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Dorfentwicklung
Dorfmoderation Beuren: Weniger Leerstände und neuer Radweg stehen auf Wunschliste weit oben

 Im Bürgerhaus wählen Teilnehmer der Beurener Dorfmoderation die Ideen aus, die sie zuerst anpacken wollen. Was sie in drei Workshops erarbeitet haben, steht vor ihnen auf den Plakatwänden.
Im Bürgerhaus wählen Teilnehmer der Beurener Dorfmoderation die Ideen aus, die sie zuerst anpacken wollen. Was sie in drei Workshops erarbeitet haben, steht vor ihnen auf den Plakatwänden. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Beuren. Welche Projekte stehen ganz oben auf der Wunschliste der Beurener? Antworten darauf gab ein Abend zum Abschluss der Bürger-Workshops zur Dorfmoderation. Darin waren insgesamt mehr als 70 Vorschläge erarbeitet worden. Von Christa Weber
Christa Weber

Dicht gedrängt stehen Teilnehmer der Dorfmoderation vor zwei Stellwänden im Beurener Bürgersaal. Auf Plakaten hat Dorfmoderatorin Julia Kaiser alle Ideen notiert, die sie seit November gemeinsam mit den Bürgern gesammelt hat. Es sind Vorschläge, wie sich der Hauptort Beuren und der Ortsteil Prosterath mit insgesamt rund 980 Einwohnern positiv verändern könnten.

„Heute geht es darum, dass Sie die Projekte gewichten und bewerten, was Sie bevorzugt umsetzen wollen“, erklärt die Planerin vom Kaiserslauterner Büro Stadtgespräch. Sie hat kleine rote Klebepunkte an die etwa 30 Anwesenden verteilt. Damit sollen sie die Projekte kennzeichnen, die ihnen besonders am Herzen liegen.

Seit fünf Monaten unterstützt Kaiser die Ortsgemeinde dabei, ihre Infrastruktur zu verbessern, den Ortskern lebendig zu halten und Ideen zur Stärkung der Dorfgemeinschaft zu entwickeln. Gefördert wird die Dorfmoderation durch das Land Rheinland-Pfalz. Die darin entwickelten Projekte münden in ein Dorferneuerungskonzept und werden ebenfalls bezuschusst. Ein wesentlicher Bestandteil der Moderation ist, dass sich die Bürger daran intensiv beteiligen.

Laut Kaiser haben sich 60 verschiedene Teilnehmer bei den Veranstaltungen eingebracht. Jeweils etwa 30 haben in den Workshops mitgearbeitet, wo es um Schwerpunkte wie Bauen/Wohnen, Verkehr/Infrastruktur und Kultur/Freizeit ging. Eine weitere Arbeitsgruppe befragte Kinder und Jugendliche. Diese regten unter anderem eine bessere Pflege des Sportplatzes, mehr Vereinsangebote für ihre Altersgruppe und neue Veranstaltungen wie Kinoabende und einen Weihnachtsmarkt an. „Insgesamt sind 70 Ideen zusammengekommen. Für einen Ort dieser Größe ist das sehr gut“, lobt die Moderatorin. Nun gehe es an die genauere Konzeption, um später Förderanträge für konkrete Vorhaben stellen zu können. Dazu sei es wichtig zu wissen, wo die Beurener ihre Prioritäten setzten.

Als alle Aufkleber platziert sind, zeichnen sich klare Favoriten ab. Besonders viele Punkte erhält das Projekt „Leerstandsmanagement“. Dahinter verbirgt sich laut Kaiser ein Appell an die Gemeinde, aktiver auf Besitzer leerstehender Häuser zuzugehen, um diese Gebäude abzureißen oder wieder nutzbar zu machen. Auf Platz zwei beim Thema Bauen landet die Neugestaltung des Dorfplatzes, gefolgt von einer besseren Pflege öffentlicher und privater Flächen. Für ähnlich wichtig erachten die Bürger, Wohnangebote für ältere Menschen zu schaffen.

Im Bereich Infrastruktur steht ganz oben, die Gaststätte im Ort zu erhalten und einen Radweg in den Nachbarort Hinzert-Pölert zu bauen. In der Rubrik Freizeit liegt den Beurenern besonders am Herzen, dass die Gemeinde und ihre Angebote überregional besser vermarktet werden und in Prosterath ein Treffpunkt für Jung und Alt entsteht.

Aus diesen Favoriten wird die Dorfmoderatorin nun voraussichtlich bis März die förderfähigen Projekte bündeln und daraus ein Dorferneuerungskonzept für die nächsten zehn bis 15 Jahre erstellen. Dieses Konzept soll der Gemeinderat im Frühjahr beschließen. Sobald auch das Innenministerium sein Okay gegeben habe, erläutert die Planerin, könne die Gemeinde Anträge stellen. Möglich sei eine Förderung von bis zu 65 Prozent pro Projekt. „Es lohnt sich auf jeden Fall.“

Was denn aus den Ideen werde, die weniger Punkte erhalten hätten, erkundigt sich ein Bürger. „Davon geht nichts verloren“, versichert Kaiser. Bei manchen Vorschlägen sei zunächst die Gemeinde gefragt, aktiv zu werden – etwa bei dem Wunsch nach einer Verlegung und Neugestaltung des Spielplatzes in Prosterath. „Dafür muss es erst mal ein geeignetes Grundstück geben.“ Ortsbürgermeisterin Petra Adams-Philippi und den Ratsmitgliedern rät die Moderatorin: „Die Bürger sollten weiter informiert und ins Boot geholt werden.“

Im März entscheidet sich laut Kaiser auch, ob Beuren 2019 eine Schwerpunktgemeinde des Förderprogramms Dorferneuerung wird. Das habe einen entscheidenden Vorteil – neben höherer Zuschüsse: Der Gemeinde werde für acht Jahre eine Dorfplanerin zur Seite gestellt, die Bürger bei privaten Sanierungsprojekten im Ortskern berate. Denn dafür ist auch Geld im Fördertopf.