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Hausbesitzer können künftig Steuern sparen

Kein schöner Anblick: Auch der Bereich Zum Ringgraben mit vielen verwaisten Häusern gehört zum Sanierungsgebiet. TV-Foto: Axel Munsteiner
Kein schöner Anblick: Auch der Bereich Zum Ringgraben mit vielen verwaisten Häusern gehört zum Sanierungsgebiet. TV-Foto: Axel Munsteiner
Hermeskeil. Große Teile der Hermeskeiler Innenstadt gelten künftig als Sanierungsgebiet. Der Stadtrat hat dessen Grenzen am Dienstagabend mit einem einstimmigen Satzungsbeschluss abgesteckt. Wenn Privatleute innerhalb des festgelegten Areals ein Haus besitzen und es renovieren, können sie künftig steuerliche Vergünstigungen geltend machen und Tausende Euro sparen. Axel Munsteiner

Hermeskeil. Die Hochwaldstadt soll schöner werden: Um dieses Ziel zu erreichen und das Erscheinungsbild von Hermeskeil zu verbessern, haben die Politiker nun die Rahmenbedingungen geschaffen. Sie sind aber darauf angewiesen, dass möglichst viele Privatleute dabei mitziehen.
Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am Dienstagabend große Teile der Innenstadt als Sanierungsgebiet ausgewiesen. Dessen Grenzen umschließen ein 38,2 Hektar großes Areal. Neben der Altstadt mit Innenstadtring sowie Fußgängerzone (Langer Markt) und dem Bereich um den Neuen Markt liegen unter anderem auch große Teile der Koblenzer Straße, der Saarstraße und fast die komplette Trierer Straße innerhalb des Sanierungsgebiets. Hinzu kommen mehrere Nebenstraßen in der Kernstadt.
Als Sanierungsgebiet gilt aber auch der etwas weiter Richtung Stadtrand gelegene Bereich Zum Ringgraben (insgesamt 1,4 Hektar). Denn dort gibt es mehrere Immobilien mit Eigentumswohnungen, die zum großen Teil leer stehen.
Die Ausweisung eines Sanierungsgebiets soll dazu beitragen, dass es in der Stadt in Zukunft weniger "bauliche Missstände" und "Gebäude mit substanziellen Mängeln" gibt, wie es das von der Stadt beauftragte Büro Kernplan (Illingen, Saarland) in seiner vorbereitenden Untersuchung formuliert hat. Bereits im Oktober 2014 hatte es für die Hermeskeiler Bürger einen Infoabend zum geplanten Sanierungsgebiet gegeben (der TV berichtete).
Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU) hob am Dienstag im Rat noch einmal die mit dem Verfahren verbundene Intention hervor: "Wir wollen die Innenstadt aufwerten, indem wir finanzielle Anreize für private Investitionen schaffen." Vordergründiger Zweck des Sanierungsgebiets ist es nämlich, die dortigen Hausbesitzer dazu zu motivieren, Geld in die Renovierung ihres Eigentums zu stecken.
Allerdings gibt die Stadt selbst keine Zuschüsse für private Bauherren.
Mit der Ausweisung des Sanierungsgebiets schafft die Stadt aber die rechtlichen Voraussetzungen, damit Bürger beim Finanzamt Vergünstigungen geltend machen können. Wer in einem Sanierungsgebiet ein Haus besitzt und es renoviert, kann dies nämlich bei der Abgabe seiner Einkommensteuererklärung als Sonderausgabe deklarierern. Er benötigt aber dafür vorher eine Bescheinigung fürs Finanzamt, die in diesem Fall das Bauamt der Verbandsgemeinde (VG) ausstellt. Das Bauamt prüft für diese Bescheinigung unter anderem, ob das Haus im fest gesteckten Sanierungsgebiet liegt und ob die Arbeiten vom Umfang her als geforderte Modernisierung oder Instandhaltung anzuerkennen sind.
Wichtig ist Bernd Willems, Sachbearbeiter beim Finanzamt Trier, dabei im TV-Gespräch folgender Hinweis: "Der Abbruch oder Neubau eines Hauses ist nicht förderungsfähig, nur die Sanierung bestehender Gebäude."
Er nennt auch ein Beispiel, welche maximale Steuerersparnis möglich ist. Steckt ein Hausbesitzer, der den Spitzensteuersatz von 45 Prozent abführen muss, 150 000 Euro in die Sanierung seines selbst genutzten Eigentums, dann werden ihm zehn Jahre lang neun Prozent der Kosten abgezogen. Er spart dann pro Jahr bis zu 6075 Euro an Steuern - insgesamt also über 60 000 Euro. Wird das Haus vermietet, können acht Jahre lang neun Prozent der Kosten und vier Jahre lang sieben Prozent der Kosten abgeschrieben werden: Die jährliche Steuerersparnis beträgt dann zunächst 6075 Euro und später 4725 Euro. Queck betonte in der Ratssitzung: "Mit der Ausweisung des Sanierungsgebiets machen wir ein reines Angebot, das den Hausbesitzern nur Vorteile und keine Nachteile bringt. Es liegt an den Eigentümern selbst, ob sie diese Chance nutzen." Er hoffe, dass die Stadt "das Sanierungsgebiet nicht nur für die Aktenschränke macht, sondern es auch mit Leben gefüllt wird."Extra

Neben der Stadt Hermeskeil haben in diesem Monat bereits zwei andere Orte in der Verbandsgemeinde Sanierungsgebiete ausgewiesen - und zwar Grimburg und Rascheid (der TV berichtete). Unabhängig von der Ausweisung von Sanierungsgebieten und den damit verbundenen steuerlichen Vergünstigungen bietet die Verbandsgemeinde Hermeskeil seit 2013 ein spezielles Förderprogramm für private Haussanierer an. Im Kampf gegen ausblutende Ortskerne gewährt die Verbandsgemeinde einen Zuschuss von maximal 8000 Euro, wenn Privatleute leerstehende Häuser renovieren oder durch den Abriss von Bruchbuden Schandflecke in den Dörfern beseitigen. ax