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Ein Jahr mit 789 Unfällen: Bilanz der Hermeskeiler Polizei 2012

FOTO: Axel Munsteiner
Hermeskeil. Auf den Straßen im Hochwald gab es 2012 insgesamt 789 Unfälle. Dabei verlor ein Mensch sein Leben. Die Zahl der Verletzten ist deutlich zurückgegangen, während die von Wildtieren ausgehende Gefahr gewachsen ist. Das alles macht der Blick auf die aktuelle Unfallbilanz der Hermeskeiler Polizeiinspektion (PI) deutlich. Axel Munsteiner

Für einen 32 Jahre alten Motorradfahrer kommt am 25. Juli 2012 jede Hilfe zu spät. Er wird auf der L151 zwischen Hermeskeil und Nonnweiler von einem Autofahrer erfasst, der mit seinem Fahrzeug abbiegen will und dabei den jungen Mann auf seiner Maschine übersieht. Es ist der tragischste Unfall, der sich im vorigen Jahr im Hochwald ereignet hat. Denn es war die einzige Kollision, bei der ein Mensch sein Leben verlor. 2011 gab es im Bereich der Hermeskeiler PI noch drei Verkehrstote. In der wichtigsten Kategorie einer jeden Unfallbilanz gab es also einen Rückgang. Dennoch betont PI-Leiter Michael Wahlen: "Ein Unfalltoter ist einer zu viel. Hinter jedem Schicksal verbirgt sich eine familiäre Tragödie."

Die wichtigsten Zahlen: Insgesamt hat es 2012 im Hermeskeiler PI-Bezirk 789-mal gekracht - das waren 17 Kollisionen mehr als noch im Jahr davor. Dennoch überwiegen in der Verkehrsbilanz die positiven Aspekte: Bei den Unfällen kamen nämlich weniger Menschen zu Schaden. "Sowohl bei den Leichtverletzten als auch bei den Schwerverletzten verzeichnen wir einen deutlichen Rückgang", sagt Sachbearbeiter Franz Kuhn. 13 Männer und Frauen mussten 2012 nach Unfällen schwer verletzt zur stationären Behandlung in eine Klinik gebracht werden. Im Jahr davor waren es noch 31. Die Zahl der Leichtverletzten sank von 79 (2011) auf 62. Die jungen Autofahrer zwischen 18 und 24 Jahren waren an zehn Prozent aller Unfälle beteiligt. Damit liegen in dieser Altersgruppe die Hermeskeiler Zahlen deutlich unter der Quote, die in der Gesamtregion Trier gelten. Dort waren "junge Fahrer" 2012 an 20 Prozent aller Kollisionen beteiligt.

Die häufigste Unfallursache: Es bleibt dabei. Die größte Gefahr geht im Revier der Hermeskeiler PI von Rehen, Wildschweinen und anderen scheuen Waldbewohnern aus. 374 Wildunfälle haben die Beamten registriert. Das heißt: Im Hochwald ist praktisch die Hälfte aller Unfälle - es sind exakt 48 Prozent - das unmittelbare Resultat einer Kollision zwischen Auto und Tier. Im Vergleich zu 2011, als 318 Wildunfälle gezählt wurden, ist das Risiko sogar noch größer geworden. 14 Prozent der Unfälle passierten beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren. Wegen zu hoher Geschwindigkeit krachte es 58-mal (sieben Prozent). Alkohol und Drogen waren bei 23 Unfällen (drei Prozent) mit im Spiel.

Die gefährlichsten Strecken: Im Hochwald muss man im Prinzip überall damit rechnen "Opfer" eines Wildunfalls zu werden. Besonders heikel ist in dieser Hinsicht aber die Fahrt auf der Hunsrückhöhenstraße - und zwar auf dem gesamten Streckenabschnitt zwischen Hirschfelderhof und Mandern. Viele Wildunfälle passieren auch auf der B52 zwischen der früheren Hermeskeiler Kaserne und Höfchen, auf der L148 von Hinzert bis Bescheid, auf der K68 bei Waldweiler, der K98 bei Geisfeld und der K100 zwischen dem Hermeskeiler Gewerbegebiet Grafenwald und Abtei.

Abgesehen davon gibt es auch drei Straßen im Hochwald, die für die Polizei eine sogenannte "Unfallhäufungslinie" darstellen. Die Fachleute bezeichnen damit Strecken, auf denen innerhalb von drei Jahren auf einem bestimmten Abschnitt drei Kollisionen mit Schwerverletzten passiert sind. In Bereich der PI fallen die L151 zwischen Hermeskeil und Nonnweiler, die B327 zwischen Abtei und dem Kreisel am Kaufland-Markt sowie die B407 zwischen Reinsfeld und der Auffahrt auf die A1 in diese Kategorie. Die meisten Unfälle wurden im Stadtgebiet Hermeskeil (277) gezählt, gefolgt von Kell (68), Reinsfeld (66) und Osburg (59).

Die Strategie der Polizei: Gerade auf den unfallträchtigen Straßen wie der B27 und der B407 werde verstärkt kontrolliert, betonen Wahlen und Kuhn. Um die Zahl der Wildunfälle einzudämmen, startet bald ein Experiment. Auf einer "Teststrecke" (Kuhn) - der B407 bei Mandern und Waldweiler - sollen an der Rückseite der Leitpfosten blaue Reflektoren installiert werden. Ohne dass es für die Autofahrer selbst störend ist, leuchtet das auftreffende Licht der Scheinwerfer an ihren Fahrzeugen in den Wald hinein und soll die Wildtiere am Überqueren der Straße hindern. Diese kostengünstige Methode wird auf Initiative eines Jagdpächters bereits auf einer Straße zwischen Wawern und Kanzem (VG Konz) ausprobiert. Extra

Zahlen
Für den westlichen Teil der VG Kell - den Raum Zerf - ist die PI Saarburg zuständig. In deren gesamten Bezirk hat es 2012 87-mal häufiger gekracht als im Vorjahr. Bei den 1582 Unfällen wurden mit 276 Menschen sieben mehr verletzt als 2011 (269). Es gab aber weniger Schwerverletzte (69/83). Im Gebiet rund um Zerf wurde die PI Saarburg zu 134 Unfällen gerufen - davon waren 95 Wildunfälle. Es gab in diesem Teil der VG Kell sechs Unfälle mit Schwerverletzten, aber keinen Verkehrstoten. Extra

Dienstbezirk
Der Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Hermeskeil ist 333 Quadratkilometer groß und umspannt ein Straßennetz von circa 224 Kilometern. Die Beamten sind für 33 Ortsgemeinden zuständig. Neben der gesamten Verbandsgemeinde Hermeskeil sorgt die PI auch im östlichen Teil der VG Kell, sowie in Teilen der VG Ruwer und Thalfang für Recht und Ordnung. In dem Bezirk leben rund 26.500 Menschen.