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Der Chef des Gymnasiums geht

Mit Beginn der Sommerferien geht Karl-Heinz Wortmann, Direktor des Gymnasiums Hermeskeil, in die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Ein Herzenswunsch des scheidenden Schulleiters war die verglaste Pausenhalle im Hintergrund. TV-Foto: Ursula Schmieder
Mit Beginn der Sommerferien geht Karl-Heinz Wortmann, Direktor des Gymnasiums Hermeskeil, in die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Ein Herzenswunsch des scheidenden Schulleiters war die verglaste Pausenhalle im Hintergrund. TV-Foto: Ursula Schmieder
Sechs Jahre lang ist Karl-Heinz Wortmann Chef von 80 Lehrern und 1030 Schülern gewesen. Am Ende des Schuljahrs geht der Direktor des Hermeskeiler Gymnasiums, dessen Amtszeit von großen Bau- und Sanierungsarbeiten an der Schule geprägt war, in den Ruhestand.

Hermeskeil. (urs) Der Rückblick auf seine Zeit als Schulleiter des Gymnasiums Hermeskeil fällt bei Karl-Heinz Wortmann ungewöhnlich aus. 2004 übernahm er diesen Posten, und seitdem wird an der Schule fast permanent gebaut. Erst musste der Altbau in der Borwiesenstraße für 3,5 Millionen Euro saniert werden, momentan entsteht der 3,8 Millionen Euro teure Erweiterungsbau (der TV berichtete mehrfach).

In Wortmanns Ära standen also Unterrichtsalltag und Bauarbeiten in engem Zusammenhang. Deshalb sagt der Pädagoge, der im saarländischen Schwarzenbach wohnt und am 8. August 60 Jahre alt wird: "Ich habe manchmal gedacht, ich wäre eher Bauleiter als Schulleiter." Allerdings hatte er die Sanierung des teils von Schimmelpilzen befallenen Altbaus selbst ab 2005 vorangetrieben. Dass das Gesundheitsamt seine Sorgen ernst nahm, rechnet er den zuständigen Leuten noch heute hoch an. "Schüler und Lehrer haben hier vier Jahre auf einer Baustelle gelebt", sagt er. Allerdings seien die lautesten Arbeiten möglichst in die Ferien verlegt worden.

Doch das Gymnasium hat in Wortmanns Amtszeit nicht nur baulich Fortschritte gemacht. So ist es gelungen, die Schule wieder als landesweiten Informatik-Schwerpunkt zu etablieren. Ein deutliches Indiz sei, dass das Gymnasium landesweit die meisten Informatikschüler in den Klassen neun bis 13 unterrichtet. Obendrein sei die mit je zwei EDV- und zwei mobilen Laboren ausgestattete Schule beim Schulversuch Medienkompetenz dabei. Dass sich der Informatik-Schwerpunkt selbst in der Ausstattung des Musiksaals widerspiegelt, beweist, dass das zweite Standbein, die Musik, nicht zu kurz gekommen ist. Für die musisch begabten Schüler ist es heute selbstverständlich, Rechner zum Komponieren zu benutzen. Mit eigenen Stücken haben die Schüler beispielsweise kürzlich bei der musikalischen Sommernacht geglänzt. Weichen gestellt hat die Schule zudem 2008 mit der Einrichtung eines Ganztagsangebots, das derzeit etwa 80 Schüler nutzen.

Besonderer Einsatz war von Wortmann von 1999 bis 2000 gefordert, als der seit 1994 stellvertretende Rektor ein Jahr kommissarisch die Schulgeschäfte leitete. Ähnlich war die Situation bei Antritt des Rektorenpostens 2004, als er zweieinhalb Jahre ohne Stellvertreter war. "Wenn wir das doppelt zählen, war ich lange genug hier", sagt Wortmann.

Erstmals unterrichtete er in Hermeskeil zwischen 1979 und 1985: Mathematik, Physik und Informatik. Danach war er "Fachberater für Informatik" im Regierungsbezirk Koblenz, bevor er wieder in die Hochwaldstadt zurückkehrte. Dass es Wortmann im neuen Lebensabschnitt als Ruheständler langweilig wird, ist nicht zu erwarten. Der 59-Jährige, der verheiratet ist und einen 37-jährigen Sohn hat, freut sich vor allem darauf, "dass ich jetzt mehr Zeit mit der Familie verbringen kann". Vor allem mit seiner zweieinhalb Jahre alten Enkelin Paula will er viel unternehmen. Für den Herbst hat er sich eine dreiwöchige Tour mit dem eigenen Kleinbus bis nach Portugal vorgenommen. Außerdem hat Wortmann nun ausgiebig Gelegenheit, seinen Hobbys nachzugehen und rund ums Haus in Schwarzenbach zu handwerken oder im Wald Holz zu machen.

Wer in Wortmanns Fußstapfen treten wird, steht nach Auskunft der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier noch nicht fest. Beworben für den Posten des Chefs von circa 80 Lehrern und circa 1030 Schülern haben sich zwei Kandidaten.