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"Haben alles, was wir brauchen"

Familienbild mit Ranzen: Im Sommer geht das Nesthäkchen der Familie Petri, im Bild mit Freundin Elisabeth, in die Schule. Foto: Katja Krämer
Familienbild mit Ranzen: Im Sommer geht das Nesthäkchen der Familie Petri, im Bild mit Freundin Elisabeth, in die Schule. Foto: Katja Krämer
BEUREN. Benjamin Petri (10) springt auf sein Fahrrad, und "er ward den ganzen Tag nicht mehr gesehen". Genau das wünschten sich Andrea (38) und Gerhard Petri (37) für ihre Kinder – und haben es in Beuren gefunden. Von unserer Mitarbeiterin <br>KATJA KRÄMER

Computer, Fernsehen, Hausaufgaben "Hier Aktion, dort Aktion. Wir sind doch heute alle total reizüberflutet", sagt Andrea Petri. Das Eigenheim in Beuren und das 3000 Quadratmeter große Grundstück bietet Ausgleich zur Hektik des Alltags. "Hier können die Kinder hinten raus springen und sind mitten in der Natur." Vor zehn Jahren ist die junge Familie aus einer Mietwohnung in Schönberg, dem Heimatort von Gerhard Petri, nach Beuren gezogen. Andrea Petri ist in dem 1000-Seelen-Ort aufgewachsen. Das Grundstück mit fantastischem Weitblick auf zehn Hochwaldorte hat die beiden überzeugt. Sie haben den Entschluss bis heute nicht bereut. "Was ich vor allem in den letzten Monaten an Nachbarschaftshilfe erfahren habe, ist einfach nur toll", sagt die 38-Jährige. Sie trägt am rechten Fuß trotz Frühlingstemperaturen einen klumpigen Stiefel. "Achillessehnenabriss", sagt sie und ihre Mimik lässt Schlimmes vermuten. Und das bedeutete: "Taxi Mama" fällt eine Weile aus. Zur Grundschule in Beuren geht Benjamin zu Fuß, auch zum Messe dienen in der St. Wendelinus Kirche und zum Bolzen auf den Fußballplatz. Michelle darf, weil sie ein so genanntes Schulkind ist, auch schon alleine in den Kindergarten gehen. Doch wer übernimmt die Fahrten von Benjamin zum Turnverein im 15 Kilometer entfernten Hermeskeil? Wie kommt Michelle jetzt zum Ballett? Gerhard Petri ist selbstständiger Garten- und Landschaftsbauer. Während er Hofbefestigungen oder Teiche anlegt, hatte er nur hin und wieder Zeit, den Fahrdienst zu übernehmen.Nachbarschaftshilfe wird groß geschrieben

"Völlig selbstlos sind unsere Nachbarinnen Christa und Edda eingesprungen", ist Andrea Petri überaus dankbar für die erfahrene und für Beuren typische Nachbarschaftshilfe. "Da wird nicht nur geredet, da wird direkt gemacht." Eine Macherin ist auch Andrea Petri. Die ausgebildete Bilanzbuchhalterin ist die rechte Hand im Betrieb ihres Mannes. Sie erledigt die Büroarbeit, sie verkauft Pflanzen und hat jetzt eine schmucke Ferienwohnung im Keller hergerichtet. Auch Freizeit schreiben die Petris groß: Vater und Sohn lieben es, im Beurener Angelverein die dicksten Fische an den Haken zu locken. Andrea Petri bevorzugt es, in andere Rollen zu schlüpfen. "Sie spielt leidenschaftlich gern Theater", sagt ihr Mann. Alle zwei Jahre steht sie mit dem Geselligkeitsverein auf der Bühne. Wenn die Leute Spaß haben, dann ist auch die Laienschauspielerin zufrieden. Im wirklichen Leben ist sie eher die Warmherzige, die viel lacht und gerne in Beuren wohnt. "Weil wir hier alles haben, was wir brauchen. Arzt, Supermarkt, Pizzeria, Sparkasse, viele Vereine, Ruhe ", zählt sie auf. Benjamin und Michelle sehen noch einen ganz besonderen Vorteil darin, in Beuren zu wohnen. "Wir gehen auf dem Nachhauseweg immer bei Oma Rosi vorbei. Und die gibt uns dann immer etwas Süßes", erzählen die beiden und lachen verschmitzt.