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Ex-Kaserne wird zum Energiepark

Hermeskeil. Dort wo einst Soldaten stationiert waren und später das Tourismusprojekt Dorf Hochwald wie eine Seifenblase platzte, soll künftig ein "Zukunftsenergiezentrum" entstehen. Diese Pläne haben die neuen Besitzer der Hermeskeiler Ex-Kaserne dem Stadtrat vorgestellt. Unter anderem will die Firma Viresca auf dem Gelände für fünf Millionen Euro eine Freiland-Photovoltaik-Anlage bauen. Axel Munsteiner

Hermeskeil. "Wir sind ja gebrannte Kinder. Deshalb sind wir froh, dass es jetzt reale Investitionen gibt." So brachte CDU-Mann Markus Forster in der jüngsten Sitzung die einmütige Haltung des Stadtrats in Sachen früherer Hochwaldkaserne auf den Punkt. Mit einem einstimmigen Beschluss hat das Gremium einem neuen Bebauungsplan für das frühere Militärgelände zugestimmt. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Immobiliengesellschaft Viresca ihre Pläne verwirklichen kann. Die Firma aus Treis-Karden (Kreis Cochem-Zell) ist seit April 2011 Eigentümerin der Ex-Garnison. Unmittelbar davor war das Tourismus-Projekt Dorf Hochwald schlagzeilenträchtig gescheitert, weil dessen Macher pleitegingen.
"Es wurde bisher auch schon einiges bewegt", betonte Viresca-Mann Harald Spang. Nach seinen Angaben hat die Firma schon 4,5 Millionen Euro auf dem insgesamt 38 Hektar großen Areal investiert, das Viresca dem Bund abgekauft hatte. Neben dem Kaufpreis wurden unter anderem die Dächer der Hallen im früheren Technikbereich saniert und darauf Photovoltaik-Anlagen installiert. Außerdem wurden Straßen ausgebessert, und eine große ebenerdige Fläche für die im Dachdecker-Großhandel tätige Firma DEG wurde hergestellt. Das Unternehmen hat an der Ex-Kaserne für eine siebenstellige Summe ein Hochregallager gebaut, das schon genutzt wird. Es ist die erste größere Neuansiedlung auf dem Gelände.
Weitreichende Pläne



"Wir wollen aber die Liegenschaft weiterentwickeln und den nächsten Schritt beim Ausbau der Infrastruktur tun. Die Kaserne ist ein Standort, der im Mittelpunkt der heranwachsenden Hochburg von Zukunftsenergien stehen wird", sagte Spang mit Blick auf die weitreichenden Pläne, die es auch von kommunaler Seite - Stichwort Windkraft - in diesem Bereich gibt. Insofern will Viresca aus der Ex-Kaserne ein "Zukunftsenergiezentrum", so der Titel, machen. "Wir bemühen uns um die Ansiedlung von Firmen, die sich in diesen neuen Technologien beheimatet fühlen", sagte Spang. Nach seiner Aussage will sich ganz konkret eine Servicegesellschaft, die Windkraft-, Biogas- und Photovoltaik-Anlagen betreut, im Mai 2013 mit sieben Mitarbeitern in Hermeskeil niederlassen. Das Entwicklungskonzept von Viresca möchte zudem den direkt an der A 1 gelegenen Standort im Hochwald den Herstellern von Windradflügeln oder Firmen, die in der Holzpellet-Produktion tätig sind, schmackhaft machen. Auch der Bau einer Versuchs-Biogasanlage sei denkbar.
Ein handfestes Projekt, das Viresca selbst anpacken will, gibt es ebenfalls. Eine rund zehn Hektar große Fläche der Ex-Kaserne, die teilweise noch auf dem heutigen Verkehrsübungsplatz liegt und sich von dort bis an den Rand der A 1 hinzieht, soll für den Bau einer fünf Millionen Euro teuren Freiland-PV-Anlage mit 23 500 Sonnenkollektoren genutzt werden. "Es ist klar. Wir wollen damit Geld verdienen und Sicherheit für weitere Investitionen an der Kaserne gewinnen." Stadtbürgermeister Udo Moser (Bürger für Bürger, BFB) betonte, dass die Anlage, "wenn man sie begleitend begrünt, von der B 52 aus wohl nicht zu sehen sein wird". Das sei wahrscheinlich nur an den hoch gelegenen Stellen von Hermeskeil - etwa am Sportplatz - nicht auszuschließen. Für Moser ist das von Viresca geplante Konzept "ein Weg, der für unsere Region prädestiniert ist". René Treitz sagt aus Sicht der SPD: "Wir begrüßen ausdrücklich die Idee, in Zukunftsenergien zu investieren."
Laut Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Hülpes (CDU) muss formal zwar auch noch der vor der Auflösung stehende Zweckverband Konversion dem geänderten Bebauungsplan zustimmen. Hülpes, der zugleich auch Vorsitzender des Konversions-Gremiums ist, kündigte aber an, "dass der Zweckverband beim Stadtratsbeschluss nachziehen wird". Denn: "Wir können froh sein, dass der Vertrag mit der Viresca zustande gekommen ist und wir nach dem Aus für das Dorf Hochwald noch einmal so eine Chance bekommen haben."Extra

Die letzten Soldaten zogen Ende 2006 aus der Hermeskeiler Hochwaldkaserne ab. Danach fand die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten teilweise Mieter für die Gebäude und Hallen im einstigen Technikbereich. Außerdem gibt es an der Ex-Kaserne zwei Wohnhäuser. Als die Viresca die Kaserne im April 2011 kaufte, gab es nach Angaben der neuen Besitzer 31 Mieter und weniger als 30 Arbeitsplätze an der Ex-Garnison. Mittlerweile hat sich die Zahl der Mieter laut Viresca auf 89 und die der Arbeitsplätze auf 60 erhöht. Die frühere Kaserne ist beispielsweise Heimat eines Catering-Betriebs, eines Fachgeschäfts für Pferdezubehör und einer Firma für Steinmetz-Werkzeuge. Die Hallen werden zum Beispiel als Busdepot und von einem Metallbaubetrieb genutzt. Die Gebäude dienen teils als Proberäume für Musikgruppen. Nach wie vor ist die Viresca GmbH auf der Suche nach einem Investor, der ein früheres Unterkunftsgebäude der Soldaten in ein Hotel umwandelt. Anders als beim Projekt "Dorf Hochwald" ist dabei aber nicht unbedingt an ein Vier-Sterne-Haus gedacht. Mit Blick auf das Zukunftsenergiezentrum wären neben Touristen auch Handwerker oder Monteure eine denkbare Gästeklientel. ax