter "Heiratspläne" zu schmieden - ein Weg, den das Land auch Gemeinden, die nicht auf der Liste stehen, offen hält - steht für ihn nicht zur Debatte. "Wir müssen nicht auf Partnersuche gehen. Ich sehe unsere VG als dauerhaft gesichert an."

Nach Auffassung von Klaus Marx hat es für Kell eine wichtige Rolle gespielt, dass das Land bestehende VG nicht teilen will. "In Mainz haben sie wohl gewusst, dass es nur Stress gibt, wenn unsere komplette VG zu einem Partner hätte wechseln müssen", mutmaßt der CDU-Sprecher im VG-Rat. Er spielt damit auf die historischen und mentalen Bindungen an, die in der VG Kell bestehen. Der Zerfer Raum ist nach Saarburg, der Keller Raum nach Hermeskeil orientiert. FWG-Sprecher Erwin Rommelfanger sagt: "Wenn überhaupt, dann hätte wohl nur eine Teilung Sinn gemacht. Wir müssen uns aber keine Gedanken über ungelegte Eier machen."

SPD-Sprecher Manfred Rommelfanger findet es "verwunderlich, dass wir nicht dabei sind. Ich halte eine konsequente Gebietsreform für dringend notwendig, um schlankere Verwaltungsstrukturen zu schaffen."

Hermeskeil für Gespräche mit Thalfang offen



Die Verbandsgemeinde Hermeskeil stand in der Reform-Diskussion selbst zwar nie zur Disposition. Sie kommt aber als Partner für die VG Thalfang infrage, die auf der Auflösungs-Liste steht. Denn das Land hat angedeutet, dass es sich auch "Ehen" über Kreisgrenzen hinweg nicht verschließen würde. Bürgermeister Michael Hülpes (CDU) sagt zu diesen Gedankenspielen: "Wenn es in Thalfang einen Bürgerentscheid für einen Anschluss geben würde, wären wir für einen solchen Wunsch durchaus offen".

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Meinung

Zerreißprobe verhindert

Das Gros der Bürger wird beruhigt sein, die Politiker sind erstmal eine Sorge los: In der VG Kell bleibt alles, wie es ist. Somit drohen nicht wie andernorts hitzige Diskussionen über den richtigen Partner, den sich die zur Heirat gezwungenen Gemeinden nun suchen müssen. Eine innere Zerreißprobe zwischen Zerfer und Keller Raum ist damit verhindert. Jenseits des Kirchturmdenkens muss aber festgehalten werden: Langfristig betrachtet macht eine große Hochwald-VG mit Hermeskeil, Kell und Thalfang wohl immer noch am meisten Sinn. a.munsteiner@volksfreund.de