| 21:07 Uhr

Ein Lüftchen namens Tod

Gezeichnet von der Krankheit und dennoch voller Lebensfreude: Volker Kalski. Foto: Hans Muth
Gezeichnet von der Krankheit und dennoch voller Lebensfreude: Volker Kalski. Foto: Hans Muth
LAMPADEN. Er kam nach Lampaden, berichtete von seinem Kampf ums Überleben und weckte bei den Zuhörern tiefe Betroffenheit: Volker Kalski ließ im "Marechi-Club" sein Leben nach der Diagnose "Krebs" Revue passieren und stellte sein Buch "Krebs ist Macht nichts" vor. ARRAY(0x1b3bed5a8)

Im Jahr 1990 wurde bei Kalski die Diagnose Gesichtskrebs gestellt. Eine Operation raubte ihm danach den größten Teil seiner linken Gesichtshälfte. Geschwächt und gezeichnet von der Krankheit und den stärksten Schmerzmitteln, zerfiel sein Körper immer mehr. "Als bekannt wurde, dass die Krankheit meinen halben Kopf weggefressen hatte, lagen meine Überlebenschancen nach Angaben der Ärzte bei null. Doch ich beschloss in diesem Moment, zu überleben.""Ich wog noch 48 Kilo"

Aber es wurde ein langer und schwerer Kampf, gekennzeichnet von vielen Niederschlägen. "Ich wog noch 48 Kilo, und ein Lüftchen namens Tod hätte mich einfach so wegwehen können", erzählt er. "Ich führte Gespräche mit der Krankheit Krebs. Ich werde dich vernichten, denn ich habe keine Angst vor dir. Ich werde der Gewinner sein." Offen redet Kalski über alle Stationen seiner Krankheit, auch darüber, dass ihn seine Frau wegen seiner Krankheit verließ, und von Diskriminierungen, die er als Behinderter von seinen Mitmenschen erfuhr. "Die Therapie war schlimmer und erlebnisreicher als die tödliche Diagnose", sagt Kalski. Gegen Therapie-Ende sei die Perspektivlosigkeit immer größer geworden. Der Schmerzmittelentzug, oftmals Ausgrenzung, aber auch Angriffe gegen ihn als Behinderten hätten ihn oft verzweifeln lassen. Doch alles, was er sagt, ist ohne Selbstmitleid. Im Gegenteil: Ein Schuss Humor und Selbstironie ist immer dabei. Doch er spricht auch von seinen Zukunftsängsten nach der Operation und dem Tag, als er zum ersten Mal in den Spiegel sah. "Wenn ich gesund sein werde, werde ich dann noch gemocht?" Doch er verzichtet auf weitere 50 bis 60 Operationen zur Wiederherstellung seines Gesichts, "weil ich mich selbst so akzeptiere, wie ich bin". Wie er ist, damit meint er sein vom Krebs zerfressenes Gesicht. "Den größten Teil der linken Gesichtshälfte gibt es nicht mehr. "Wenn ich die Prothese abnehme, offenbart sich ein trichterförmiges Loch mit einem Einblick in meinen Kopf und Rachen", erzählt er im Gespräch mit dem TV. Da er keine weiteren Operationen zugelassen hatte, trägt Kalski eine Gesichtsprothese aus Silikon, versehen mit einem künstlichen Auge und befestigt mit Magneten, die im Schädel verankert sind. "Eine Lösung, mit der ich gut leben kann", sagt er. Heute hat es sich Kalski zur Aufgabe gemacht, Krebspatienten zu motivieren, Angehörige zu trösten und allen beizustehen, die sich in irgendeiner Weise mit den Problemen um Krebs konfrontiert sehen. "Ich bin gerne bereit, zu den Menschen zu kommen, die meine Geschichte hören wollen und die von meinen Erfahrungen profitieren könnten." Eines hätte er sich während seiner Behandlung und Therapie gewünscht, sagt der Buchautor, der in Saarbrücken lebt: "Sehr gerne hätte ich einen Erfahrenen und Betroffenen während der Therapie getroffen, das hätte mir sicherlich sehr geholfen." Für Lesungswünsche ist Kalski zu erreichen per E-Mail an VolkerKalski@aol.com