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Flucht vor den Fluten

SCHÖNDORF/HEDDERT. (red) Aus dem Blickfeld der meisten Medien ist sie schon verschwunden, doch für die Mitglieder der Not- und Katastrophenhilfe (Noka) Schöndorf-Heddert ist die Hochwasserkatastrophe an der Donau nach wie vor präsent. Auch, weil einige von ihnen im Hochwassergebiet zu helfen versuchten.

Noch immer sind mehrere tausend Menschen von den Folgen des Hochwassers betroffen. Diese Menschen haben ihre Häuser, Wohnungen und ihre Existenzgrundlage verloren, seit die Donau ihre Ufer um mehr als 12 Kilometer "verlegte". Davon überzeugten sich sieben Mitglieder der Noka Schöndorf-Heddert, die vor kurzem von einer Fahrt ins Katastrophengebiet zurückkehrten. Unter der Leitung von Klaus Stüber war die Gruppe elf Tage auf eigene Kosten unterwegs. Ziel dieser Tour war es, alte und neue Hilfsprojekte zu besuchen. Erste Station dieser Reise war die Bergbaustadt Petrosani in den Südkarpaten, wo die Noka in den vergangenen vier Jahren mit Hilfstransporten und Handwerker-Einsätzen aktiv war. Von dort ging es mit einem Mitarbeiter der Caritas Petrosani, Csaba Ciocarlan, ins Hochwassergebiet in der Nähe der Stadt Craiova. Nur über Feldwege erreichte man die noch zum Teil überfluteten Dörfer, da deren Hauptzufahrtsstraßen noch unpassierbar waren.Erschreckende Bilder

Auf den Höhenzügen der Felder, außerhalb der Dörfer, leben immer noch hunderte von Menschen in Notlagern. Diese Menschen leben seit Wochen dort mit ihrem vor dem Hochwasser geretteten Vieh. Die Notlager bestehen aus Zelten oder Plastikplanen, die kaum Schutz vor der Witterung bieten. Trinkwasser gibt es nur aus Tankzügen, da die Brunnen der Dörfer durch das Hochwasser unbrauchbar geworden sind. In der Ortschaft Rast und Umgebung boten sich den Helfern der Noka erschreckende Bilder. Als die Helfer durch eine Straße in Rast gingen, stießen sie auf einen etwa 70 Jahre alten Mann, der nur mit Turnhose und Sandalen bekleidet war. Weinend zeigte er sein eingestürztes Haus. Als einzige Unterkunft dient ihm und seiner Frau ein Holzverschlag, der zuvor als Hühnerstall genutzt wurde. In den umliegenden Straßen sind zahlreiche Häuser zerstört, es sieht aus wie nach einem Bombenangriff. In einem Nachbarort stehen immer noch mehrere Häuser unter Wasser. Mit riesigen Pumpen versucht man, das Wasser hinter den überfluteten Deichen abzupumpen. Der nur langsam sinkende Pegel der Donau bringt immer mehr Tierkadaver zum Vorschein. Diese Kadaver stellen bei sommerlichen Temperaturen um 30 Grad eine enorme Gesundheitsgefahr dar. Von Rast starteten die Helfer in die Stadt Miercurea Ciuc. Dort besichtigten die Helfer das Zentrallager für Hilfsgüter der Caritas Rumänien, welches auch schon Ziel mehrerer Hilfstransporte der Noka war. Attila Csongor, Leiter der Caritas Miercurea Ciuc, bedankte sich bei den Helfern der Noka für die bereits gelieferten Hilfsgüter und bat gleichzeitig um weitere Unterstützung. Mit dem Leiter der Caritas besuchten die Helfer einen integrativen Kindergarten sowie eine Behindertenwerkstatt, wo insgesamt 18 behinderte Menschen beschäftigt sind. Josef Banjasch, Mitglied des Katastrophenstabes der Caritas Rumänien, der am Vortag aus dem Katastrophengebiet zurückgekehrt war, besprach mit den Helfern die dortige Lage. Er informierte die Helfer darüber, dass der Staat den Betroffenen neue Grundstücke und das Baumaterial für den Wiederaufbau zur Verfügung stellen will. Für den Aufbau sind die Betroffenen jedoch selbst verantwortlich Er bat die Helfer der Noka ebenfalls für den kommenden Herbst um Unterstützung in Form von Hilfsgütern.Spendenkonten eingerichtet

Auf der fast 5000 Kilometer langen Tour erhielten die Helfer zahlreiche Informationen zur Vorbereitung weiterer Hilfsprojekte. Die Eindrücke, die sie auf dieser Tour sammelten, bestärkten sie weiter in ihrem Engagement, bestehende und zukünftige Projekte in Rumänien fortzuführen. Weitere Informationen bei Klaus Stüber (Heddert), Telefon 06589/1314, oder Franz-Josef Karos (Schöndorf), Telefon 06588/2210, oder im Internet unter www.noka.ev.de. Wer die Not- und Katastrophenhilfe Schöndorf-Heddert auch finanziell unterstützen möchte, kann eine Spende auf eines der folgenden Spendenkonten einzahlen: Raiba Hochwald, BLZ 585 647 88, Konto Nummer 100 720 972, oder Sparkasse Trier, BLZ 585 501 30, Konto Nummer 433 094.