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Jubiläum
Karl Marx und wie er die Welt sah

Das Thema Marx und der Kommunismus kommt noch in der Oberstufe für Schüler wie Mihaela Sirbu, Jennifer Morgen, Fabienne Bruisten und Robin Mohr (von links).  Foto: Herbert Thormeyer
Das Thema Marx und der Kommunismus kommt noch in der Oberstufe für Schüler wie Mihaela Sirbu, Jennifer Morgen, Fabienne Bruisten und Robin Mohr (von links). Foto: Herbert Thormeyer FOTO: Herbert Thormeyer
Hermeskeil. In der Integrierten Gesamtschule Hermeskeil ist eine neue Ausstellung eröffnet worden. Professor Christian Jansen von der Uni Trier erklärt, warum der Trierer Philosoph den Kommunismus von heute nicht gewollt hat.  Von Herbert Thormeyer

„Wer die gymnasiale Oberstufe besucht, kommt am Thema Karl Marx und Kommunismus nicht vorbei, und zwar gleich in mehreren Fächern, nicht nur Geschichte, sondern auch Erdkunde, Sozialkunde und Ethik“, das betonte der Leiter der Integrierten Gesamtschule Hermeskeil (IGS),  Christian Schmidt, zur Eröffnung einer ganz besonderen Ausstellung zum 200. Geburtstag des berühmten Gesellschaftstheoretikers Karl Marx.

„Die Volkshochschule des Kreises Trier-Saarburg hat die Ausstellung Der Kommunismus in seinem Zeitalter erworben“, sagt die Leiterin der Hermeskeiler Außenstelle, Agnes Weiß, die in ihrem Beitrag zur Eröffnung nachwies, dass der Kommunismus durchaus auch im Hochwald seine Auswirkungen zeigte, was sie an lokalen Wahlergebnissen der KPD im Vergleich zur NSDAP verdeutlichte.

Die Ausstellung wird auch in die schulische Arbeit der Integrierten Gesamtschule Hermeskeil einfließen, wo sie nach der Eröffnung in der Hochwaldhalle im Foyer II zu sehen sein wird.

Zusammengestellt wurden die 13 Stelltafeln von Gerd Koenen, herausgegeben von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Deutschen Historischen Museum.

Einen ersten Eindruck, was sie an schulischem Stoff über ein Staatssystem erwartet, dessen Geschichte mit viel Blut geschrieben ist, konnten sich Oberstufenschüler verschaffen, die zur Eröffnung eingeladen waren. Mit mehr als 200 Fotos der Protagonisten und historischen Zusammenhänge wird diese Geschichte veranschaulicht.

Jennifer Morgen (17) aus Hermeskeil stellt fest, nachdem sie die Ausstellung betrachtet hat: „Der Kommunismus hat viel mit Europa zu tun.“ Fabienne Bruisten (17) aus Rascheid findet: „Das ist alles sehr interessant. Es ist aber gut, dass wir hier Demokratie haben.“ Robin Mohr (16) aus Hermeskeil weiß: „Wenn man in Richtung Osten blickt, geht es den Leuten dort doch nicht so gut. Es gibt viele Probleme. Da ist unsere Demokratie doch deutlich besser.“

Prof. Christian Jansen hat an der Universität Trier den Lehrstuhl für Neuere Geschichte inne. Er führte in das Leben des berühmten Sohnes der Stadt Trier ein, das jedoch ohne die finanzielle Unterstützung durch den wohlhabenden Friedrich Engels nicht möglich gewesen wäre. „Marx hat die Globalisierung und die Finanzkrisen früh vorausgesehen“, lautet seine These. Das Kommunistische Manifest von 1848 als zentrales Werk enthalte für die damalige Zeit radikale Forderungen. Doch vieles davon erscheine uns heute als selbstverständlich, wie etwa durch Verkürzung der Arbeitszeit Freizeit für Erholung und kreatives Schaffen zu haben.

„Den Kommunismus von heute habe Marx sicherlich nicht gewollt, sondern als liberal-freiheitlicher Denker die grundsätzliche Änderung der Eigentumsverhältnisse“, erklärt der Wissenschaftler. Die Arbeit verschwinde nicht im Kommunismus, nein, sie sei ein Grundrecht.

Gefordert wurde keine Revolution durch Gewalt, sondern ein friedlicher Übergang, doch heraus kamen Putsche, Diktaturen, viele Opfer und Menschenrechtsverletzungen.

„Marx hat gefährliche Lücken in seinen Thesen“, erklärt Jansen. Das erlaube Machthabern viel Raum zur Interpretation nach eigenem Gutdünken. Die rund 50 Zuhörer wollen wissen, warum denn so viele kommunistische Staaten in jüngster Zeit zusammengebrochen sind. „Weil sie eigentlich gar keine kommunistischen Staaten waren, sondern Diktaturen“, sagt der Professor, und sieht dabei China als Sonderfall an. Marx sei sicher überrascht, wie gut uns es heute geht. Doch es gebe immer noch viel zu viel Kapital in zu wenigen Händen.

Die Universität Trier blickt auf das Marxjahr mit der Internetseite kmj2018.uni-trier.de. Professor Jansen hat dazu den Blog http://marxisback.hypotheses.org/ eingerichtet.

Der Besuch der Ausstellung ist jederzeit während der Öffnungszeiten des VHS-Büros sowie nach Voranmeldung unter  06503/8000034 möglich.