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Dorfentwicklung
Chance für lebendige Dorfmitte: Rat vergibt Planung für Manderner Seniorenprojekt

Im Zentrum von Mandern will die Gemeinde mit Hilfe eines Investors einen Neubau mit Seniorenwohnungen errichten. Nach den Vorstellungen des frisch beauftragten Planungsbüros könnten die Wohnungen rechts der Hauptstraße entstehen, Park- und Aufenthaltsflächen links auf dem Areal eines ehemaligen Gasthauses (linker Bildrand).
Im Zentrum von Mandern will die Gemeinde mit Hilfe eines Investors einen Neubau mit Seniorenwohnungen errichten. Nach den Vorstellungen des frisch beauftragten Planungsbüros könnten die Wohnungen rechts der Hauptstraße entstehen, Park- und Aufenthaltsflächen links auf dem Areal eines ehemaligen Gasthauses (linker Bildrand). FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Mandern. Wie soll der Neubau für 35 altersgerechte Wohnungen in Mandern aussehen? Dazu will die Gemeinde bald konkrete Pläne vorlegen. Das beauftragte Büro spricht von einem Modellprojekt. Von Christa Weber
Christa Weber

Die Gemeinde Mandern will einen zentralen Bereich ihres Dorfs neu gestalten. Derzeit leerstehende, marode Häuser in der Haupt- und Brunnenstraße sollen weichen für einen Neubau, im dem etwa 35 Wohnungen für ältere Menschen Platz haben sollen (siehe Info). Das Projekt will die Gemeinde gemeinsam mit einem privaten Investor anpacken, dessen Identität sie bislang noch nicht preisgeben will. Der Gemeinderat hat nun den nächsten Schritt in Richtung Umsetzung getan und ein Planungsbüro beauftragt.

„Bislang spielt sich vieles in den Köpfen der Beteiligten und auf dem Papier ab“, sagte Ortsbürgermeister Tim Kohley (CDU) im Rat. „Wir müssen diese Ideen kanalisieren und etwas Brauchbares in die Hand bekommen, mit dem alle weiterarbeiten können.“ Diese konkretere Planung soll das Trierer Büro Castello, Feisthauer, Weber (ehemals Manfred Müller & Partner) liefern. Dessen Vertreter erläuterten dem Rat und etwa einem Dutzend Zuhörern, wie sie dabei vorgehen wollen.

„Sie haben hier eine hervorragende Chance, eine lebendige neue Dorfmitte zu schaffen“, erklärte Planer Michael Feisthauer. Es gehe nicht allein darum, das Wohnumfeld für die künftigen Bewohner zu schaffen. „Wichtig ist auch, was dort an öffentlichem Raum geschaffen werden kann, den später alle Bürger nutzen können.“ Bei einer Ortsbesichtigung hätten die Planer bereits festgestellt, dass eine andere Anordnung als bislang angedacht sinnvoll wäre. So ist laut Feisthauer „das Gestaltungspotenzial“ größer, wenn die Wohnungen im Bereich Brunnenstraße (siehe Grafik), die Parkplätze und Aufenthaltsflächen dagegen besser gegenüber auf dem Areal des früheren Gasthauses Endres angelegt würden.

Das Büro habe Erfahrung mit großen Wohnbauprojekten, aber auch mit der Sanierung von Objekten im Umfeld älterer Gebäude, erläuterte Feisthauers Kollege Joachim Weber. Dazu zeigte er einige Arbeitsbeispiele aus der Region. Mit Blick auf die zu erwartende Größe des Neubaus in der Manderner Ortsmitte betonten beide, man wolle dort keinen „Fremdkörper“ schaffen. „Wir wissen, dass wir auf den Maßstab des Ortes eingehen müssen und wollen ihn behutsam weiterentwickeln“, erklärte Feisthauer. Das Gebäude werde sich „harmonisch einfügen“. Zwar gebe es Anforderungen wie etwa den Einbau von Aufzügen für die Barrierefreiheit, aber es gebe gute Lösungen dafür, solche Dinge platzsparend umzusetzen. Ortschef Kohley erklärte, er habe bei den Vorgesprächen „schnell das Gefühl gehabt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen“.

In der Brunnen- und Hauptstraße in Manderns Ortskern hat die Gemeinde mehrere Häuser gekauft. Die teils maroden Gebäude sollen weichen für einen Neubau mit 35 barrierefreien, altersgerechten Wohnungen.
In der Brunnen- und Hauptstraße in Manderns Ortskern hat die Gemeinde mehrere Häuser gekauft. Die teils maroden Gebäude sollen weichen für einen Neubau mit 35 barrierefreien, altersgerechten Wohnungen. FOTO: TV / Lambrecht, Jana

Auf Nachfrage von Ratsmitglied Markus Alten (CDU) erläuterte Feisthauer die Leistungen des Büros. Dazu zähle eine komplette Planung des Gebäudes und seiner Nutzung, die zwar nicht bauliche Feinheiten festlege, aber sämtliche Grundrisse, Ansichten und auch eine Kostenschätzung liefere: „Das Ergebnis dieser Planung muss sein, dass der Investor die nötigen finanziellen Mittel und die Lust hat, dieses Projekt zu bauen.“ Der Planer lobte die Ortsgemeinde für ihren „Mut, ein solches Projekt anzupacken“. Es könne durchaus ein „Modellprojekt“ werden, das über Mandern hinaus auch andere inspiriere.

Zuspruch kam auch von Martin Alten, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kell am See. Das Interesse an dem Projekt sei groß, und der Bedarf an solchen altersgerechten Wohnformen werde seiner Ansicht nach weiter steigen. Es gebe noch einiges abzuklären, unter anderem mit der Kommunalaufsicht beim Kreis Trier-Saarburg. Aber er sehe das Manderner Vorhaben „auf einem vernünftigen Weg“.

Für 80 000 Euro Honorar kümmert sich das Trierer Büro laut Ortschef nicht nur um den Neubau im Ortskern. Die Planer übernähme auch die Abgrenzung des geplanten Sanierungsgebiets. Wer darin umfangreiche Haussanierungen vornimmt, kann dies bei der Einkommensteuererklärung geltend machen. „Wir kommen jetzt  in den Bereich, wo wir Geld ausgeben“, sagte Kohley. Aber die Gemeinde denke dabei in die Zukunft. Eingereicht sei inzwischen auch eine Bewerbung beim Land um die Anerkennung als Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung. Hat sie Erfolg, winken für einen längeren Zeitraum hohe Zuschüsse für Dorfprojekte.

Für das Seniorenwohnprojekt wurden inzwischen laut Ortschef weitere Häuser in der Brunnenstraße gekauft. Mit anderen Hauseigentümern liefen noch Gespräche. Sollten diese Objekte nicht frei werden, könne man das Projekt auch zunächst „etappenweise entwickeln“. Kohley betonte: „Es wird nichts mit der Brechstange durchgeboxt. Wir wollen die beste Lösung für alle Beteiligten.“ Denkbar sei auch, dass man den Bewohnern eine Wohnung in dem geplanten Neubau anbiete. Mittlerweile gebe es insgesamt drei Interessenten für den Pflegedienst im Haus, von denen einer eine zusätzliche Tagespflege anbieten und möglicherweise einen Arzt mitbringe wolle, „der dann für alle Bürger da wäre“. Konkret vereinbart sei allerdings noch nichts. Die angekündigte Informationsveranstaltung für die Bürger werde vermutlich in den November verschoben: „Sobald wir erste Pläne zeigen können, laden wir ein.“ Planer Feisthauer kündigte an, es werde häufiger Abende geben, wo das Büro Zwischenstände vorstellen und Anregungen von Rat und Bürgern aufnehmen wolle.