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Forscher findet verschollenen Käfer im Nationalpark

Unter anderem mit solchen speziellen Fallen fängt Experte Frank Köhler Totholzkäfer, um sie anschließend zu bestimmen. TV-Foto: Alexander Schumitz
Unter anderem mit solchen speziellen Fallen fängt Experte Frank Köhler Totholzkäfer, um sie anschließend zu bestimmen. TV-Foto: Alexander Schumitz FOTO: Alexander Schumitz (itz) ("TV-Upload Schumitz"
Erbeskopf. Wie entwickelt sich der Nationalpark Hunsrück-Hochwald bis 2050? Dieser Frage geht der TV in seiner Sommerserie "Jenseits der Wildkatze" nach. Der zweite Teil befasst sich mit der Bedeutung des Totholzkäfers.

Erbeskopf. Er lebt im Verborgenen und liebt Totholz. Die Rede ist nicht vom Hirschkäfer (lateinisch: lucanus cervus), der groß auf Schildern prangt. Er erinnert hier nur die Besucher von Naturwaldreservaten daran, auf dem Pfad zu bleiben und nicht quer durch den Wald zu laufen.
Für den Hirschkäfer ist es in den Höhenlagen des Nationalparks zu kalt.
Anders hingegen der Kopfhornschröter (lateinisch: sinodendron cylindricum): Diesen bis zu 16 Millimeter großen Käfer konnte der Käferexperte Frank Köhler bei seiner Untersuchung in den Naturwaldreservaten Gottlob, Ruppelstein und Springenkopf im Nationalpark Hunsrück-Hochwald nachweisen.
Seine Larven entwickeln sich im weißfaulen Buchenholz. Er liebt Bergwälder. Im Bereich des Gottlob fand der Käferexperte auch den Kleinen Rehschröter (platycerus caraboides): Ein circa zehn Millimeter großer Käfer, der ebenfalls Totholz braucht, um sich zu entwickeln.
Beide Arten werden auf der Roten Liste zum Teil als gefährdet eingestuft.
410 Käferarten


Köhler konnte mit Hilfe verschiedener Fallen 410 Käferarten im Nationalpark Hunsrück-Hochwald nachweisen. Damit liegt das rheinland-pfälzisch/saarländische Schutzgebiet im Vergleich zu den anderen 15 deutschen Nationalparks im Mittelfeld. Mehr als die Hälfte der Krabbeltiere sind auf Totholz als Lebensraum angewiesen. Die höchste Zahl Totholz liebender Käfer konnte in der fünfeinhalb Hektar großen Zelle Ruppelstein nachgewiesen werden. "In diesem Bereich stehen mit durchschnittlich 260 Jahren die ältesten Buchenbestände innerhalb des Nationalparks. Insofern war zu erwarten, dass ich hier die meisten Käferarten finden würde", sagt Köhler.
Im Naturwaldreservat Ruppelstein hat der Forscher einen Schwarzen Rüsselkäfer gefunden (otiorhychnus niger). Es ist der erste Nachweis dieser Art in Rheinland-Pfalz seit mehr als 60 Jahren; am Erbeskopf ist er letztmals 1928 gefunden worden.
Überrascht hat Köhler dieser Fund trotzdem nicht: "Diese Art war in höheren Lagen des Hunsrücks zu erwarten."
Bislang ohne Erfolg war die Suche nach einem sogenannten Urwaldrelikt. Darunter verstehen Biologen Käfer, die hohe Ansprüche an den Lebensraum Totholz stellen. Das setzt wiederum einen weitgehend unberührten Wald voraus. In Deutschland gibt es 115 Urwaldrelikt-Arten.
Keine Urwaldrelikte gefunden


Diesen besonderen Käfern setzt vor allem die durch Menschen verursachte Veränderung ihres Lebensraumes zu.
"Ohne entsprechende Totholz-Habitate drohen die Urwaldrelikt-Arten auszusterben. Der Klimawandel setzt den Käfern hingegen weniger zu.
Diese würden - so der Experte - aktuell in höhere und schattigere Regionen zurückweichen. itz