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Die Böhmerischen aus Schömerich

FOTO: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"
Schömerich. Schömerich hat einen Klangkörper der besonderen Art. Die Böhmerischen haben sich nur einer Musikrichtung verschrieben: der böhmischen Blasmusik. Der Orchestername sagt gleichzeitig, wo die neue Heimat dieser Klänge ist. Herbert Thormeyer

Schömerich. Vor gut einem Jahr begann die Probenarbeit mit neun Musikern. "Ein Orchester, das böhmische Blasmusik spielt, gibt es in ganzen Region nicht", sagt Andrea Pohl, die Gründerin eines Klangkörpers, der sich "Die Böhmerischen" nennt. Es ist die Kombination aus Böhmisch und Schömerich, dort, wo die mittlerweile 16 Musiker im Bürgerhaus proben.

Mit Ortsbürgermeister Michael Lauer war man sich schnell einig: "Ihr dürft hier kostenlos proben, das Dorf will als Gegenleistung zwei Konzerte an der Kirmes und beim Kelterfest." So steht die Erstaufführung der musikalischen Bemühungen bereits fest: Der 27. Juni ist in Schömerich Kirmesmontag und das nächste Konzert ist am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober.

Lauer freut sich: "Jetzt hat auch Schömerich ein Orchester." Bislang spielen nur einige seiner Mitbürger in umliegenden Musikvereinen. Ebenso original wie originell ist die Festlegung auf diesen Musikstil und die Besetzung, wie sie von den Egerländern des Ernst Mosch (1925-1999) gespielt wurde. Genauso soll es klingen. Dafür nehmen die Musiker auch lange Anfahrten in Kauf. Es gibt Bitburger, Ehranger und Saarländer im Orchester.Musik aus Böhmen und Mähren


Andrea Pohl ist die Leiterin, keine Dirigentin. Sie zählt bei jedem Stück den Takt an, dann geht's los. Aus Böhmen und Mähren stammen die mittlerweile 65 Stücke, die in einem Jahr einstudiert wurden. "Das Besondere an dieser Musik ist der volle, weiche Klang, fast wie klassische Musik, nur ohne Streicher", sagt Pohl, die selbst auf dem Bariton-Horn mitspielt. Neben dem 1. Flügelhorn sind das die einzigen Instrumente, die es doppelt gibt. "Das gibt mehr Volumen", erklärt sie dem TV. Jedes andere Instrument gibt es nur einmal. Und deshalb muss immer die volle Besetzung spielen und jeder ein Könner sein, sonst ist der Klang einfach nicht mehr so wie bei Mosch. Mehr als 16 Musiker dürfen es auch nicht sein, sonst ist der Sound wieder nicht original.

"Da müssen die Leute viel Erfahrung mitbringen", sagt Pohl. Aber die hat sie mittlerweile gefunden, eine handverlesene Truppe. Bis zur Premiere ist auch die entsprechende Tracht angeschafft, mit der diese Musik auch rein optisch unterstrichen wird.
Jüngster im Orchester ist Nils Müller. Der Zwölfjährige spielt Schlagzeug, ein ganz wichtiges Instrument, um im Takt zu bleiben. "Da muss man sich an ganz neue Noten gewöhnen", sagt er. Sein Vater, Holger Müller, war Schlagzeuger beim großen Meister Ernst Mosch und spielt jetzt bei dessen Nachfolger, den Egerländer Musikanten von Ernst Hutter.
Neben der Leiterin ist Christine Spies die zweite Musikerin des Klangkörpers. Sie spielt Es-Klarinette und freut sich: "Diese Musik wollte ich schon immer spielen, aber weit und breit gab es keine Möglichkeit dazu." Aus dem Saarland reist immer Peter Klein mit seinem Euphonium an. "Diese 30 Kilometer lohnen sich", sagt er. Er spiele Egerländer Musik seit Kindesbeinen, denn solch wohlklingende Akkorde seien einfach selten.