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"Einmal um die ganze Welt…"

An Weihnachten fernab der Heimat, aber auf einem "Traumschiff" unterwegs: Jochen Blind – hier bei einem Stopp im Hafen von Bermuda – arbeitet auf der MS Europa und kreuzt mit dem Luxusliner über die Meere. Foto: MS Europa
An Weihnachten fernab der Heimat, aber auf einem "Traumschiff" unterwegs: Jochen Blind – hier bei einem Stopp im Hafen von Bermuda – arbeitet auf der MS Europa und kreuzt mit dem Luxusliner über die Meere. Foto: MS Europa
HERMESKEIL. "Einmal um die ganze Welt…" – Der Slogan des bekannten Gassenhauers von Karel Gott wird derzeit für Jochen Blind (22) aus Hermeskeil Wirklichkeit. Auf der "MS Europa", dem weltweit einzigen Kreuzfahrtschiff mit dem Prädikat "Fünf Sterne Plus" umrundet er derzeit den Globus. Weihnachten verbrachte er in der Karibik. ARRAY(0xa128fd08)

"Grand Turk" - unter diesem Namen können sich wohl nur Reise-erprobte Zeitgenossen etwas vorstellen, denn das kleine Eiland, gelegen in der Nähe der "Virgin Islands" (Jungferninseln) darf sich nicht gerade zu den Metropolen dieser Welt zählen. Ob das Stückchen exotische Glückseligkeit in der Karibik nun ein idealer Platz ist, um "Stille Nacht…" anzustimmen, darüber mag jeder sein Urteil fällen. Fest steht jedoch eins, trotz aller möglichen Vorzüge: Ein Weihnachtsbaum wird sich dort schwerer finden lassen als in einer Hochwälder Tannenkultur.Alle sieben Weltmeere durchkreuzen

Derlei Gedanken aber werden Jochen Blind aus Hermeskeil an den Feiertagen nicht in den Sinn gekommen sein. Seit dem 11. Oktober ist der 22-jährige Hotelfachmann auf dem 198,60 Meter langen "Bötchen" unterwegs. Verlassen wird er es vermutlich wieder am 23. April 2007. Eingestiegen ist er in Lissabon, verlassen wird er "die schönste Yacht der Welt", so der Betreiber Hapag Lloyd, in Limassol auf Zypern. Bis dahin wird er über Mittelmeer, Atlantik, Karibik, durch den Panamakanal in den Pazifik, durch die Südsee mit Bora Bora, Neuseeland, Australien, Indonesien, den Indischen Ozean und weiter durch das Rote Meer bis zurück ins Mittelmeer alle sieben Weltmeere bereist haben. "Für mich die Erfüllung eines Traums. Aber nach mehr als einem halben Jahr auf See werde ich wohl auch froh sein, wenn dann der ,Hammer wieder fällt'", glaubt er. Blind, der in Traben-Trarbach und Würzburg eine Ausbildung als Hotelfachmann abgeschlossen hat, wurde im Sommer vergangenen Jahres als einer der wenigen unter hunderten Bewerbern für den Job auf der MS Europa angenommen. Das Auswahlverfahren ging zweisprachig über die Bühne. Deutsch und Englisch in Schrift und Sprache waren obligatorisch, eine dritte Fremdsprache von Vorteil. Als er von seinem Glück erfahren hatte, ging alles plötzlich blitzschnell. Die notwendigen Formalitäten mussten erledigt werden. Nur wenige Tage nach dem "Okay" von Hapag Lloyd saß er im Flieger nach Lissabon, um an Bord zu gehen. Zeit für Sentimentalitäten an Weihnachten in der Fremde blieb der Crew an Bord nicht. Immerhin sind 408 Gäste zu betreuen, 260 Crew-Mitglieder stehen rund um die Uhr für die "Kreuzfahrer der Moderne" zur Verfügung. Für Abenteuer-Romantik blieb Blind kein Raum. Die Erholung haben andere gebucht, nicht er. "Ich arbeite jeden Tag zwischen zehn und 16 Stunden, habe keinen freien Tag, dafür zwischen meinen drei Dienstzeiten täglich etwas Zeit für Besichtigungen an Land oder sonstige Erholung", beschreibt der Steward. Bei einem derlei ausgefüllten Programm ist Heimweh ein Fremdwort. Außerdem ist im Zeitalter der globalen Vernetzung die Verbindung zur Heimat kein Problem. An Bord hat jeder Passagier und jedes Crew-Mitglied seine eigene Mail-Adresse, so ist er auch stets über die neuesten Ergebnisse seiner Handball- und Fußballmannschaften, in denen er in Hermeskeil gespielt hat, informiert. Zudem kommuniziert er über sein Weblog "jochensweltreise.log.ag" wann immer es ihm möglich ist, mit Eltern, Bekannten und Freunden und beschreibt dort seine Eindrücke. Das neue Jahr wird er wahrscheinlich "irgendwo in der Nähe von Mexiko" begrüßen. Noch liegen etwa fünf Monate auf hoher See vor ihm, aber eines hat ihn immerhin beruhigt: "Den Atlantik habe ich schon mal überquert, ohne mich übergeben zu müssen." Ende April wird der Kreis sich schließen, doch der Karel-Gott-Titel wird sich so ganz nicht als pure Wirklichkeit einstellen. Denn dort heißt es im Refrain "… und die Taschen voller Geld."