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Johnen-Pleite: Viel Respekt, Kritik vom Bauernverband

Großkampenberg. Die TV-Veröffentlichung über die Insolvenz des Eifeler Landtagsabgeordneten Dietmar Johnen (Bündnis 90/Die Grünen) hat lebhafte Reaktionen hervorgerufen. Der Bauernverband reagierte kritisch, viele Bekannte aber, so Johnen, hätten ihm Respekt gezollt.

Großkampenberg. Eine Nachricht schlägt Wellen: Dietmar Johnen, der im Frühjahr unerwartet für Bündnis 90/Die Grünen in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt wurde, ist mit seinem Bauernhof in die Pleite geraten. Gleich zwei Fernsehsender, sagt er, hätten sich nach dem TV-Artikel von Dienstag bei ihm gemeldet, um Beiträge zu drehen. "Aber so was mache ich nicht", sagt er. "Ich muss auch meine Familie schützen."
Er habe "auf der politischen Ebene" großen Zuspruch für seinen Schritt in die Öffentlichkeit erfahren, sagt der 46-Jährige, und zwar parteiübergreifend. Viele Menschen hätten ihm gegenüber ihren Respekt bekundet. Allerdings weiß er auch, dass die Reaktionen nicht überall so ausfallen dürften, auch wenn er das vielleicht nicht direkt mitbekommen werde: "Mir wird keiner ins Gesicht sagen: Du bist zu blöd zum Wirtschaften."
Den Vorwurf wird er wohl nicht beseitigen können - auch wenn er darauf hinweist, dass nach der Übernahme des Hofs in Großkampenberg vieles innerhalb kurzer Zeit zusammengekommen sei: Er habe das Haus innen umbauen müssen, BSE und die Blauzungenkrankheit hätten "kräftig zugeschlagen", dann der dramatische Preisverfall bei der Milch, "alles innerhalb von zwei, drei Jahren".
Johnen hatte in dem Artikel auch darauf hingewiesen, dass die Lage vieler Landwirte schwierig sei - und er nicht der einzige, den es in die Pleite getrieben habe.
Das allerdings kritisiert der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau in einem Schreiben an den Trierischen Volksfreund und moniert, dass in dem Beitrag "unzulässige Vergleiche, angebliche Fakten und unbegründete Mutmaßungen" vorgetragen würden. Zwar sei in Rheinland-Pfalz die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den vergangenen elf Jahren um etwa 15 000 zurückgegangen, darunter seien aber "Gott sei Dank" nur sehr wenige Insolvenzen gewesen - "landesweit insgesamt deutlich weniger als ein Prozent".
Die jüngste Marktkrise insbesondere bei Milch und Schweinen habe gezeigt, dass es trotz aller Schwierigkeiten möglich sei, ein solches Preistief zu überstehen, heißt es weiter.
Der Verband betont "nachdrücklich, dass er die unbefriedigende Erlös- und Einkommenssituation des Jahres 2009/2010 nicht schön reden" wolle, dass aber andererseits von einer "Gefährdung der klassischen bäuerlichen Landwirtschaft" nicht die Rede sein könne. Der Berufsstand könne "auf einen derartigen publikumswirksamen Lobbyismus" gerne verzichten.
Dietmar Johnen wartet unterdessen auf die weiteren Schritte des Insolvenzgerichts in Bitburg. Um die finanziellen Forderungen der laut Insolvenzverwalter Hans-Dieter Ehlenz etwa zehn Gläubiger bedienen zu können, wird wahrscheinlich auch Johnens Abgeordnetengehalt herangezogen. fpl