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Beuren setzt auf Sonne und Wind

Einzelne Hausbesitzer haben es in Beuren schon vorgemacht und Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern installiert. Für ihr Energiedorf-Projekt würde es sich die Gemeinde wünschen, wenn noch viele andere Privatleute diesem Beispiel folgen würden. TV-Foto: Axel Munsteiner
Einzelne Hausbesitzer haben es in Beuren schon vorgemacht und Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern installiert. Für ihr Energiedorf-Projekt würde es sich die Gemeinde wünschen, wenn noch viele andere Privatleute diesem Beispiel folgen würden. TV-Foto: Axel Munsteiner
Die Grundlagenarbeit ist gemacht. Jetzt will die Ortsgemeinde Beuren ihr Energiedorf-Projekt weiter vorantreiben. Sie setzt dabei auf Solaranlagen, Windräder und möglichst viele Bürger, die auf ihren Häusern Photovoltaikanlagen installieren und in eine bessere Gebäudedämmung - also ins Energiesparen - investieren. Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Beuren. Nachdem unlängst in Grimburg die Pfalzwerke als Investor ausgestiegen sind (der TV berichtete), ist im Hochwald nur noch ein Energiedorf-Projekt übrig geblieben. In Zusammenarbeit mit dem Oikos-Institut, der Uni Trier und den Stadtwerken Trier (SWT) bastelt die 1000-Einwohner-Kommune Beuren seit etwas mehr als einem Jahr an einem Ziel, das Uni-Professor Bernd Hamm jetzt bei einer Bürgerversammlung so formulierte. "Beuren soll Energieexporteur werden. Hier soll mehr Energie erzeugt als verbraucht werden."

Datensammlung war der erste Schritt



Auf diesem Weg war eine Datensammlung der erste Schritt. Es wurde eine Dorfstrukturanalyse gemacht. Das wichtigste Ergebnis: In den circa 360 Privathäusern sowie den öffentlichen Gebäuden in Beuren und im Ortsteil Prosterath liegt der jährliche Energieverbrauch für Strom und Heizung bei zwölf Millionen Kilowattstunden. Um es warm zu haben, verbrennen die Beurener pro Jahr eine Million Liter Heizöl. "Sie geben damit also circa 500 000 Euro aus, von denen die Region absolut nichts hat", so Hamm.

Doch wie soll sich dieses Bild wandeln? "Wir wollen uns unabhängig vom Öl machen und stattdessen Sonne und Wind anzapfen", lautet die Antwort von Ortsbürgermeister Manfred Köhl (SPD). Er folgt damit auch den Empfehlungen der SWT. Weder Geothermie, also Erdwärme, noch den Bau von Blockheizkraftwerken oder eines Nahwärmenetzes (so wie in Grimburg ursprünglich geplant) hält die SWT für sinnvoll. "Das ist nicht wirtschaftlich, weil die Investitionen zu hoch wären", sagt SWT-Mann Marc Steinert. Stattdessen werben sie dafür, dass möglichst viele Privatleute auf ihren Dächern Photovoltaikanlagen installieren, die Gemeinde das auf ihren Gebäuden auch macht und darüber hinaus am Sportplatz eine Freilandanlage mit den Solarzellen aufstellt.

Als zweites Standbein, um Strom selbst zu erzeugen, setzt Beuren weiter auf die Karte Windkraft (siehe Extra).

Stehen und fallen wird das Gelingen der Beurener Bemühungen aber vor allem damit, dass möglichst viele Bürger mitmachen. Das gilt für die Installation von Photovoltaikanlagen, noch mehr aber fürs Energiesparen. Wären in Beuren alle 360 Gebäude optimal wärmegedämmt, könnte der Verbrauch von zwölf Millionen Kilowattstunden um bis zu 58 Prozent gesenkt werden, haben die SWT errechnet. Mit finanzieller Unterstützung der SWT hat Architekt Hans-Jürgen Stein vom Oikos-Institut exemplarisch bereits 24 Häuser im Ort unter die Lupe genommen. Anschließend gab er den Besitzern konkrete Empfehlungen an die Hand, wie sie etwa durch die Dämmung von Rollladenkästen und Kellerdecken oder den Einbau neuer Fenster ihre Energiekosten drücken können. Für zehn weitere Gebäude-Analysen (sie kosten 700 Euro, von denen die Hausbesitzer 70 Euro selbst übernehmen müssen) ist laut Köhl noch Geld im Topf.

Christoph Räsch hat sich vom Oikos-Insitut bereits beraten lassen. "Ich habe ein Riesenhaus und muss schauen, wo ich etwas sparen kann", sagt er. Die Empfehlungen hätten ihm viel gebracht, und er hat sie teilweise auch schon umgesetzt. Doch sein Fazit könnte noch für manch anderen Beurener zutreffend sein: "Im eigenen Haus, ins Energiesparen zu investieren, ist schon sinnvoll. Das Wollen ist da. Nur mit der Hardware, dem Geld, ist es halt nicht so einfach".

Extra Die Gemeinde Beuren bemüht sich schon seit Jahren um Windkraft. Das war bislang vergeblich, weil das Dorf mitten in der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück liegt und es deshalb im seit 2004 rechtsgültigen Raumordnungsplan für die Region Trier nicht als Standort für weiße Riesen vorgesehen ist. Die Gemeinde Beuren hat nun aber - wie im TV bereits berichtet - einen Anwalt eingeschaltet. Mit seiner Hilfe soll, so Ortsbürgermeister Manfred Köhl, "das Raumordnungsverfahren neu aufgerollt werden". Damit will die Kommune erreichen, dass auf Beurener Gebiet - und zwar nahe der A 1 - doch noch Windräder aufgestellt werden dürfen. Landrat Günther Schartz (CDU) bezeichnet das Vorgehen der Kommune zwar als "völlig legitim". Der Vorsitzende der Planungsgemeinschaft macht aber deutlich, "dass wir das Problem haben, dass die komplette Planung auseinanderfällt, wenn man an irgendeiner Stelle das System ändert". Deshalb sagt Schartz: "Fürs Energiedorf-Projekt hat Beu ren unsere Unterstützung, für Windräder nicht". (ax)