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Den Bibern in Reinsfeld geht es gut

Förster Martin Ritter zeigt auf das Areal am Keller Steg, wo ein durch Biberdämme aufgestauter See inzwischen wieder ausgetrocknet ist. TV-Foto: Christa Weber
Förster Martin Ritter zeigt auf das Areal am Keller Steg, wo ein durch Biberdämme aufgestauter See inzwischen wieder ausgetrocknet ist. TV-Foto: Christa Weber FOTO: (h_hochw )
Reinsfeld/Kell. Ein aufmerksamer Wanderer wittert einen Umweltfrevel am Keller Steg bei Reinsfeld. Wie schon 2011 seien dort Dämme des streng geschützten Nagetiers von Menschen zerstört worden. Der zuständige Förster hat eine andere Erklärung. Christa Weber

Förster Martin Ritter lässt den Blick über das Wadrilltal schweifen. Er steht auf der Holzbrücke am sogenannten Keller Steg, einem markanten Punkt des Wanderwegs Saar-Hunsrück-Steig, und deutet auf das Gelände ringsherum. Noch vor zwei Monaten habe es hier ganz anders ausgesehen, sagt Ritter: "Das war ein richtiger kleiner See." Und mittendrin: eine Biber-Burg und mehrere von dem nachtaktiven Nager gebaute Dämme, die das Wasser von Wadrill und Lauschbach zum See aufgestaut hatten.

Inzwischen hat das streng geschützte Tier das Gebiet am Keller Steg aber offenbar verlassen. Der See ist weg, das Wasser weitgehend abgeflossen. Zu sehen sind stattdessen abgestorbene Baumstämme und eine leere, schlammige Fläche. Für den Leiter des Forstreviers Reinsfeld-Grimburg ist dieser Anblick kein Grund zur Sorge. Vor kurzem hat er jedoch eine E-Mail von einem anonymen Absender erhalten. Der Schreiber, der sich selbst als "aufmerksamen" und "schockierten Wanderer" bezeichnet, vermutet darin, dass das Ablaufen des Sees von Menschen absichtlich herbeigeführt worden sei.

Auch die TV-Redaktion hat diese E-Mail erhalten. Darin kritisiert der Schreiber, das Areal sei in einem "desolaten Zustand" und biete einen "trostlosen Anblick". Er habe die umliegenden Gemeinden, Naturschutzvereine und Biberbeauftragte informiert, aber bislang kaum Rückmeldungen erhalten. Lediglich der Reinsfelder Ortsbürgermeister habe ihm geantwortet, dass die Dämme auf natürlichem Wege weggebrochen seien und der Biber anderswo neue bauen werde. Daran zweifelt der Autor der E-Mail jedoch.

Der TV ist der Sache nachgegangen und hat den Revierleiter um einen Ortstermin gebeten. Martin Ritter ist davon überzeugt, dass es sich um ein "ganz natürliches Ereignis" handelt. Der Biberdamm sei an zwei Stellen aufgebrochen, sagt der Förster und zeigt auf die etwa zwei Meter breiten Löcher direkt unterhalb des Keller Stegs. Wegen kurzzeitigen Hochwassers habe der Damm dem Druck nicht standhalten können, vermutet Ritter. "Damit so etwas passiert, reicht es manchmal schon aus, wenn es zwei Tage lang sehr ergiebig regnet."

Die Bäume im Umfeld hätten im angestauten Wasser gestanden und seien deshalb abgestorben. Er sehe aber keine Notwendigkeit, das tote Holz zu entfernen, sagt der Förster. Zudem sei das Tal größtenteils ein Naturschutzgebiet, in das so wenig wie möglich eingegriffen werden dürfe. "Natürlich sieht das im Moment nicht besonders ästhetisch aus", gibt Ritter zu. Für die Natur sei dieser Zustand aber "sehr gut". Der schlammige Untergrund biete neuen Lebensraum für seltene Wasserinsekten. Und auch der Biber, der sich inzwischen seit fast zehn Jahren in dem Gebiet aufhalte (siehe Info), sei nicht verschwunden, wie es der besorgte E-Mail-Schreiber vermutet. Entlang der Wadrill in Richtung Reinsfeld gibt es laut Ritter mehrere frisch errichtete Dämme und sogar eine gut erkennbare Biber-Burg aus Schlamm und aufgetürmten Ästen. Er schließt zudem nicht aus, dass die Tiere irgendwann auch wieder an den Keller Steg zurückkehren.

Als zuständiger Förster sei er mehrmals in der Woche entlang der Wadrill unterwegs, sagt Ritter. Dabei habe er ein Auge darauf, "dass hier alles in Ordnung ist". Für Hinweise aufmerksamer Naturbeobachter sei er dennoch dankbar. "Man sollte aber auch dem Urteil von Fachleuten vertrauen." Er selbst befasse sich auch besonders mit dem Biber und sei vom Landes-Biberzentrum als Ansprechpartner für die Region anerkannt. Im Wadrilltal seien die Nager willkommene Helfer. Durch ihre Dämme staue sich das Wasser auf natürlichem Weg entlang des Bachs und befeuchte die Wiesen - eine Arbeit, die der Mensch sonst selbst erledigen müsste.

2011 gab es jedoch tatsächlich einen Vorfall, bei dem am Keller Steg drei Reinsfelder Bürger die Äste des Biberdamms absichtlich per Traktor aus dem Bach gezogen hatten. Sie hatten dadurch das Gewässer wieder ordentlich herrichten wollen (der TV berichtete). Weil die Biber, ihre Burgen und Dämme unter strengem Schutz stehen, hatte die Aktion auch strafrechtliche Konsequenzen. "Das hat damals schon Aufsehen erregt", erinnert sich Ritter. "Ich glaube nicht, dass so etwas hier so bald noch mal passiert."KommentarAufmerksam bleiben

Der anonyme Hinweisgeber hat am Keller Steg etwas beobachtet, dass ihn misstrauisch hat werden lassen. In diesem speziellen Fall gab es zwar nach Einschätzung des zuständigen Försters und Biber-Kenners keinen verbotenen Eingriff in die Natur und in den Lebensraum des geschützten Tieres. Aber es hätte ja durchaus auch etwas Ernstes dahinterstecken können. Zumal dort vor sechs Jahren tatsächlich ein Biberdamm bewusst zerstört worden ist.

Gut also, dass sich der Mann gemeldet hat. Daran sollten sich auch andere Wanderer ein Beispiel nehmen und mit offenen Augen durch die Natur gehen. Nur so können mögliche Umweltdelikte schnell entdeckt und aufgeklärt werden. Der Förster ist schließlich nicht immer und überall zur Stelle. c.weber@volksfreund.deExtra

Biber fühlen sich wohl an der Wadrill

Der Biber ist das größte Nagetier Europas. Erwachsene Tiere werden bis zu 35 Kilogramm schwer, bis zu 135 Zentimeter groß und um die 15 Jahre alt. Sie leben monogam und ernähren sich von Zweigen, Rinde, Gräsern und Wasserpflanzen. Sie wohnen in Burgen, deren Eingänge unter Wasser liegen. Um den Wasserpegel konstant zu halten, bauen sie Dämme. Um 1840 galten Biber in Europa als ausgerottet. Inzwischen haben sie sich vielerorts wieder angesiedelt, auch im Kreis Trier-Saarburg.

Nach Schätzung des Kreis-Biberbeauftragten Johannes Henkel leben dort etwa 30 Tiere, unter anderem an Leuk, Saar, Prims und Wadrill. Am Keller Steg bei Reinsfeld wurden erstmals 2010 Spuren der Nager entdeckt. Die EU-Richtlinie Fauna, Flora, Habitat zählt Biber zu den streng zu schützenden Tieren. Es ist verboten, sie zu fangen, zu töten, zu vertreiben oder ihre Dämme zu zerstören. Erforscht wird die Rückkehr des Bibers vom rheinland-pfälzischen Biberzentrum in Dahn-Fischbach (Landkreis Südwestpfalz).