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Gesellschaft
Jubiläumsfest im Gemeindepsychiatrischen Zentrum Hermeskeil: Wo Menschen anderen Halt geben

Mit exotischen Instrumenten und Trommelrhythmen eröffnen Klienten des Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrums in Hermeskeil den Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Einrichtung, die psychisch kranken Menschen Unterstützung und Betreuung bietet. Foto: Christa Weber
Mit exotischen Instrumenten und Trommelrhythmen eröffnen Klienten des Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrums in Hermeskeil den Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Einrichtung, die psychisch kranken Menschen Unterstützung und Betreuung bietet. Foto: Christa Weber FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Hermeskeil. Mitarbeiter, Klienten und Unterstützer des Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrums in Hermeskeil haben das 20-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert. Seit 1998 werden dort Menschen mit psychischen Erkrankungen betreut. Von Christa Weber
Christa Weber

Es ist ein wenig kühl im Festzelt neben dem Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrum (GPBZ) in der Hermeskeiler Bahnhofstraße. Versammelt haben sich dort etwa 90 geladene Gäste aus Politik und Gesellschaft – darunter viele Kooperationspartner sozialer Einrichtungen –, um das 20-jährige Bestehen des Zentrums zu feiern. Dessen Mitarbeiter betreuen seit 1998 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Den Festakt eröffnen einige dieser Klienten mit Trommelklängen und exotischen Gesängen. „Sie werden uns mit ihrer Musik sicher ein wenig wärmen“, scherzt Werner Schmitz, Hausoberer des Schönfelderhofs. Damit spielt er auch auf den passenden Namen der zweiten Musikgruppe an: Das Duo Lagerfeuer begleitet die Feier mit Gitarrenklängen.

Der Schönfelderhof der Barmherzigen Brüder Trier (BBT) in Zemmer ist die Zentrale, von der aus noch vier weitere Betreuungszentren in Schweich, Daun, Prüm und Bitburg verwaltet werden. Die Mitarbeiter in Hermeskeil bieten ambulante Hilfe an, besuchen die Betroffenen in deren Zuhause und begleiten sie im Alltag. Zusätzlich gibt es im Zentrum eine Tagesstätte mit Therapie- und Freizeitangeboten sowie Wohnungen, die an Klienten vermietet werden. 62 Menschen aus den Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil, Kell und Ruwer nutzen derzeit diese Hilfsangebote.

Wie es vor 20 Jahren zu dem Wendepunkt kam, die außerklinische Versorgung psychisch Kranker nicht mehr in weit entfernten Einrichtungen, sondern ortsnah zu organisieren, beschreibt Albert Mandler. Er verantwortet bei der BBT-Gruppe den Fachbereich Psychiatrische Dienste. 1997 habe der Kreis Trier-Saarburg beschlossen, gemeindenahe Strukturen aufzubauen, und am Schönfelderhof habe man intensiv darüber nachgedacht. Schnell sei man sich einig gewesen, „jedem Betroffenen in der Region Unterstützungsleistungen zur Verfügung zu stellen, individuell nach seinem persönlichen Bedarf“. Die Angebote – schon damals breit gefächtert – seien dann in den GPBZ unter einem Dach zusammengeführt worden.

Joachim Speicher, Abteilungsleiter für Soziales und Demografie im rheinland-pfälzischen Sozialministerium, schildert einen weiteren Grundpfeiler der neuen Angebote. Mitte der 1990er Jahre habe die „Stunde der Personenzentrierung“ geschlagen. Die wichtige Erkenntnis damals: „Wer sich für den tatsächlichen Bedarf eines Menschen mit seelischem Handicap interessiert, der muss verhandeln statt behandeln“. Im Dialog mit dem Betroffenen sei fortan die Unterstützung geplant worden, orientiert an der Frage: „Zu was braucht er unsere Hilfe?“ Er selbst, sagt Speicher, habe bei seiner früheren Tätigkeit im Trierer Brüderkrankenhaus die „Grundhaltung von Menschlichkeit und Gemeindenähe“ kennengelernt, die auch die Entwicklung der Gemeindepsychiatrischen Zentren geprägt habe. 

Bruder Peter Berg erinnert an Peter Friedhofen, den Gründer der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder von Maria Hilf. Dieser habe schon früh mit der Betreuung kranker und geistig beeinträchtigter Menschen begonnen. Der „Schritt zurück zu den Menschen“, die Betreuung in ihrer konkreten Lebenssituation, sei der Ansatz auch für die Betreuungszentren gewesen. „Dieses Modell war und ist genau richtig“, sagt Peter Berg. „Und ich bin überzeugt, dass wir diese Geschichte weiterschreiben.“

Für den berührendsten Moment der Feier sorgt Werner Quetsch, Leiter des Hermeskeiler GPBZ. Er liest die Lebensgeschichte eines inzwischen verstorbenen Klienten vor, die dieser mit der Erlaubnis aufgeschrieben habe, sie öffentlich zu machen. Darin berichtet der Mann von seiner Schizophrenie und da­rüber, wie die Krankheit seinen Lebensweg beeinflusst hat. Wie er nach mehreren Klinikaufenthalten schließlich Hilfe im Hermeskeiler GPBZ fand und einen Weg, trotz Krankheit wieder Ziele zu verfolgen. „Dort hatte ich endlich jemanden, mit dem ich meine Sorgen besprechen konnte“, schreibt der Betroffene. Die Betreuer hätten ihm auch bei praktischen Dingen wie der Bewältigung seiner Schulden und dem Verkauf seines Elternhauses geholfen. Theo Palm, erster Beigeordneter der VG Hermeskeil, bringt die Bedeutung des Zentrums auf den Punkt: „Hier sind Menschen für Menschen da.“ In der heutigen Zeit, wo Kinder nebeneinander im Bus säßen und nur auf ihren Smartphones tippten, sei dies wichtiger denn je.

Am Sonntag gab es bei einem Tag der offenen Tür Gelegenheit für interessierte Bürger, sich im Zentrum umzuschauen und über alle Hilfsangebote zu informieren.