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Hier wird noch platt gesprochen

Gusenburg/Grimburg. "Hilfe, unser Dialekt stirbt aus!" Gegen diesen allgemeinen Trend stemmt sich das Erzieherinnen-Team im Gusenburger Kindergarten. Sie bringen den Jungen und Mädchen mit Einverständnis der Eltern das Platt sprechen bei. Das Modellprojekt zur Förderung der Mundart läuft in Kooperation mit der Kreis-Volkshochschule und ist bisher einzigartig im Raum Trier-Saarburg. Axel Munsteiner

"We speak English!" "Nous parlons francais!" Es gibt viele Kindergärten, in denen Jungen und Mädchen schon früh fremde Sprachen kennen lernen. Auch in der Gusenburger Kita gibt es ein Projekt zur Sprachförderung. Nur heißt es dort: "Bey us get nochmol platt geread!"
Ganz bewusst sprechen die Erzieherinnen mit den etwa 30
Ganztagskindern aus Gusenburg und dem benachbarten Grimburg im heimischen, moselfränkischen Dialekt.
Das geschieht beispielsweise beim gemeinsamen Mittagessen, "wenn mir all hei scheen sesommenhucken" und vorher alle Kinder ins eingeübte Gebet in Platt einstimmen.

Aber auch beim Spazierengehen, beim Kochen und Backen oder auch beim Waschen und Zähneputzen - eben in ganz alltäglichen Situationen - schalten die Erzieherinnen um Kita-Leiterin Annette Jungbluth auf Mundart um. So bringen sie den Jungen und Mädchen quasi nebenbei und ohne erhobenen Zeigefinger Begriffe und Wörter bei, die sie zuhause oft nicht mehr hören. "Meine Mama lacht sich immer kaputt, wenn ich heimkomme und ihr was auf Platt erzähle", berichtet Paul Adams (6). Auch Maximilian Dellwo (4) findet es gut, dass er jetzt noch eine andere Sprache kennt. "Daheim reden wir entweder Deutsch oder Russisch."

Für die Erzieherinnen Doris Giebel und Bärbel Köhl ist das Projekt ein Herzensanliegen. Denn: "Es ist schade, dass das Platt sprechen immer mehr verloren geht. Wir setzen uns dafür ein, unseren Dialekt lebendig zu halten und versuchen, ihn den Kindern spielerisch beizubringen", sagen sie.

Vorher hatten die Erzieherinnen ihre Idee aber den Eltern vorgestellt. Erst als diese mit großer Mehrheit zugestimmt hatten, startete das Mundart-Projekt in der Gusenburger Kita.

Die Einschätzung, dass der heimische Dialekt vom Aussterben bedroht ist, bestätigt Rudolf Müller, der Leiter der Kreis-Volkshochschule (KVHS) Trier-Saarburg: "Es ist oft so, dass nur noch die Großeltern platt sprechen. In der mittleren Generation, also bei den Eltern, bricht die Weitergabe aber ab. Deshalb können die meisten Kinder keinen Dialekt mehr. Dabei hat die Mundart für die Identität eines Dorfes eine sehr große Bedeutung."

Die KVHS unterstützt das Projekt in der Gusenburger Kita, "das so weit uns das bekannt ist, im Kreis Trier-Saarburg einzigartig ist", so Müller. Das Konzept haben Kita und KVHS gemeinsam erarbeitet. Die KVHS denkt zudem darüber nach, flankierend Vorträge oder Kulturveranstaltungen in Gusenburg anzubieten, bei denen ebenfalls die Mundart im Vordergrund steht.

Zwar würde es der Chef der KVHS Müller grundsätzlich begrüßen, wenn sich auch in anderen Kitas das Platt sprechen wieder mehr einbürgern würde. "Ein solches Projekt lässt sich aber nicht eins zu eins auf andere Orte übertragen. In Gusenburg hatten wir dafür eine optimale Situation. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass dort mehrere Erzieherinnen selbst platt reden und alle Beteiligten voll hinter der Sache stehen."