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In jedem Ranzen steckt ein Esslöffel

Freude bei den Gymnasiasten: Die Dankesurkunde von Mary's Meals für die vielen gesammelten Rucksäcke ist schon da. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Freude bei den Gymnasiasten: Die Dankesurkunde von Mary's Meals für die vielen gesammelten Rucksäcke ist schon da. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Hermeskeil. Wer sich kein Essen leisten kann, hat auch kein Geld für Bildung. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen hat sich die Hilfsorganisation Mary\'s Meals zum Ziel gesetzt. Das Gymnasium Hermeskeil macht beim Rucksackprojekt mit. Nicht mehr benötigte Schulranzen wurden mit Lernmaterial, Kleidung und Hygieneartikeln gefüllt. Herbert Thormeyer

Hermeskeil. Schulranzen werden im Laufe eines Schülerlebens vier- bis sechsmal getauscht, liegen danach herum oder werden weggeworfen. Für afrikanische Kinder sind sie ein Segen, vor allem, wenn darin vieles zu finden ist, was sie zum Lernen und Anziehen oder um sich zu waschen brauchen.
"Für die Kinder in Malawi und Liberia, wo wir die Schulranzen hinschicken, ist das wie ein Lottogewinn", freut sich Maren Müller. Die 15-Jährige hat mit ihrer Freundin Anna-Lena Würz (16) und ihren Mitschülern in der Schulzeitung des Gymnasiums Hermeskeil das Rucksack-Projekt der Schulelternvertretung erklärt.Überprüfung der Organisation


"Wir haben in der Elternschaft über School-Spirit diskutiert", sagt deren Vorsitzende, Heike Jessen. Heraus kam, dass es mit Mary\'s Meals eine Organisation gibt, die gleichzeitig Hunger bekämpft und Bildung fördert, ohne dabei durch die Hintertür zu missionieren.
Gremiumsmitglied Michael Wahlen, von Beruf Leiter der Polizeiinspektion, überprüfte die Organisation, bevor die Schüler aktiv wurden, auf Herz und Nieren.
Fast 400 Schultaschen und Ranzen kamen bei der Sammelaktion für Mary\'s Meals schließlich zusammen, alle gefüllt mit Schulmaterial, Kleidung und Hygieneartikeln. Gleichzeitig lief eine Spendenaktion, die einen hohen dreistelligen Betrag einbrachte. Wie viel genau, muss noch ermittelt werden. Außerdem sammelte die Schülervertretung mit einem Kuchenverkauf 130 Euro, und die Bastelaktion der Grundschule brachte immerhin 78 Euro.
Auch in deutschen Familien aussortierte Esslöffel befinden sich in den Schultaschen. Denn nicht nur für ausreichend Nahrung, selbst für Besteck fehlt in Malawi oft das Geld.
"Mit zehn Euro kann ein Kind ein Jahr lang ernährt werden", freut sich Jessen. Das THW und sein Ortsbeauftragter Helmut Olinger bringen die Schulranzen nach Mainz, wo sie in Containern verschifft werden. Maximal zwei Euro kostet das pro Ranzen.
Für Schulleiter Arno Ranft sind solche Aktionen wichtig für den "School-Spirit": "Es gilt, als Schulgemeinschaft etwas Gemeinsames zu leisten und zu zeigen, wie wichtig Bildung fürs Überleben ist."
Deutsche Kinder haben ihren Altersgenossen jetzt die Schultasche gepackt, damit wenigstens 400 eine bessere Chance im Leben haben.Extra

Mary\\'s Meals begann 2002 als ein Schulspeisungsprojekt an einer kleinen Schule. Heute versorgt die Hilfsorganisation über 820 000 Kinder mit einer täglichen Mahlzeit. Deutschland war das erste Land, das die Idee von Mary\\'s Meals aufgriff und 2004 einen eigenen Verein gründete, um die Schulspeisungen von Mary\\'s Meals zu unterstützen. Die Organisation ist in Mainz unter Telefon 06131/ 3337864 oder 0700/80868086 erreichbar. Informationen zum Rucksackprojekt unter Telefon 06131/4935561. Die Idee, Hunger zu bekämpfen und gleichzeitig Bildung zu fördern, wird im Internet unter www.marysmeals.de erklärt. doth