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Familie Storch lebt vor laufender Kamera

Brütende Schwarzstörche wird man in der freien Natur kaum zu Gesicht bekommen. TV-Foto: Hans-Martin Braun
Brütende Schwarzstörche wird man in der freien Natur kaum zu Gesicht bekommen. TV-Foto: Hans-Martin Braun
Birkenfeld/Thalfang. Seit seiner Rückkehr aus dem Süden lebt ein Schwarzstorch-Pärchen in einem Wald in der Verbandsgemeinde Birkenfeld so öffentlich, wie man kaum öffentlicher leben kann: Zwei Webcams übertragen auf der Internetseite der Landesforstverwaltung rund um die Uhr das Familienleben im Hochwaldhorst. Klaus-Peter Müller

Birkenfeld/Thalfang. Dennoch ist der Nistplatz so geheim, dass selbst Georg Graf von Plettenberg, der Leiter des Forstamts Birkenfeld, wortkarg wird. Ihm und seinen Mitarbeitern war der über den Wäldern kreisende große schwarze Vogel schon seit Längerem aufgefallen. Im Jahr 2008 konnten sie erstmals ein brütendes Storchenpaar in ihrem Staatswaldrevier nachweisen. Eine Sensation: Mit etwa 30 Brutpaaren in Rheinland-Pfalz ist er eine der seltensten Vogelarten überhaupt und galt lange Zeit hierzulande als ausgerottet. Anderswo in Europa war das nicht so, weiß Graf von Plettenberg. Auch in Deutschland gab es in der Lüneburger Heide letzte brütende Exemplare, als sich - in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts beginnend - der Schwarzstorch erneut übers Land verbreitete. Mittlerweile ist er wieder zu einem - wenn auch seltenen - Bewohner heimischer Wälder in Rheinland-Pfalz geworden. Aber der scheue und heimische Vogel reagiert sehr empfindlich auf Störungen. Brutverluste und Nestaufgaben können die Folge sein. Seltener Anblick

Schwarzstörche sind kaum zu beobachten. Nur selten kreisen die Vögel über ihrem Brutgebiet. Sie fliegen ihr Nest nicht von oben, sondern seitlich durch den Waldbestand gleitend an und leben so verborgen, dass - wie bei einem Vorkommen auf dem Truppenübungsplatz Baumholder - selbst Förster gelegentlich nicht wissen, wo in ihrem Revier der Schwarzstorch brütet. Mit einer ersten Brut im Jahre 1982 in der Schneifel begann in Rheinland-Pfalz die Wiederbesiedlung. Derzeit gehen Fachleute von einem stabilen Brutbestand von 30 bis 40 Schwarzstorchpaaren mit Schwerpunkt im Norden des Landes - Westerwald, Taunus, Eifel, Hunsrück und Saar-Nahe-Bergland - aus. Im Pfälzer Wald wurde bislang noch kein Brutvorkommen bestätigt, aber es wird vermutet. Der Bestand im heimischen Revier ist für den Forstmann aus Birkenfeld ein Indiz für die gesunde Umwelt hierzulande. Andere könnten in dem Pärchen im Hochwald durchaus ein Symbol für das geeinte Europa sehen. Denn er oder sie - Herr und Frau Schwarzstorch unterscheiden sich weder in Federtracht noch in Größe, berichtet Graf von Plettenberg - stammt eindeutig aus Frankreich. Der Ring mit der Kennzeichnung CH 14 wurde dem Jungstorch im Jahre 2005 von einer Vogelschutzwarte in der Nähe von Dijon im Partnerland Burgund verpasst. Was dem verschwiegenen Hochwaldnest bereits den Besuch des Präsidenten der obersten französischen Vogelschutzorganisation einbrachte.Die Störche können unter folgender Adresse beobachtet werden:wald-rlp.de/index.php?id=7286Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) ist etwas kleiner als der Weißstorch (Ciconia ciconia). Kopf, Hals und Brust sind schwarz, das Gefieder wirkt je nach Lichteinfall grünlich, purpurn oder kupferfarbig. Die Weibchen sind leicht matter gefärbt als die Männchen, ihr Schnabel ist meistens gerade, während jener der Männchen ganz leicht aufwärts gebogen erscheint. In Gewicht und Größe unterscheiden sich die Geschlechter nicht. red