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Ausbildung
Wo junge Menschen Haltung zeigen: Berufsschule in Hermeskeil und Saarburg ausgezeichnet

Schule ohne Rassismus: Horst Wenner (rechts) von der Landeszentrale für politische Bildung überreicht die Auszeichnung an Benjamin Follmann, Marc Janitzki, James Marsh (Pate der Aktion), Marie-Louise Brossette, Alena Kohl, die stellvertretende Schulleiterin Jutta Pohl und Nina Zebe (von links).
Schule ohne Rassismus: Horst Wenner (rechts) von der Landeszentrale für politische Bildung überreicht die Auszeichnung an Benjamin Follmann, Marc Janitzki, James Marsh (Pate der Aktion), Marie-Louise Brossette, Alena Kohl, die stellvertretende Schulleiterin Jutta Pohl und Nina Zebe (von links). FOTO: Herbert Thormeyer
SAARBURG/HERMESKEIL. Patenschaften für Flüchtlinge, Projekte gegen Diskriminierung: Mit solchen Aktionen hat sich die Geschwister-Scholl-Schule in Saarburg und Hermeskeil den Titel „Schule ohne Rassismus“ verdient. Ihr Engagement ist damit keinesfalls beendet. Von Herbert Thormeyer

Der Name ist Verpflichtung: Die Berufsbildende Schule mit Standorten in Saarburg-Beurig und Hermeskeil hat sich nach den Geschwistern Hans und Sophie Scholl benannt, die im Jahr 1943 ihren Kampf gegen die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten mit dem Leben bezahlten. Als ob die Gräueltaten von damals nie passiert wären, machen sich heute in Deutschland wieder Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassenhass breit. Dagegen gehen die 1122 Schüler der Geschwister-Scholl-Schule vor – und haben dafür jetzt die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus“ erhalten.

„Wir sind seit zwei Jahren aktiv“, sagt Alena Kohl (18) aus Saarburg. Damals seien rassistische Bemerkungen an der Schule gefallen, sagt sie. „Oft wird das nur aus Spaß gesagt, ohne zu überlegen, was das bewirken kann.“ Dennoch war es für die Schulgemeinschaft Grund genug, etwas zu unternehmen. Bislang liefen eine Patenschaft für eine Flüchtlingsklasse, die Projektwoche „Was heißt hier fremd?“, ein Aktionstag gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus, Lehrerqualifikationen sowie Veranstaltungen zum 75. Todestag der Geschwister Scholl.

Benjamin Follmann (19) aus Trassem empfindet das Engagement  persönlich als Bereicherung: „Im Laufe des Projekts macht man sich seine Gedanken. Das verändert einen.“ Er finde es paradox, wenn „Ausländer raus“ gebrüllt werde, obwohl gerade diejenigen, die solche Forderungen aufstellten, doch am wenigsten mit deutschen Werten zu tun haben wollten.

Vor der Aktion wurden alle Schüler, Lehrer und Angestellten der beiden Standorte gebeten, das Projekt mit ihrer Unterschrift zu unterstützen. 70 Prozent unterschrieben. In jeder Klasse wurde die Problematik um Rassenhass, Ausgrenzung, Hasskommentare im Netz und Antisemitismus in verschiedenen Fächern behandelt.

Das Organisationsteam suchte sich einen besonderen Paten: James Marsh, ehemaliger Basketball-Pokalsieger mit der TBB Trier und heute Gewerkschaftler. „Ich habe sofort zugesagt, weil ich das Projekt richtig gut finde.“ Er wolle die Aktionen auch weiterhin begleiten, denn: „Mittlerweile sind solche Projekte nötig, um Fakten wieder aus den Köpfen herauszubekommen, die zu 99 Prozent falsch sind.“

Als einziges dunkelhäutiges Kind eines Afrikaners und einer Deutschen habe er selbst in der Schule keine Ausgrenzung erfahren, sagt Marsh. Das sei erst seit ein paar Jahren verstärkt zu beobachten. Dass Menschen aus ihrer Heimat nach Europa fliehen würden, daran habe der Westen selbst Schuld wegen seines Verhaltens gegenüber den Entwicklungsländern, kritisiert Marsh.

Die Koordinatorin des Projekts und stellvertretende Schulleiterin Jutta Pohl sieht allein schon im Namen der Schule die Verpflichtung, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorzugehen. Sie prangert an: „In Deutschland passieren pro Tag vier strafrechtlich relevante Vorfälle, meist verübt von Neonazis und Rechten.“

Eine Urkunde und ein Schild „Schule ohne Rassismus –  Schule mit Courage“ hat Horst Wenner von der Landeszentrale für Politische Bildung mitgebracht. „In dieser Schule wird Haltung gezeigt, und die Schüler sind Vorbilder“, lobt er. Jutta Pohl findet: „Ein Schild allein genügt nicht. Es ist unsere Verpflichtung, nicht nachzulassen.“ Die Schule muss nun jedes Jahr weitere Aktionen nachweisen, um die Auszeichnung behalten zu dürfen. Geplant sind ein weiterer Projekttag, ein Rhetorikseminar, um besser gegen rechts argumentieren zu können, Training für Zivilcourage und eine Schulveranstaltung unter dem Motto „Fremde Heimat“.