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Ein echter Schutzmann für Kinder

An die Hand genommen: Polizeioberkommissar Franz Kuhn unterweist die Osburger Kindergartenkinder auf dem Bürgersteig. TV-Foto: Jürgen C. Braun
An die Hand genommen: Polizeioberkommissar Franz Kuhn unterweist die Osburger Kindergartenkinder auf dem Bürgersteig. TV-Foto: Jürgen C. Braun
Hermeskeil/Osburg. Alle 15 Minuten verunglückt in Deutschland ein Kind unter 15 Jahren im Straßenverkehr. Besonders gefährdet sind die Kleinsten, die noch nicht zur Schule gehen. Hier ist Präventionsarbeit mit viel Einfühlungsvermögen besonders gefragt. So wie sie Franz Kuhn aus Hermeskeil seit 2006 vor Ort leistet. Der TV hat den Polizeioberkommissar begleitet. Jürgen C. Braun

Hermeskeil/Osburg. Aufgeregtes Geplapper, nervöses Hin- und Hergerutsche auf den langen Bänken in der kleinen Gymnastikhalle des Kindergartens in Osburg. 28 Mädchen und Jungen, alle so um die fünf Jahre alt, blicken erwartungsvoll auf den großen Mann mit der blauen Uniform und der weißen Mütze, der da auf einem kleinen Hocker in ihrer Mitte Platz genommen hat. Es ist Polizeioberkommissar Franz-Josef Kuhn. Er will den Vorschulkindern, hier "Igelkinder" genannt, spielerisch, aber dennoch eindringlich das Rüstzeug mit auf den Weg geben, das sie spätestens im nächsten Jahr brauchen werden, wenn sie eingeschult werden.
Kollege Plüschhase


Seit 2006 ist der Polizeibeamte aus Hermeskeil "Schutzmann" in des Wortes wahrster Bedeutung für Kinder im Vorschulalter. Er besucht als Verkehrssicherheitsberater (so seine genaue Berufs-bezeichnung) Kindergärten und Schulen. Er verfügt in seinen Schulungen über eine dem jeweiligen Alter angepasste Strategie, um nicht nur Aufmerksamkeit zu erregen. Seine Tipps und Ratschläge, wie man unbeschadet den permanent im Straßenverkehr lauernden Gefahren aus dem Weg geht, sollen auch nachhaltig in Erinnerung bleiben.
Kuhn versucht zunächst, das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. Er sitzt auf Augenhöhe, sucht den Blickkontakt. Da ist zunächst einmal nur großes Lachen und Kreischen, wenn der mit Spannung erwartete Besucher seine weiße Mütze plötzlich verkehrt herum aufsetzt und scherzt. Aber da ist auch gespannte Aufmerksamkeit, wenn er ihnen zeigt, und sie auch befühlen lässt, was ein Polizeibeamter so alles an seinem Koppel mit sich führen muss.
Langsam legt sich die Anspannung. Kuhn führt die Gruppe der "Igelkinder" dorthin, wo er sie und ihr Interesse an der Sache haben will. Er hat eine selbst gebastelte hölzerne Straße mitgebracht, die er in der Turnhalle abschüssig aufbaut. Darauf ein umgebautes Rutschauto und als "Fahrer" ein Plüschhase.
"Das ist der Paul", sagt Kuhn und lässt das Auto mit dem "Paul" die Holzstraße herunterfahren. Einmal nicht angegurtet, und schon macht es: rrrummms! Der Plüschhase wirbelt durch die Luft. Nach anfänglichem Lachen erkennen die Kinder schnell, dass ein richtiger Hase verletzt worden wäre. Dann lässt Kuhn den Hasen nochmals, aber mit angelegtem Sicherheitsgurt die Straße hinunterfahren. "Und was passiert dem Paul jetzt?", fragt er in die aufmerksame, aber "hippelige" Runde. Die Antwort lautet: "Nichts, er ist ja angegurtet."
Kuhn bringt das nötige Einfühlungsvermögen mit, um zwar mit einer gewissen Leichtigkeit, aber auch bestimmt an seine Aufgabe heranzugehen. Er sieht sich dabei in erster Linie als Freund und wirklicher Schutzmann der Kleinsten.
Dem "Schnupperkurs" in der Turnhalle folgt der "Stresstest" draußen. Kuhn geht mit den "Igelkindern" vor das Haus. Er tritt auf den Bürgersteig und zeigt den Jungen und Mädchen, wie sie zu schauen und zu gehen haben. Auf was sie achten müssen. Was sie auf keinen Fall tun dürfen. Führt es vor, nimmt die Kleinsten an die Hand. Und ist dabei immer freundlich, lacht viel, beugt sich hinunter zu den Kleinen. Augenkontakt, persönliche Ansprache, das ist ihm wichtig. "Im nächsten Jahr, bevor sie in die Schule gehen, bereiten wir die Kinder noch einmal gezielt vor", blickt er voraus. Als er geht, hat "Herr Kuhn", so sprechen ihn die Kinder respektvoll an, den ganzen Vormittag mit den Fünfjährigen verbracht. Seine Arbeit macht ihm Spaß, das sieht man ihm an. Weshalb er seine Besuche mit dem "Kollegen Paul" im Kindergarten wohl auch weniger als Arbeit, sondern eher als Aufgabe eines wirklichen "Schutzmanns" sieht.Extra

Morgens zwischen 7 und 8 Uhr ereignen sich im Winter besonders viele Verkehrsunfälle mit Kindern im Schul- oder Vorschulalter. Der Anteil der Jungen und Mädchen, die zu dieser Tageszeit als Fußgänger oder Radfahrer verunglücken, liegt in den Monaten Dezember bis Februar fast dreimal so hoch wie in den Frühjahrs- und Sommermonaten März bis August. Dies belegt eine Analyse des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) zu den Verkehrsunfalldaten des vergangenen Jahres. Eine Hauptursache für die erhöhte Gefährdung morgens vor Beginn des Kindergartens oder der Schule: Um diese Tageszeit sind die Kinder bei Dunkelheit unterwegs und können von motorisierten Verkehrsteilnehmern schlechter gesehen werden. Aber auch Hektik oder Unausgeschlafenheit bei Kindern wie bei Erwachsenen haben gefährliche Folgen. Der DVR empfiehlt, beim morgendlichen Arbeitsweg in der dunklen Jahreszeit noch mehr auf Kinder zu achten, gegebenenfalls das Tempo zu senken und bremsbereit zu sein. Die Scheiben der Autos müssen frei sein. jüb