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Bürgerhaus brachte Bernardy ins Schwitzen

Hermann Bernardy und das Bürgerhaus: Die heftigen Diskussionen über den Umbau des alten Anwesens Biehl (im Hintergrund) prägten das erste Amtsjahr des neuen Gemeindechefs von Züsch.Foto: Axel Munsteiner
Hermann Bernardy und das Bürgerhaus: Die heftigen Diskussionen über den Umbau des alten Anwesens Biehl (im Hintergrund) prägten das erste Amtsjahr des neuen Gemeindechefs von Züsch.Foto: Axel Munsteiner
ZÜSCH. Einen denkbar schwierigen Start hatte Hermann Bernardy nach seiner Wahl zum Ortsbürgermeister von Züsch. Erst als im Januar ein Bürgerentscheid alle Diskussionen um den Umbau des Anwesens Biehl zum Bürgerhaus beeendete, glätteten sich die Wogen im Hochwaldort. Im TV blickt der SPD-Mann auf sein erstes Amtsjahr zurück. ARRAY(0x17e44378)

Rückblende: Es ist der Abend der Kommunalwahl am 13. Juni 2004. Mit 214 zu198 Stimmen gelingt Hermann Bernardy ein knapper Sieg über seinen Kontrahenten Hartmut Heck. Dessen Wählergruppe hat im künftigen Gemeinderat gegenüber Bernardys SPD aber eine Mehrheit der Mandate. "Als diese Konstellation feststand, war mir klar, dass es Probleme geben wird", sagt Bernardy, wenn er heute auf die Ereignisse zurückblickt. Denn der neue Züscher Gemeindechef schleppte eine schwere "Altlast" mit zum Start. Wie sein Vorgänger Palmatius Kohlhaas befürwortete Bernardy den Umbau des Anwesens Biehl zum Bürgerhaus. Diese Pläne stießen jedoch seit Jahren auf den Widerstand von Heck. Es kam, wie es kommen musste: Mit ihrer Mehrheit kippte Hecks Wählergruppe bereits in der ersten regulären Gemeinderatssitzung den früheren Ausbaubeschluss. Was folgte, war ein neuer Kampf um die Gunst der Züscher für die eigene Position. Denn am 23. Januar 2005 sollte ein Bürgerentscheid eine endgültige Entscheidung bringen, ob das Vorhaben verwirklicht oder begraben wird. "Sicher habe ich mich im Vorfeld intensiv mit dem Gedanken beschäftigt, was ich mache, wenn es nicht klappt", sagt Bernardy heute. Weitermachen oder Aafhören - das waren die beiden Alternativen. "Letztlich bin ich damals zu dem Schluss gekommen, dass ich die Legislaturperiode auch im Falle einer Niederlage zu Ende gebracht hätte", betont der 53-jährige EDV-Fachmann, der beim Nonnweilerer Munitionshersteller Diehl beschäftigt ist. Doch bekanntlich ging die "Volksabstimmung" aus Bernadys Sicht erfreulich aus, votierten doch fast 60 Prozent der Einwohner für den Umbau. "Das war natürlich eine sehr große Erleichterung", gibt er unumwunden zu. Inzwischen läuft der Umbau auf Hochtouren, wobei viele Züscher tatkräftig angepackt haben. Im Sommer 2006 soll die Sanierung des Hauses abgeschlossen sein. Nach dieser turbulenten ersten "Halbzeit" im Jahr 1 der Ära Bernardy scheint in Züsch langsam Ruhe einzukehren. Der SPD-Mann glaubt sogar erkannt zu haben, "dass die Leute enger zusammengerückt sind". Als Beispiele nennt er nicht nur 600 Stunden Eigenleistungen am Bürgerhaus, sondern auch die gut besuchte Dorfkirmes im Juni, die seit langem wieder ein fest definiertes Programm aufwies. Bernardy legt auch viel Wert auf die Feststellung, "dass die Ratsarbeit nicht nur aus dem Bürgerhaus besteht". Dieser Streit habe zu Spannungen mit Heck geführt. Ansonsten funktioniere die Zusammenarbeit mit dem ersten Beigeordneten aber weitgehend reibungslos. "Wir haben ein gutes Verhältnis", sagt Bernardy. Und es ist auch keineswegs so, dass der Streit ums Bürgerhaus alle anderen kommunalpolitischen Aktivitäten blockiert hat. Der neue Rasenplatz des Fußballclubs, an dessen Bau sich die Gemeinden Züsch und Neuhütten finanziell beteiligt haben, ist erst kürzlich eingeweiht worden. Damit der Kreis 2006 den lang ersehnten Ausbau der Hermeskeiler Straße (K 101) angehen kann, hat die Gemeinde mittlerweile den dafür notwendigen Grunderwerb von privaten Anliegern abgeschlossen. Zukunftsziel: Mehr Leben am "Hammer"

Zudem ist es in den Verhandlungen mit dem Kreis gelungen, dass der Vorstufenausbau für das Neubaugebiet "Im breiten Triesch" bereits genehmigt wird, wenn nicht zwei, sondern "nur" eine der zunächst elf Parzellen verkauft ist. Darüber hinaus laufen derzeit noch die Gespräche mit den Kirchengemeinden, die die beiden konfessionell getrennten Friedhöfe an die Kommune abtreten wollen. Ein "wichtiges Ziel" für die Zukunft sieht Bernardy schließlich in der Belebung des "Züscher Hammers". Denn bei einem weiteren Ausbau der Aktivitäten könne sich das Industriedenkmal am Primstal-Stausee durchaus zum touristischen Anziehungspunkt entwickeln.