| 20:35 Uhr

Jakobsweg führt bald durch den Hunsrück

Rheinböllen/Kirchberg. Mit der von Bingen nach Trier führenden Ausoniusstraße verläuft quer über den Hunsrück eine Route, die im Mittelalter zu den meistbegangenen Jakobswegen in Deutschland zählte. Eine Initiative will jetzt einen Lückenschluss mit der Einbeziehung des Ausoniusweges in das aktuelle deutsche und europäische Jakobswegenetz erreichen. Denn bisher laufen alle offiziellen Jakobswege am Hunsrück vorbei. Werner Dupuis

Rheinböllen/Kirchberg. Pilgern auf dem Jakobsweg ist fast schon zur Massenbewegung geworden. Europaweit sind Tausende zu Fuß unterwegs, um irgendwann das Grab des heiligen Jakobus im spanischen Santiago de Compostela zu erreichen. Während seines Pilgergangs in Spanien ist Hans-Günter Haberkamp aus Kastellaun die Idee gekommen, auch im Hunsrück einen Jakobsweg zu initiieren. Als Kenner der Heimatgeschichte hat er sich Peter Casper aus Kirchberg mit ins Boot geholt. Casper gehörte zu der Gruppe, die in den 1990er Jahren den schon in römischer Zeit genutzten Ausoniusweg als Fernwanderweg zwischen Bingen und Trier wiederentdeckte.
Jetzt fand im Rathaus in Rheinböllen ein erster Erörterungstermin von Vertretern der zwischen Bingen und Horbruch liegenden Landkreise, Verbandsgemeinden, des Hunsrück-Vereins und als kompetenter Beratung einer Abordnung der St.-Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland statt.
Casper gab einen kurzen historischen Exkurs. Der Prinzenerzieher Ausonius unternahm bereits im Jahr 369 nach Christus die damals recht beschwerliche Reise quer über den Hunsrück. Die im Mittelalter weiter benutzte Römerstraße war beim ersten Kreuzzug 1096 eine wichtige Verbindung. Hildegard von Bingen nutzte sie 1160 auf einer Predigtreise und Napoleon beim Feldzug gegen Russland 1804. Rechts und links der Ausoniusstraße gibt es eine Fülle von Hinweisen zum Apostel Jakobus. Er dient als Patron einiger peripher liegender Kirchen. Die Bürgermeister Arno Imig, Manfred Faust und Harald Rosenbaum und alle Vertreter der anwesenden Behörden sagten ihre Unterstützung zu.
Bereits in den nächsten Tagen wird eine Arbeitsgruppe einberufen. Für Thomas Auler, Vorsitzender des Hunsrück-Vereins, bietet das Projekt neben der Belebung des antiken Wanderweges auch die Chance einer höheren Sensibilisierung für die Heimatgeschichte. Zuversichtlich ist Roland Zick, Präsident der Jakobus-Gesellschaft, dass schon in relativ kurzer Zeit ein offizieller Jakobsweg durch den Hunsrück führt. Wichtig sei die Einbindung breiter Teile der Bevölkerung. Die Finanzierung solcher Projekte sei in der Regel durch Sponsoring, Spenden und europäische Fördertöpfe möglich.
Um den Lückenschluss im deutschen und europäischen Jakobswegenetz zwischen Bingen und Trier in die Wege zu leiten, laden Peter Caspar, Kirchberg, und Heinz-Günter Haberkamp, Kastellaun, mit Unterstützung durch den Hunsrückverein und durch weitere Institutionen (wie etwa die Hunsrück-Touristik) zu einer Versammlung am Dienstag, 18. Oktober, um 9 Uhr in den Archäologiepark Belginum bei Morbach ein. Um das erstrebte Ziel zu erreichen, sollen für den Abschnitt Horbruch bis Trier alle Betroffenen (Kreise, Verbands- und Ortsgemeinden) und weitere Interessierte mit ins Boot genommen werden. red
Interessenten können sich anmelden unter den Telefonnummern 06762/409660 und 06763/910 142.