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Dorfentwicklung
Hentern geht voran: Gemeinsam Probleme im Ort anpacken

Begleitet von einigen interessierten Bürgern und Ortsbürgermeister Michael Marx (Mitte, mit Kappe) macht sich Dorfmoderator Andreas Heinke (links) ein Bild von Hentern. Im Hintergrund: ein leerstehendes Gebäude im Ortskern.
Begleitet von einigen interessierten Bürgern und Ortsbürgermeister Michael Marx (Mitte, mit Kappe) macht sich Dorfmoderator Andreas Heinke (links) ein Bild von Hentern. Im Hintergrund: ein leerstehendes Gebäude im Ortskern. FOTO: Hans Muth
Hentern. Bei einem Rundgang mit einem Dorfberater haben Gemeindevertreter und Bürger mögliche Schwachstellen in Hentern unter die Lupe genommen. Dabei wurden auch erste Ideen für Verbesserungen gesammelt. Von Hans Muth

Was sind die Stärken, was sind die Schwächen der Strukturen im Dorf? Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial? Das will die Ortsgemeinde Hentern mit Hilfe einer sogenannten Dorfmoderation herausfinden, die vom Land finanziell gefördert wird. Darum beworben hatte sich die Ortsgemeinde schon vor einer Weile. Jetzt gab es grünes Licht für die Förderung, und am vergangenen Samstag fiel der Startschuss für die Moderation, bei der ein externer Berater gemeinsam mit den Bürgern Ideen für eine Verbesserung beispielsweise der Infrastruktur oder der Dorfgemeinschaft sammelt.

Andreas Heinke, Diplom-Geograf und Stadtplaner vom Ingenieurbüro Paulus und Partner, hat diese Aufgabe übernommen. Bei einem Rundgang durch den Ort wollte er eine „erste Bestandsaufnahme“ machen. Der Gemeinderat hatte auch interessierte Bürger zu dem Rundgang eingeladen.

Ortsbürgermeister Michael Marx hatte im Vorfeld die Einwohner gebeten, Fragen und sich ergebenden Problemen offen gegenüberzustehen: „Leben und Entwicklung im Dorf sind entscheidend auf das Engagement der Bürger angewiesen“ sagt er. „Schließlich verfügen sie über das örtliche Wissen, die Erfahrung und die Ideen.“

Das Interesse am Thema ist aber offenbar noch etwas verhalten. Zum Rundgang mit dem Dorfmoderator erschienen zehn Ortsansässige und begleiteten Heinke zu den Orten, an denen Verbesserung oder Änderung notwendig erscheint. „Durch die Dorferneuerung soll eine nachhaltige und zukunftsbeständige Entwicklung des Dorfes unterstützt werden. Das Dorf soll sich als eigenständiger Wohn-, Arbeits-, Sozial- und Kulturraum weiterentwickeln“, erklärte Berater Heinke. „Wir wollen die Funktionsvielfalt des Ortes in ökonomischer, ökologischer, sozialer und kultureller Hinsicht erhalten und stärken.“

Auch die Umnutzung leerstehender Immobilien sei ein Anliegen des Projekts. Ein Schwerpunktthema sei die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen einer umfassenden und nachhaltigen Dorf­entwicklung. „Das ist ein wichtiger Beitrag zur Schaffung oder auch Erhaltung einer familienfreundlichen Gemeinde.“ Die ländlichen Räume, insbesondere die dünn besiedelten Räume mit ihren Dörfern, hätten nur dann eine Zukunft, wenn auch junge Familien mit ihren Kindern im Dorf blieben. Idealerweise würden sich diese Bewohner dort niederlassen und sich auch für Belange der Dorf­entwicklung engagieren.

Der Rundgang durch den Ort ist ein erster Teil der Dorfmoderation, wobei die Sichtung der örtlichen Probleme Ansätze für Verbesserungen oder Änderungen ergeben soll. Ein leerstehendes Haus im Ortskern, das mit seinen Begleiterscheinungen auch die Nachbarschaft beeinträchtigt, stand im Fokus. „Wenn Wasser auf der Fahrbahn sich seinen Weg sucht, weil zugewachsene Rinnen den Ablauf versperren, ist das nur einer von mehreren Aspekten, die die Nachbarn betreffen“, sagte eine in der Nähe wohnende Bürgerin.

Ein massiv errichteter Schuppen mit rundem Tor und Applikationen aus vergangenen Jahrzehnten warf die Frage auf: Ist das erhaltenswert oder sollte man ihn abreißen? Der Moderator machte auch erste zurückhaltende Vorschläge, etwa zur Gestaltung eines Bachlaufs im Ortsinneren oder zur Verschönerung des Dorfplatzes, die auch vom Gemeinderat angestrebt wird. „Wir werden das Gesehene in den nächsten Tagen analysieren und Kontakt zur Gemeinde halten“, sagte Heinke. „Die Dorfmoderation ist für uns auch ein Schritt, im kommenden Jahr als Schwerpunktgemeinde anerkannt zu werden“, sagt Ortsbürgermeister Marx. Durch diese besondere Förderung käme die Gemeinde über einen Zeitraum von acht Jahren in den Genuss hoher Landeszuschüsse für Projekte, die der Dorfentwicklung dienen. „Die Chancen stehen gut, dass wir 2019 als Schwerpunktgemeinde dabei sind.“

Eine Informationsveranstaltung zur Dorfmoderation für alle Henterner Bürger wird für Donnerstag, 9. August, ab 19 Uhr in der ehemaligen Schule organisiert.