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Windkraft
Emotionale Debatte in Greimerath: Bürger streiten über Umgang mit Windkraftplänen

Die Besucher der Bürgerversammlung in Greimerath haben einige Fragen zu den aktuellen Windkraftplänen  im Umfeld ihres Wohnorts. Hier äußert Bernhard Schmitt Bedenken wegen der zusätzlichen Lärmbelästigung durch weitere Windräder.
Die Besucher der Bürgerversammlung in Greimerath haben einige Fragen zu den aktuellen Windkraftplänen im Umfeld ihres Wohnorts. Hier äußert Bernhard Schmitt Bedenken wegen der zusätzlichen Lärmbelästigung durch weitere Windräder. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Greimerath. Mehr Lärm, Schattenwurf, Kahlschläge im Wald: Mit diesen Bedenken haben sich Teilnehmer einer Versammlung gegen weitere Windräder bei Greimerath gewehrt. Andere wollen sich angesichts fehlender Alternativen zumindest um eine finanzielle Teilhabe bemühen. Von Christa Weber
Christa Weber

Das Thema Windkraft bewegt offensichtlich viele Menschen in Greimerath. Etwa 70 Bürger kamen am Montagabend zur Versammlung in die Grimoldhalle, um Details zum aktuellen Windflächen-Entwurf der Verbandsgemeinde (VG) Kell zu erfahren. Dieser sieht zwei größere Gebiete im Umfeld Greimeraths vor. Über die Folgen wurde vergangene Woche schon im Gemeinderat diskutiert (TV vom 28. Juli).

Die Ausgangslage Viele der Bedenken, die CDU-Mitglieder dort geäußert hatten, kamen am Montag in der phasenweise sehr emotional geführten Diskussion erneut zur Sprache.  Zunächst aber skizzierte Planer Reinhold Hierlmeier die Ausgangslage. Die sieht so aus: Die lange verfolgten Flächen bei Zerf und Waldweiler sind wegen ihrer Lage in der Naturpark-Kernzone tabu. „Die VG war gezwungen, sich Alternativen zu suchen, wenn sie den Bau von Windrädern steuern will“, sagte der Planer. Dafür habe es abseits fester Landesvorgaben kaum Spielraum gegeben. Ein Ansatz sei der Wert der Windhöffigkeit, also der Windstärke auf den Flächen. Bei mindestens 6,3 Meter pro Sekunde blieben neben der Manderner Rodung zwei Flächen am Schneeberg zwischen Greimerath und Zerf und südlich von Greimerath im Wald übrig. „Sie würden auch bei einem höheren Wert nicht rausfallen“, erläuterte Hierlmeier. Die im Wald habe man verkleinern können, dank eines anlagenfrei zu haltenden 60-Grad-Blickwinkels von der Ortsmitte aus. „Mehr geht nicht, dafür fehlen die Argumente.“

Die VG müsse einen Plan vorlegen, der vor Gericht nicht anfechtbar sei. Das Land Rheinland-Pfalz habe bestimmt, zwei Prozent seiner Gesamtfläche für die Windenergie freizuhalten: „Daran muss man sich nicht festhängen, aber es dürfen auch nicht 0,2 Prozent sein.“ Werde der Keller Plan nicht genehmigt, dann könnten Grundstücksbesitzer überall dort, wo es keine rechtlichen Hindernisse gibt, Räder beantragen.

Die Debatte Die Diskussion eröffnete Bernhard Schmitt mit der Feststellung, „dass die Lärmbelästigung unser drängenstes Problem ist“. Er wollte wissen, wer denn bei überschrittenen Grenzwerten einschreite. Im Grenzbereich zweier Bundesländer habe er die „Angst, das wir machen können, was wir wollen, und es passiert nichts“. Hierlmeier verwies auf die Verordnung „TA Lärm“, deren Vorgaben zum Schutz vor Schallimmissionen bundesweit gelten würden. Ein Problem sei jedoch, dass sie „Sondersituationen“ wie etwa die Lage Greimeraths im Talkessel nicht berücksichtige. Die Greimerather könnten aber bei der für jedes Windrad fälligen Prüfung Nachmessungen fordern. Ein Zuhörer erklärte, für ihn seien die Geräusche „wie ein angenehmes Meeresrauschen“. Dem widersprachen andere vehement. Manche verwiesen auch darauf, dass Forscher aus Mainz Zusammenhänge zwischen dem von Windrädern erzeugten Infraschall und Herzerkrankungen bestätigten.

Ratsmitglied Ralf Taubert (CDU) erinnerte an den Schlagschatten der Räder. Zudem müssten „unzählige Bäume gefällt werden. Das macht mich wahnsinnig.“ Einige Bürger zweifelten daran, dass sich die Anlagen wirtschaftlich rechneten. Zuhörer Daniel Fries kritisierte, dass der für die Angabe der Windhöffigkeit verwendete Windatlas 2013 „überhaupt keine verlässliche Grundlage“ sei. Stattdessen hätte man vor Ort langjährige Messungen vornehmen müssen. Hierlmeier gab zu, dass es sich um Hochrechnungen handele: „Aber diese Daten sind die einzige verfügbare Planungsgrundlage und vom Gesetzgeber anerkannt.“

Ein Bürger erinnerte daran, dass die VG im August ihren Entwurf öffentlich auslegen werde. „Dann kann jeder Einwände vorbringen. Wir sollten nicht als Erfüllungsgehilfe für die Investoren auftreten.“ Hier liegt laut Hierlmeier jedoch „eine Tragik im Verfahren“. Denn: Beschließt der VG-Rat wesentliche Änderungen, muss der Plan erneut ausgelegt werden. Dann wird er bis Jahresende – bis zur Fusion mit der VG Saarburg – nicht rechtskräftig, und es droht für den Keller Raum Windrad-Wildwuchs.

Laut Innenministerium dürften die Keller auch nicht nach dem 1. Januar 2019 weiterplanen, weil dann die Gesamtfläche der neuen Verbandsgemeinde  zu betrachten wäre.

Zentrale Frage VG-Ratsmitglied Christel Martin (SPD) resümierte: „Es gibt einen Investor, der sagt: Ich baue, wenn ich darf.“ Der VG-Rat habe dafür die Voraussetzung geschaffen. Sie habe Verständnis für die Bedenken, aber: „Wenn es so kommt, sollte man fragen: Wie kann Greimerath davon profitieren?“ Dieser Meinung seien viele Menschen im Dorf. Ein Zuhörer hielt diese Einstellung für „unredlich“. Mehrere Bürger forderten Ortsbürgermeister Edmund Schmitt (FWG) auf, sich zu positionieren. Der sagte: „Wir haben uns diese Situation nicht gewünscht.“ Der Investor biete der Gemeinde an, sich zu beteiligen. Verhalte man sich wieder wie damals beim Windpark am Judenkopf, „dann fragen viele, warum sie uns eigentlich gewählt haben“.