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Das Spiel mit den himmlischen Kräften

Theo Geisen (links) und Michael Bach (rechts) zeigen Fluganfänger Julian Kiefer (15) die ersten Handgriffe im Cockpit. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Theo Geisen (links) und Michael Bach (rechts) zeigen Fluganfänger Julian Kiefer (15) die ersten Handgriffe im Cockpit. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Kell. Segelfliegen kann man ab dem 14. Lebensjahr lernen. Es ist ein vergleichsweise preiswertes Hobby, denn der Verein stellt das Fluggerät. In Wettbewerben können es die Piloten mit ihren Fähigkeiten in verschiedenen Disziplinen zu sportlichen Ehren bringen. Herbert Thormeyer

Kell. "Unser Verein will sich besser für die Zukunft rüsten", sagt der Geschäftsführer des Keller Luftsportvereins Hochwald, Ralf Thomas. Derzeit sind nur drei Jugendliche in der Ausbildung. Einer von ihnen ist Julian Kiefer. Dem 15-jährigen Schüler hat es das Fliegen angetan: "Ich war direkt fasziniert." Immer wieder habe er den weißen Vögeln von unten zugeschaut, sich dann ein Herz gefasst und gefragt, wie das geht mit dem Flu gschein.
"Zwei Fluglehrer stehen uns zur Verfügung", freut sich Geschäftsführer Thomas. Das war nicht immer so. 1969 wurde der Verein auf einer Wiese gegründet. Keiner hatte den begehrten Schein.
Fluglehrer mussten von außerhalb gebucht werden. Gründungsmitglied und Flugpionier des Clubs ist Theo Geisen. Er fliegt seit fast seit 40 Jahren und weiß: "Wer gesund ist, kann dieses Hobby bis ins hohe Alter ausüben." Fliegen halte auch deshalb fit, weil man nicht so leicht einschlafe wie beim Autofahren.
L eidenschaftlicher Drachenflieger


Der 77-Jährige geht aber noch weiter und ist leidenschaftlicher Drachenflieger. Seine Spezialität sind Langstreckenflüge, und sein Rekord sind achteinhalb Stunden in der Luft, aufgestellt 1976. "Damals waren die Flugzeuge noch aus Holz und Leichtmetall. Mit den modernen Kunststoffen sind sie leichter und viel schneller geworden", sagt Geisen. Wie schnell, weiß Michael Bach. Der 28-Jährige hat seit elf Jahren den Flugschein und ist begeisterter Kunstflieger. Bei der Suche nach der richtigen Thermik (Aufwind) zeichnet er Figuren in den Himmel. "Rollen, Turns und Loopings, das Spiel mit den Kräften der Luft ist es, was so Spaß macht", erklärt er.
Bach, der 2011 in Österreich einen solchen Wettbewerb gegen internationale Konkurrenz gewann, wird dabei schon mal 260 Kilometer pro Stunde schnell, und spricht gern von "Turnübungen am Himmel".
Doch ohne die Kameraden am Boden geht nichts. "Anfangs hatten wir noch keinen Hangar, sondern nur einen Heuschuppen", erinnert sich Geschäftsführer Thomas. Das bedeutete, jedes Mal die Flügel abmontieren und vorsichtig den Vogel zwischen Heuballen deponieren. Gute Kameraden werden auch gebraucht, wenn die Thermik nicht mitspielt, jemand auf einem Acker landet und abgeholt werden müsse.
Auf dem Segelflugplatz gibt es immer was zu tun, meint Thomas und fügt hinzu: "Luftsport ist nichts für Einzelgänger." Von Beginn an werde Verantwortung gelernt, eine Eigenschaft, die fürs gesamte Leben nützlich ist. Die Kosten sind im Vergleich zu manch anderem Hobby überschaubar. Mitglieder zahlen 300 Euro pro Jahr, Jugendliche die Hälfte. Ein Start per Zugseil kostet 6,50 Euro.
Extra

Der Luftsportverein Hochwald e.V. in Kell wurde 1969 gegründet. Das Fluggelände an der Kreisstraße nach Wadrill ist eine gerodete und ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche. Von den derzeit rund 100 Mitgliedern sind 30 aktive Piloten. Es stehen zwei Segel- und zwei Motorflugzeuge zur Verfügung. Derzeit gibt es drei Flugschüler. Der Verein ist unter Telefon 06589/7777 erreichbar. Rundflüge können über die Tourist- Information unter Telefon 06589/1044 gebucht werden. doth