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Ein neuer Bürgersaal in einer alten Scheune

Ein Treffpunkt für alle Henterner: Bürgermeister Werner Angsten, die Gastronomin Marlene Kopp, deren Sohn Julian und Ortsbürgermeister Eugen Schwickerath (von rechts) studieren die Pläne für die Umwandlung der leer stehenden Scheune des Landgasthofes Kopp zum Bürgersaal.Foto: Axel Munsteiner
Ein Treffpunkt für alle Henterner: Bürgermeister Werner Angsten, die Gastronomin Marlene Kopp, deren Sohn Julian und Ortsbürgermeister Eugen Schwickerath (von rechts) studieren die Pläne für die Umwandlung der leer stehenden Scheune des Landgasthofes Kopp zum Bürgersaal.Foto: Axel Munsteiner
HENTERN. Ein Projekt mit Modellcharakter soll im Hochwaldort Hentern verwirklicht werden. Geplant ist, die leer stehende Scheune des Landgasthofs Kopp für rund 610 000 Euro umzubauen und künftig sowohl als Bürgersaal der Gemeinde als auch für größere Veranstaltungen des bekannten Restaurantbetriebs zu nutzen. ARRAY(0x194dcae48)

Mit einem kleinen Lebensmittelgeschäft und als Grundschul-Standort verfügt Hentern zwar über wichtige infrastrukturelle Einrichtungen, doch als einzige der 13 Gemeinden in der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See fehlt im 410-Einwohner-Ort ein Bürgerhaus. Für das Leben im Dorf hat dieser Umstand durchaus nachteilige Folgen. "Unsere Vereine haben kaum eine Möglichkeit, ihre Aktivitäten im Ort durchzuführen", sagt Ortsbürgermeister Eugen Schwickerath. So muss beispielsweise die Henterner Frauengemeinschaft nach Baldringen ausweichen, und sich die Gymnastikgruppe für ihre Übungsstunden provisorisch mit einem Klassenraum in der Grundschule begnügen. Ein eigenes Bürgerhaus ist daher seit langem Wunsch der Gemeinde. "Wir wollten aber kein Bürgerhaus auf der grünen Wiese bauen, sondern es gab schon vor vielen Jahren Überlegungen, die leer stehende Scheune des Landgasthofes Kopp umzubauen", blickt Schwickerath zurück. Diese Lösung sei auch deshalb vom Rat bevorzugt worden, weil die Gemeinde nicht in Konkurrenz zu dem Gastronomiebetrieb treten wollte. Da die Finanzierung unklar gewesen sei, habe man die Idee zunächst aber zurückgestellt und erst vor zwei Jahren wieder aufgegriffen. Mittlerweile liege bereits ein Planungsentwurf vor, dem der Henterner Gemeinderat einstimmig zugestimmt habe. Er sehe zwar aus bautechnischen Gründen den kompletten Abriss der alten Scheune vor. "Die ortstypische Ansicht wird aber auch nach dem Umbau erhalten bleiben", sagt Bürgermeister Werner Angsten. Er betont, dass mit der dauerhaften Erhaltung vorhandener Bausubstanz im Ortsmittelpunkt der geplante Bürgersaal dem Gedanken der Dorferneuerung entspreche. Deshalb hoffen Verbandsgemeinde, Ortsgemeinde und Restaurant-Besitzerin Marlene Kopp auch auf eine höchstmögliche Förderung des Projekts aus dem Topf des Dorferneuerungsprogramms. Denn: "Ohne Förderung des Landes können wir das Projekt beerdigen", betont Angsten. Verbindliche Zusagen für einen Zuschuss gebe es bislang zwar noch nicht, das Konzept sei aber grundsätzlich begrüßt worden, informiert der VG-Chef über den derzeitigen Stand der Gespräche. Bis zum 1. August soll ein Förderungs-Antrag in Mainz gestellt werden. Eine Zustimmung des Landes vorausgesetzt, will sich auch die VG an der Finanzierung des 610 000-Euro-Projekts beteiligen. Sie übernimmt bei Vorhaben dieser Art im Normalfall zehn Prozent der Kosten. "Diesem Zuschuss muss die Kreisverwaltung aber zustimmen", sagt Angsten.Henterner hoffen auf Baubeginn im Jahr 2005

Die Ortsgemeinde müsste schließlich für den Umbau Eigenmittel von rund 70 000 Euro aufbringen. Sollte der Kreis das Projekt "Henterner Bürgersaal" auf seiner Prioritätenliste weit oben ansiedeln, könnte 2005 mit dem Umbau begonnen werden, sagen Angsten und Gemeinde-Chef Schwickerath im Gespräch mit dem TV . "Der Umbau selbst wird sich dann vermutlich über einen Zeitraum von zwei Jahren verteilen", so Schwickerath. Wer den Henterner Bürgersaal wann, wie und mit welchen Kosten nutzen kann, das haben die Gemeinde und Marlene Kopp übrigens grundsätzlich bereits geregelt. Das Konzept einer Nutzungsvereinbarung über 30 Jahre liege seit Anfang April vor, muss jedoch noch von der Kreisverwaltung abgesegnet werden. Marlene Kopp sieht der Kooperation mit der Gemeinde jedenfalls erwartungsfroh entgegen. "Ich verspreche mir dadurch mehr Möglichkeiten für meinen Betrieb", sagt sie. Denn in der Vergangenheit habe sie wegen des begrenzten Raumangebots einige Anfragen für größere Veranstaltungen, wie Tagungen oder Seminare, absagen müssen. Mehr Platz werden aber nicht nur die Restaurantgäste haben, wenn der Umbau beendet ist. Im rund 200 Quadratmeter großen Bürgersaal werden dann auch kulturelle Veranstaltungen der Gemeinde und der Henterner Vereine, größere Familienfeiern sowie eine eingeschränkte sportliche Nutzung möglich sein. Hinzu kommen Küche und neue Sanitärräume.