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Hermeskeiler Bürger und Geschäftsleute surfen bald schneller durchs Netz

Noch existiert das neue Glasfasernetz für Hermeskeil nur auf dem Plan, den Dirk Feiten (Westnetz), Marco Felten (Kommunalbetreuer Innogy), Michael Arens (Regionalleiter Innogy) und Stadtbürgermeister Mathias Queck präsentieren. Aber bald starten die Bauarbeiten am Gewerbegebiet Grafenwald.
Noch existiert das neue Glasfasernetz für Hermeskeil nur auf dem Plan, den Dirk Feiten (Westnetz), Marco Felten (Kommunalbetreuer Innogy), Michael Arens (Regionalleiter Innogy) und Stadtbürgermeister Mathias Queck präsentieren. Aber bald starten die Bauarbeiten am Gewerbegebiet Grafenwald. FOTO: Christa Weber
Hermeskeil. Das Unternehmen Innogy verlegt bis 2018 Kabel für besseres Internet im Hermeskeiler Industriegebiet Grafenwald und am Lascheider Hof. Nachbarorte warten noch auf den Ausbau. Christa Weber

Filme übers Internet anschauen, Webseiten ohne langes Laden aufrufen, den Arbeitsplatz im eigenen Haus einrichten: Das alles ist nur möglich, wenn die Internetverbindung das auch mitmacht. In Teilen des Hermeskeiler Stadtgebiets und im Gewerbegebiet Grafenwald ist das bislang nicht der Fall.

Das soll sich nun ändern. Das Unternehmen Innogy startet in den nächsten Tagen mit Tiefbauarbeiten. Dabei wird ein 15 Kilometer langes Glasfaserkabel von Abtei über den Grafenwald, dann teilweise unter der Innenstadt hindurch bis hinauf zum Lascheider Hof verlegt. Das Übertragen von Daten soll dadurch schneller werden - bis zu 120 Megabit pro Sekunde sind laut Michael Arens, Regionalleiter bei Innogy, künftig drin.

Neun sogenannte Multifunktionshäuschen werden dafür laut Netzplaner Dirk Feiten aufgestellt. Von dort wird das leistungsfähige Kabel in Leerrohre eingezogen und an die letzten Meter Leitung bis zu den Häusern angeschlossen. Im Gewerbegebiet und in der Siedlung am Lascheider Hof werde das Kabel direkt bis an die Häuser gelegt, sagt Arens. Deshalb seien dort noch höhere Übertragungsraten möglich. Es bestehe für die Bürger kein "Anschlusszwang", betont Stadtbürgermeister Mathias Queck. Zudem behalte der Nutzer die Wahl, ob er später Innogy oder einen anderen Internetanbieter vorzieht.

"Für die Stadt als Wohn- und Gewerbestandort ist das ein enorm wichtiger Fortschritt" sagt Queck. Tele-Arbeit von zu Hause werde immer wichtiger, und für die Betriebe sei schnelles Internet ein Muss. "Wir mussten diese Chance nutzen, um auch den Grafenwald anzuschließen." Für den Lascheider Hof sei besseres Internet ebenfalls wichtig, damit sich dort "jüngere Leute ansiedeln, und es ein lebendiger Stadtteil bleibt".

Nach dem Ausbau von Abtei bis zum Lascheider Hof wird es in Hermeskeil flächendeckend Glasfasertechnik geben. Bei künftigen Straßensanierungen könne man daher überlegen, sagt Kommunalbetreuer Marco Felten, ob dann auch Glasfaser bis an die Häuser gelegt werden könnten. Die letzten Meter bis dorthin werden noch meist durch langsamere Kupferkabel überbrückt.

Das Unternehmen investiert in Hermeskeil 1,2 Millionen Euro - ohne finanzielle Beteiligung der Stadt. Dies sei möglich, erklärt Regionalleiter Arens, weil die Befragung bei möglichen Kunden, vor allem im Gewerbegebiet, ein großes Interesse ergeben habe. Angesichts hoher Tiefbaukosten lasse sich ein Stadtgebiet deutlich wirtschaftlicher erschließen als kleine Dörfer, ergänzt Arens. Dennoch werde man auch dort aktiv. "Wir verstehen uns als Flächenversorger und fühlen uns der Region verpflichtet." 2009 habe RWE, dessen eigenständige Tochter Innogy ist, entschieden, Rohre für Glasfaserkabel in neue Leitungsgräben zu legen. Das habe mit "einzelnen Inseln" begonnen, man sei aber dabei, "das Netz im ländlichen Raum zu verdichten. Wir picken uns nicht nur die Filetstücke raus."

2016 wurden sechs Orte im Bereich Rascheid/Geisfeld ans schnelle Datennetz angeschlossen. Versorgungslücken in der Verbandsgemeinde Hermeskeil bestehen laut Breitbandatlas für Rheinland-Pfalz, erstellt vom TÜV Rheinland, in Grimburg, Neuhütten und Teilen von Beuren. Dort will der Kreis Trier-Saarburg mit mehreren Millionen aus einem Bundesförderprogramm mindestens 50 Mbit ermöglichen (siehe Info). Auch die bislang noch unterversorgten Teile der Stadt Hermeskeil waren für diesen Ausbau im Gespräch. Die Stadt hätte allerdings - trotz hoher Zuschüsse - noch einen Eigenanteil beisteuern müssen. Nun bietet sich eine kostenlose und schnellere Lösung. Im Frühjahr soll das neue Netz betriebsbereit sein. Mögliche Nutzer werden ein halbes Jahr vorher angeschrieben und zu Informationsabenden eingeladen

Auch der Kreis plant Verbesserungen
Im Landkreis Trier-Saarburg haben laut einer Studie des TÜV Rheinland nur 44 Prozent aller Haushalte eine Internetverbindung, die mindestens 50 Megabit an Datenmenge pro Sekunde überträgt. 2016 wurde ein Bundesförderprogramm aufgelegt, aus dem mehrere Millionen Euro in den Kreis fließen sollen. Nach Berechnungen der Kreisverwaltung würden für den Anschlussvon Wohn- und Gewerbegebieten ans schnelle Netz insgesamt 15,3 Millionen Euro benötigt. 90 Prozent dieser Kosten würden Bund und Land tragen. Am 21. März wurde laut Kreisverwaltung eine Förderung in vorläufiger Höhe von rund 7,7 Millionen Euro bewilligt. Für Ausbau und Ausschreibung des Auftrags sei der Kreis in zwei Teilgebiete (Ost und West) aufgeteilt worden. Nach einem vorgeschalteten Teilnahmewettbewerb müssten die interessierten Unternehmen nun Angebote abgeben. Die Frist ende in Kürze. Ziel sei es, dass die Kreisgremien die Vergabe bis Ende Oktober 2017 beschließen. Der Vertrag soll noch vor Jahresende unterzeichnet werden.

Meinung: Ohne die Kommunen wird es trotzdem nicht gehen
Die Hermeskeiler dürfen sich freuen. Ein Unternehmen investiert 1,2 Millionen Euro in den Ausbau des Glasfasernetzes vor Ort - und die Stadt kostet das nichts. Das liegt vor allem daran, dass bei Projekten im Stadtgebiet, wo viele Kunden zu gewinnen sind, die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke gering ist. Die Kommunen müssen hier kein Geld drauflegen, damit sich das Projekt für die Firmen rentiert. Trotzdem wird eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet ohne den finanziellen Einsatz der Kommunen nicht zu schaffen sein. Denn die größten Lücken klaffen nach wie vor auf dem Land. Hier sind die Investitionskosten oft hoch, das Interesse der Anbieter deshalb gering. Eine Lösung sind Kooperationen mehrerer Dörfer, die für den Anschluss ans Glasfasernetz zusammenlegen. Noch besser ist die Initiative des Kreises - wenn sie denn, wie nun angekündigt, tatsächlich zeitnah umgesetzt wird. c.weber@volksfreund.de