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Katastrophenschutz
60 Einsatzkräfte üben in Hermeskeil: Wenn jedes Wort am Funkgerät zählt

60 Einsatzkräfte aus dem Kreis haben am Hermeskeiler Feuerwehrmuseum die Weitergabe von Funksprüchen nach einem schweren Unfall simuliert. Hier sind Mitglieder der Führungsstaffel Trier-Land (rechts) in Aktion.
60 Einsatzkräfte aus dem Kreis haben am Hermeskeiler Feuerwehrmuseum die Weitergabe von Funksprüchen nach einem schweren Unfall simuliert. Hier sind Mitglieder der Führungsstaffel Trier-Land (rechts) in Aktion. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Hermeskeil. Wie tauschen Einsatzkräfte bei einem schweren Unglück schnell und vollständig Informationen aus? Das haben Feuerwehr, Katastrophenschutz und Technisches Hilfswerk bei einer kreisweiten Übung in Hermeskeil nachgestellt. Von Christa Weber
Christa Weber

Auf einer Autobahn ist eine Brücke eingestürzt und hat mehrere Fahrzeuge unter sich begraben. Es gibt Dutzende Verletzte, aus einem Lastwagen treten Gefahrstoffe aus. Ein Szenario wie dieses nennt man im Katastrophenschutz eine „Großschadenslage“. Genau mit einer solchen haben es am Freitag etwa 60 Einsatzkräfte aus dem Kreis Trier-Saarburg zu tun. Sie haben sich am Neuen Markt in Hermeskeil zu einer Übung versammelt, das Feuerwehrmuseum hat ihnen sein Gelände zur Verfügung gestellt.

Auch einige Bürger wollen den Einsatzkräften über die Schulter schauen. Viel zu sehen gibt es jedoch nicht. Denn an diesem Tag geht es nicht um das Retten, Löschen oder Bergen an sich. Im Fokus steht vielmehr das Funken, also die Informationen, die während des Großeinsatzes zwischen den beteiligten Einheiten ausgetauscht werden müssen. „Für die Öffentlichkeit bleibt das meist im Verborgenen. Dabei ist es enorm wichtig“, sagt Nicole Schumacher, die für die Einsatzleitung des Kreises die Pressearbeit koordiniert. Das Ziel müsse sein, ergänzt der stellvertretende Kreisfeuerwehrinspekteur Christian Neuschwander, „dass die Funksprüche in so kurzer Zeit wie möglich und vor allem vollständig weitergegeben werden“. Etwa einmal im Jahr gebe es eine Übung in dieser Größenordnung.

Um 10 Uhr sind alle bereit. Die Technische Einsatzleitung des Landkreises übernimmt die Regie. Von dort werden die eingehenden Informationen weiterverteilt. Es gibt fünf Einsatzabschnitte, jeder hat sein eigenes Fernmelder-Team, das Funksprüche entgegennimmt und absendet. Die Wehren der Verbandsgemeinden haben dafür speziell geschultes Personal aus ihren Führungsstaffeln mitgebracht. Das Technische Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz sind ebenfalls mit ihren Funkeinheiten vor Ort. Damit die Zuschauer und auch die Pressevertreter ein wenig mithören können, steht ein Funkgerät draußen vor den Wagen. In kurzer Abfolge dringen die Meldungen aus dem Lautsprecher: „Große Anzahl an Gefahrgütern – benötigen einen Fachberater an der Einsatzstelle“, heißt es. Oder „Brauchen einen Gabelstapler zum Entladen des LKW.“, „Rüstzug Schweich ist eingetroffen“ und „benötigen Verpflegung und weitere Träger von Chemikalienschutzanzügen“.

„Das ist schon Wahnsinn, was da zusammenkommt“, sagt Pressesprecherin Schumacher. Wegen der hohen Belastung würden die Funker nach 30 bis 60 Einsatzminuten abgelöst. Denn sie müssen nicht nur die Information weitergeben. Für jeden Funkspruch füllen sie ein vorgedrucktes Formular aus, tragen den Inhalt der Meldung sowie den Zeitpunkt von Ein- und Ausgang ein. Im tatsächlichen Einsatz sitzt ein „Sichter“ mit im Wagen, der die Meldungen nach Priorität sortiert. Ein „Nachweiser“ dokumentiert die Funksprüche, damit alles bei Bedarf rekonstruiert werden kann. Heute werden die Zettel an Mitglieder der Einsatzleitung übergeben. Sie prüfen, ob die vorgegebenen Texte komplett und korrekt übermittelt wurden.

Dass so viele Einheiten unter Federführung des Kreises zum Einsatz kommen, ist laut Christian Neuschwander der Fall, wenn es viele Verletzte gibt, große Schäden für die Umwelt drohen und die Kräfte einzelner Verbandsgemeinden nicht ausreichen würden. Als Beispiele nennt er Schiffs- oder Bahnunglücke, Hochwasserkatastrophen, Großbrände, aber auch die Suche nach Vermissten.

Funkübung vor dem Feuerwehrmuseum FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber

Für Letzteres ist ein Instrument hilfreich, das der Schillinger Wehrführer Sebastian Merten vorführt. Er hat eine Drohne gestartet, die aus 100 Metern Höhe Fotoaufnahmen macht. „Bei Großereignissen kann man sich damit einen Überblick verschaffen und schnell ein großes Gebiet absuchen“, sagt Merten. Die Bilder würden samt Koordinaten in den Einsatzwagen übertragen. Die Drohne war laut Wehrführer 2017 vier Mal im Einsatz. Sie soll noch mit einer Wärmebildkamera nachgerüstet werden. Das in Schillingen stationierte Gerät – insgesamt rund 10 000 Euro wert – gehört dem Landkreis.

Gegen 12 Uhr ist der erste Übungsteil beendet. Um die Ergebnisse zu bewerten, sind Jörg Beckmann und Michael Ulff von der Feuer- und Katastrophenschutzschule Rheinland-Pfalz vor Ort. Beckmann ist zufrieden: „Hier sind 100 Prozent der Meldungen korrekt angekommen“, sagt er und zeigt ein Prüfblatt der Einheit aus der VG Trier-Land. „So sieht es auch bei den anderen Gruppen aus.“ Dies sei auch deshalb beachtlich, weil viele Wehren „Neulinge“ an die Funkgeräte gesetzt hätten.