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Heiterer Meister der Schrauben

Hauptfeldwebel Nikolaus Vacek trat 1977 in die Bundeswehr ein, wurde 1986 Berufssoldat und kam 1992 zum Raketenartillerielehrbataillon 52 nach Hermeskeil. Seit 1992 ist er dessen Schirrmeister.Foto: Jörg Pistorius
Hauptfeldwebel Nikolaus Vacek trat 1977 in die Bundeswehr ein, wurde 1986 Berufssoldat und kam 1992 zum Raketenartillerielehrbataillon 52 nach Hermeskeil. Seit 1992 ist er dessen Schirrmeister.Foto: Jörg Pistorius
HERMESKEIL. Ohne Nikolaus Vacek würde in der Hochwald-Kaserne nichts laufen - im wörtlichen Sinn. Der 44-jährige aus Biebelhausen stammende Hauptfeldwebel ist der Schirrmeister des Raketenartillerielehrbataillons 52. Vacek ist verantwortlich dafür, dass alle Fahrzeuge und alle Waffensysteme funktionieren, wenn sie gebraucht werden. Von unserem Redakteur <br>JÖRG PISTORIUS

Die TV -Serie "Berufswunsch Bund" hat bisher zwei Waffen-Meister vorgestellt: Olaf Trüb, ein 27-jähriger Oberfeldwebel, der das Kommando an Bord des Raketenwerfers "Mars" hat, und Costia Kuhn (31), der Hauptfeldwebel, der den Werfern die benötigten Zieldaten und die Befehle des Kommandeurs übermittelt. Während Trübs ruhiges, cooles Auftreten unter sparsamstem Einsatz der Gesichtsmuskulatur ganz dem gängigen Bild des Scharfschützen entspricht, erweckt Kuhn den Eindruck des sich um alles kümmernden Chefplaners. Schließlich will er ja auch Spies - Batteriefeldwebel - werden. Eines haben Trüb und Kuhn gemeinsam - sie repräsentierten das Berufsbild "Soldat" durch Ausdrucksweise und Auftreten überzeugend und sind jederzeit leicht als "Bundeswehrs" zu identifizieren. Wer allerdings Nikolaus Vacek kennenlernt, denkt an alles mögliche, nur nicht an einen Berufssoldaten. Eine alles umfassende Heiterkeit scheint den gelernten Kraftfahrzeug-Meister aus Biebelhausen zu prägen. Um seine Begeisterung über das Interesse der Presse an seiner Person zum Ausdruck zu bringen, hat er seine Vita sogar als CD-ROM-Präsentation vorbereitet. Acht Gesellen und 35 Schrauber

"Ich bin Schirrmeister und Instandsetzungs-Zugführer", beschreibt Vacek seine Position. Übersetzt aus dem Bundeswehr-Jargon heißt das, Vacek ist Chef der Bataillons-Werkstatt. Ob Kraftrad oder Raketenwerfer - Vacek und sein Team sorgen dafür, dass Fahrzeuge und Waffensysteme einsatzbereit sind. "Die Instandsetzung besteht aus sechs Feldwebeln, acht Unteroffizieren und 35 Mannschaftsdienstgraden", erläutert der Hauptfeldwebel. "Die Feldwebel sind Meistern gleichzusetzen, die Unteroffiziere sind Gesellen." Und die Mannschaften? Vacek grinst. "Das sind die Schrauber." 1976 schloss Nikolaus Vacek seine Lehre als Kfz-Mechaniker ab und trat 1977 als 19-Jähriger in die Bundeswehr ein - nicht als Grundwehrdienstleistender, sondern als Soldat auf Zeit für zwei Jahre. "Ich fing beim Pionierbataillon 5 in Lorsch am Rhein an", erzählt der Hauptfeldwebel. "Das Dasein als Hauptgefreiter war aus Jux und Dollerei nicht schlecht, aber irgendwann stellte sich die Frage, wie es weitergehen soll." Vacek wollte nach Ablauf seiner zweijährigen Dienstzeit bei der Bundeswehr bleiben, aber nicht als Pionier-Unteroffizier. Es gab Alternativen: Nach der Versetzung zur Nachschubkompanie in Koblenz wurde er zum Fahrlehrer ausgebildet, als Stabsunteroffizier wechselte er in die Instandsetzung. Der Grund war simpel: "Da gab es was zu schaffen." 1986 wurde der Soldat auf Zeit zum Berufssoldaten. Nach Koblenz und Trier kam Nikolaus Vacek 1992 zum Raketenartillerielehrbataillon 52 nach Hermeskeil. 1997 wurde er zu dessen Schirrmeister - "verantwortlich für alles, was rollt und schießt". Der Hauptfeldwebel wohnt mit seiner Familie - zwei Kinder - in Ayl. Seine Qualifikation als Kraftfahrzeug-Experte wurde auch durch zivile Fortbildungen gefestigt: 1983 wurde Vacek Kraftfahrzeug-Mechaniker-Meister, 1991 TÜV-Prüfer. Jugendlichen etwas vorleben, ein Vorbild sein - dieses Ziel prägt Vacek privat und beruflich. Zuhause in Ayl leitet er die Jugendfeuerwehr mit 21 Mitgliedern. Herrschen dann auch Bundeswehr-Töne? Vacek: "Es ist schon erstaunlich. Wenn ich mit den Kindern ins Zeltlager fahre, räumen die spätestens am dritten Tag morgens freiwillig den Frühstückstisch ab." "Wenn sie dich schicken, gehst du auch"

Fahrzeuge, Waffen, Fernmeldegeräte - "wenn etwas kaputt ist, kommt es zu mir." Geht viel kaputt bei den Hermeskeiler Artilleristen? Ein weiteres Grinsen. "Man hat zu tun." Die Irak-Krise und der drohende Krieg ist das einzige Thema, bei dem Vacek vollkommen ernst bleibt. "Man hat als Berufssoldat einen gewissen Stolz. Wenn sie dich hinschicken, gehst du auch." Und dann wird der Entertainer in Uniform doch noch nachdenklich. "Ein Auslandseinsatz steht wohl nächstes Jahr an." Die nachdenkliche Phase dauert nicht lange. Als wir ein Foto machen wollen, lässt Vacek allen Ernstes einen Feldwebel rufen. "Der Schirrmeister schraubt doch nicht selbst." Nach ein wenig Überredung tat er es schließlich doch.