| 20:40 Uhr

"Ich wollte den Krieg verhindern"

Das Verhör durch den Gestapomann (Jörg Fabrizius, links) lässt die Folter von Georg Elser (Konrad Haller) nur erahnen. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Das Verhör durch den Gestapomann (Jörg Fabrizius, links) lässt die Folter von Georg Elser (Konrad Haller) nur erahnen. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Am einstigen Ort des Grauens, dem SS-Sonderlager und KZ Hinzert, ist an die Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft erinnert worden. Zum Internationalen Gedenktag wurde eine szenische Darstellung über Hitler-Attentäter Georg Elser vorgeführt.

Hinzert-Pölert. (doth) Acht Menschen starben am 8. November um 21.20 Uhr durch eine Bombenexplosion im Münchner Bürgerbräukeller. Das Ziel des Anschlags, Adolf Hitler umzubringen, hat Georg Elser verfehlt. Der "Führer" hatte wenige Minuten zuvor den Saal verlassen. Noch am gleichen Abend wurde Elser an der Schweizer Grenze festgenommen. Er habe doch nur den Krieg verhindern wollen, gab er später zu Protokoll.

In der szenischen Darstellung von Heiko Ostendorf wurde rund 100 Zuschauern in der Gedenkstätte Hinzert vor Augen geführt, wie der gelernte Schreiner und Uhrmacher zum Hitler-Attentäter wurde. "Ich fand es erschreckend und traurig, dass dieses Attentat im Gegensatz zu Stauffenberg so unbekannt ist", begründet der Autor sein Stück.

Konrad Haller spielt Georg Elser, der mit technischem Sachverstand eine Zeitbombe in eine tragende Säule des Münchner Bürgerbräukellers einbaut, um damit die Führungsriege des Naziregimes bei einer Veranstaltung auszulöschen. In Szenen mit Jörg Fabrizius, der ein halbes Dutzend Rollen spielt, wird aufgezeigt, wie der Plan bereits 1938 reifte, mit einem Attentat einen drohenden Krieg zu verhindern. "Dieses Stück ist ein Mahnmal für alle, die behaupten, man habe doch nichts tun können", sagt Schauspieler Fabrizius.

Der Vorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte KZ Hinzert, Dieter Burgard, ist bemüht, an Gedenktagen immer andere Opfergruppen in den Mittelpunkt zu rücken und meint: "Dieses Theaterstück ist dabei etwas Besonderes."

Elser ist allein, hat keine Mitwisser und ist technisch so versiert, eine exakt arbeitende Zeitbombe im unbewachten Bürgerbräukeller in München einzubauen. Für ihn ist klar: "Die Nazis wollen den Krieg". Original Tondokumente machen das Schicksal Elsers noch beklemmender.

Zeitzeuge ist Paul Müller aus Hermeskeil. Der heute 85-Jährige weiß: "Die haben uns Kindern weis gemacht, dass im Lager Hinzert nur Leute sind, die etwas auf dem Kerbholz haben." Die Darstellung im Theaterstück sei sehr nahe an der Wirklichkeit. Wie genau Elsers Entwicklung bis zum Entschluss, Hitler umzubringen, dargestellt wurde, beeindruckte die 23- jährige Studentin Svenja André aus Trier: "Das war ein innerer Konflikt und Kampf."

Georg Elsner wurde am 9. April in Dachau ermordet.